Venedig Biennale

Berlin

Erschütterungen im Wald
Paolo Baratta, Präsident der Biennale di Venezia und Bice Curiger, die diesjährige Direktorin (Foto: Giorgio Zucchiatti / Courtesy la Biennale di Venezia)

ERSCHÜTTERUNGEN IM WALD

Bahrain und Ägypten ziehen sich von der Venedig-Biennale zurück. Das gab Biennale-Präsident Paolp Baratta heute auf einer Pressekonferenz in Berlin bekannt. Direktorin Bice Curiger stellte zudem ihr Programm für die Ausstellung vor.
// UTE THON

"Die Biennale ist wie eine Windmaschine. Sie erschüttert den Wald, entdeckt verborgene Wahrheiten, gibt jedes Jahr neuen Sprösslingen Kraft und Licht." Mit diesen Worten eröffnete Biennale-Präsident Paolo Baratta eine Pressekonferenz in der italienischen Botschaft in Berlin. Eigentlich sollte es dort um die Vorstellung des Ausstellungskonzepts der Biennale-Direktorin Bice Curiger gehen. Doch zunächst musste Baratta vermelden, dass das Königreich Bahrain seine Teilnahme an der Biennale überraschend abgesagt hat. Der arabische Wüstenstaat hatte erst kurz zuvor ein Absageschreiben geschickt, in den Presseunterlagen war das Land noch als neue Biennale-Nation besonders hervorgehoben worden. Grund für die Absage dürften die bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Bahrain sein. Man müsse sich auf den vage gehaltenen offiziellen Absagegrund seinen eigenen Reim machen, meinte der Biennale-Präsident. Zudem bestätigte er Vermutungen, dass auch Ägypten wegen der unklaren politischen Situation in diesem Jahr wohl nicht teilnehmen werde. Es sei fragwürdig, ob überhaupt eines der nordafrikanischen Länder diesmal an der Venedig-Biennale teilnehmen könne, sagte Baratta.

Dabei war bei der letzten Biennale die Teilnahme der Arabischen Emirate noch als großer Erfolg gefeiert worden. Und auch Bahrain sei ein überaus enthusiastischer Bewerber um eine permanente Teilnahme gewesen. Die Biennale-Organisatoren hatten dem Land, das sich in diesem Jahr erstmals als Kunstnation in Venedig vorstellen wollte, bereits einen festen Pavillonplatz auf dem Arsenale-Gelände zugewiesen. Was damit nun geschieht, sei momentan noch nicht entschieden, sagte Baratta. Die Vertreter des Bahrain-Pavillons, Kommissarin Melissa Enders-Bhatia und Kurator Bashar Al Shroogi, waren für einen Kommentar nicht zu erreichen. Die offizielle Webseite des Bahrain-Pavillons ist "Under Construction". Insgesamt nehmen diesmal 87 Nationen an den Länderausstellungen der Venedig-Biennale teil, im Jahr 1999 waren es 61. Neu dabei sind diesmal Andorra, Indien, Bangladesch und Haiti und als Rückkehrer erstmals wieder die Republik Zimbabwe, die 1990 schon einmal dabei war. Wie Baratta erklärte, lädt die Biennale die Länder nicht ein, sondern wartet lediglich auf Bewerbungen. Grundlage für die Teilnahme ist, dass es sich bei der Bewerbernation um ein Land handeln muss, dass von Italien als Regierung anerkannt ist. Auf die Gestaltung der Länderpavillons nimmt die Biennale-Leitung keinen Einfluss.

Die große Biennale-Ausstellung unter Leitung der Schweizer Kuratorin Bice Curiger steht unter dem Motto "ILLUMInations", wobei sie Wert legt auf die semantische Erweiterung des Begriffs: "Es soll ein Kunstbegriff ins Zentrum gerückt werden, der die intuitive Erkenntnis, die Erhellung des Denkens betont, eine Begegnung mit Kunst, welche die Instrumente der Wahrnehmung schärft." Präsentiert werden soll aktuelle Kunst von etablierten und noch relativ unbekannten Künstlern. Mehr als ein Drittel der Künstler ist jünger als 35 Jahre. Auf der schon fast komplett vorgelegten Künstlerliste befinden sich bekannte Namen wie Sigmar Polke, Fischli & Weiss, Monica Bonvicini, Franz West und Katharina Fritsch, aber auch unbekanntere wie die Künstlergruppe Birdhead aus China, der äthiopische Zeichner Gedewon oder der US-amerikanische Maler Jack Goldstein. Zudem gab Curiger bekannt, drei Gemälde des Renaissance-Malers Jacopo Tintoretto (1518 bis 1595) in die Ausstellung integrieren zu wollen, was man wohl als Reminiszenz an die reiche Geschichte Venedigs verstehen darf.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo