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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal mit Gipsabgusssammlungen, poetischen Installationen, Aneignungen einer Stadt, scheinbaren Alltagsgegenständen sowie weiblichen und männlichen Posen
// STEFFI PARLOW
München: The Imaginary Museum

Einer der Räume des Münchner Kunstvereins diente einst als Ausstellungsraum einer Gipsabgusssammlung. Der Kunstverein verweist nun auf diese Tatsache mit der Ausstellung "The Imaginary Museum", für die eine ortsspezifische Installation mit Gipsabgüssen entsteht. Sie versteht sich als Rekonstruktion nach einem Foto von 1932.

Damit werden nun neuere Abgüsse ehemaliger Kopien gezeigt, da die originale Abgusssammlung zerstört wurde. Indem die Installation Werken von zeitgenössischen Künstlern gegenübergestellt wird, stellen sich die Fragen nach Original und Reproduktion, was nicht ausschließlich auf der Ebene der Skulptur verhandelt wird. Zeitgenössische Künstler fragen, wie Institutionen und Politik über Originalität und Wert entscheiden, das heißt, was gesammelt wird und wie diese Exponate dann präsentiert werden. Oder sie bearbeiten Material von anderen Autoren, aus Filmen oder aus dem Internet. Die Ausstellung geht den Fragen nach: Welches Potenzial tragen und trugen Kopien oder Modifizierungen heute, aber auch in der Vergangenheit in sich? Welche Hierarchie besteht immer noch zwischen Original und Kopie? Und welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Archivierung lassen sich finden?

Die Ausstellung ist bis 9. September 2012 im Kunstverein München zu sehen.

Neuss: Sofia Hultén - Statik Elastik

Sieht man einen gewöhnlichen Alltagsgegenstand im Kontext einer Ausstellung, denkt man zunächst an die große Geste der Ready-Mades von Marcel Duchamp. Ist es nur ein gewöhnliches „Ding“? Oder vermag es auch etwas Mysteriöses, Rätselhaftes in unserem Denken zu hinterlassen? Die Arbeiten der 1972 in Schweden geborenen Künstlerin Sofia Hultén spielen mit diesem Potenzial. Sie begibt sich auf die Suche nach Objekten des alltäglichen Lebens an den unterschiedlichsten Orten, darunter Baustellen, Abrissgelände oder Flohmärkte in Berlin. Akribisch behandelt und verwandelt sie die Dinge. In dem 72-minütigen Video "Past Particles" (2010) präsentiert sie nacheinander 1000 kleine Gegenstände auf ihrem Atelierboden aus einer gefundenen Werkzeugkiste und hebt so eine Hierarchie der Dinge untereinander auf. Oder sie schafft eine Neuarrangierung von Material, wie in der Installation "No No NoNo No No" (2011), indem sie benutzte Wagenheber zu einer 3,40 Meter hohen Stele arrangiert, die sich zwischen der Ausstellungsdecke und dem Ausstellungsboden spannt. Sie begreift die Dinge als Materie, als Material und unterzieht sie einer Metamorphose. Einige Videos liefern Anhaltpunktes für diese Verwandlungen und legen die zyklische Arbeitsweise offen: Plötzlich weiß man nicht mehr wo der Anfang und wo das Ende ist.

Die Ausstellung ist bis 7. Oktober 2012 in der Langen Foundation in Neuss zu sehen.

Karlsruhe: Marianne Wex – „weibliche“ und „männliche“ Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse

Wie spiegeln sich Hierarchien in Gesten wieder? Gibt es geschlechterspezifische Posen? Haben sich diese im Laufe der Geschichte verändert? Wie werden "Gesten der Frau und Gesten des Mannes" gezielt als Werbestrategie eingesetzt? Marianne Wex hat sich bereits 1972 mit diesen Fragestellungen in der Arbeit "'weibliche' und 'männliche' Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse" befasst. Sie fotografierte fünf Jahre lang in den Straßen von Hamburg Menschen in ihren spezifischen Körperhaltungen und Gesten. Es entstanden zirka 5000 Fotografien, die sie in einen Kontext mit abfotografierten Bildern aus den Massenmedien und historischen Darstellungen aus dem Mittelalter und der Antike stellte. In einer Gegenüberstellung von Männern und Frauen sind die spezifischen Haltungen der Hände, Köpfe, Arme und Beine, Füße und Knie zu sehen. Die Arbeit ist klar zu lesen im Kontext der feministischen Bewegung der siebziger Jahre. Die Künstlerin arrangiert die Bilder mit erklärenden Texten in einem Collage-Verfahren, wobei die Männer stets in den oberen Reihen angeordnet sind und die Frauen darunter. Nun zeigt der Badische Kunstverein erstmals alle vorhanden Bildtafeln des Projektes.

Die Ausstellung ist bis 9. September 2012 im Badischen Kunstverein in Karlsruhe zu sehen.

Leverkusen: Thomas & Renée Rapedius – Oder wie der Dinge Erscheinung sich formt

Filigrane Zeichnungen und fragile Objekte, eine elementare Formsprache verbindet sie. Zeichnungen, Fotos, Objekte korrespondieren miteinander. Die Künstler Thomas & Renée Rapedius gehen einer Sprache nach, die sich auf Formen aus Natur und Kultur stützt. Sie finden sie bei ihren zahlreichen Auslandsaufenthalten in Santiago de Chile, New York oder Buenos Aires. Seit ihrem Studium in Hamburg arbeiten die beiden Künstler zusammen. Fotografien, Zeichnungen und Objekte scheinen durch Gestalt, Form und Farbigkeit in einen Dialog zu treten. Skizzenblöcke, die aufgefächert und beschnitten am Boden stehen, lassen den Betrachter an Kakteen oder Anemonen erinnern. Die Objekte zeigen sich weniger in ihrem Ursprung, sondern betonen die eigene und neue Form und Gestalt, die durch Anreihung, Faltung, Überlagerung entstehen kann. Objekte werden zu poetischen Setzungen im Raum.

Die Ausstellung ist bis 6. Januar 2013 im Museum Morsbroich in Leverkusen zu sehen.

Langenhagen: Gruppenausstellung - An_Eignungen

Langenhagen feiert seinen 700. Geburtstag. Grund genug für den dort ansässigen Kunstverein, sich mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt, exemplarisch für viele Städte, intensiv auseinanderzusetzen. Mit Fragen der Geschichtsschreibung, Strukturen der Kommunikation und Vernetzung und Organisation von Stadt und Natur. Welche Orte rücken in einer Stadt eher in den Fokus, und welche versucht man latent zu verdrängen? Diese Fragen nehmen sich 30 Künstler und der hinzugezogene Kunstverein St. Pauli an. Über die ganze Stadt verteilt, finden von Künstlern wie Silke Schatz, Claus Richter, Katerina Seda oder Jeremy Deller an zehn verschiedenen Ausstellungsorten "AN_EIGNUNGEN" statt. Sonntags und Donnerstags gibt es Begleitveranstaltungen mit Performances, Filmen, Vorträgen, Gesprächen oder Ferienworkshops.

Die Ausstellung ist bis zum 26. August 2012 im Kunstverein Langenhagen zu sehen.

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