Kulturpolitik

Frankreich

Aufschrei gegen Kommerzialisierung
Allen voran der Louvre, in dem am wissenschaftlichen Personal gespart wird, während man die Vermarktung der Sammlung forciert, dient den Kuratoren als Beispiel der zunehmenden Kommerzialisierung. Ansicht vom Innenhof des Louvre mit der Glaspyramide (© Louvre / Ieoh Ming Pei / Etienne Revault)

AUFSCHREI GEGEN KOMMERZIALISIERUNG

Der Verband der französischen Kuratoren hat in einem Weißbuch die französische Kulturpolitk scharf angegriffen. Es finde eine Kommerzialisierung statt, der Trend gehe zur Zwei-Klassen-Politik, Museen werden finanziell ausgehungert, das Personal werde ausgedünnt und veralte.
// HEINZ PETER SCHWERFEL

Für große Unruhe in der französischen Kulturszene sorgt zur Zeit ein Weißbuch der staatlichen Museumskuratoren, in denen diese zunehmende Kommerzialisierung, ein Absinken der meisten französischen Museen in die Bedeutungslosigkeit und das Aussterben ihres Berufszweigs befürchten. Diese Kritik hat viele Beobachter überrascht, erfolgt sie doch im Augenblick von Erfolgsausstellungen wie "Monet" (913 000 Besucher) und allgemein wachsender Besucherzahlen.

Mit ungewöhnlich scharfen Worten und erstmals öffentlich wird die Politik der Regierung Sarkozy, aber auch der großen Museen wie dem Louvre angefeindet, der seine Sammlungen konsequent vermarktet, indem er sie etwa ins amerikanische Atlanta verleiht oder seinen Namen für einen Ableger an Abu Dhabi verkauft. Gleichzeitig stocke er seinen Personalbestand in der Verwaltung stark auf, reduziere aber die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter, heißt es in der 130 Seiten starken Publikation, die vom Verband der Museumskuratoren herausgegeben wird. Beides sei Beispiel für eine zunehmend größere Kluft zwischen armen und reichen Museen, denn über die Hälfte von Frankreichs 1214 Museen habe weniger als 10 000 Besucher im Jahr und kein Geld für Sonderausstellungen, wissenschaftliches Personal und fachgerechte Lagerung der Sammlungen.

Auf staatlicher Seite werden schrumpfende Subventionen – sogar das Centre Pompidou hat seit 2006 ein Drittel seines Ankaufsetats verloren – der Hang zu Event-Ausstellungen und eine bedauernswerte Liberalisierung der Sammlungspolitik bemängelt, die nicht vereinbar sei mit der gesetzlich verankerten staatlichen Verantwortung und der Unveräußerbarkeit der Bestände.

Auch die eigene Zunft sieht der Verband der staatlichen Kuratoren, der mit Kritik an der Blindheit und Lethargie der eigenen Mitglieder nicht spart, bedroht. Das Durchschnittsalter der Kuratoren betrage 52 Jahre, für die Ausbildung von Nachwuchs werde nicht gesorgt, und laut Spargesetz darf nur jede zweite Stelle, die wegen Pensionierung im öffentlichen Dienst frei wird, wieder besetzt werden. Kaum eines der großen Museen Frankreichs – mit Ausnahme des vielkritisierten Louvre – wird heute noch von einem Kurator und nicht von Verwaltungsfachleuten geleitet.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo