Art Karlsruhe

Kunstmesse



SYNCHRONWINKEN GEGEN DIE ROUTINE

Die Klassische Moderne hat bei der Art Karlsruhe für Qualität gesorgt. Bei der zeitgenössischen Kunst fehlten weiterhin die großen Namen. Stattdessen kamen neue Positionen zum Zug.
// ADRIENNE BRAUN, KARLSRUHE

Erni hat schon bessere Zeiten erlebt. Er trinkt roten Fusel. Er rasiert sich nicht mehr. Aber vor allem hängt der Kumpel von Bert auf der Straße rum und hofft, dass einer ein paar Münzen in seinen Hut wirft. Erni als Penner – so sieht ihn zumindest die Häkelkünstlerin Patricia Waller und hat den Star aus der Sesamstraße aus Wolle gefertigt und bei der 9. Art Karlsruhe auf den Boden gesetzt. Erni ist während der vier Messetage zwar nicht reich geworden – die Messe selbst aber war wirtschaftlich ein Erfolg. Mehr als eine halbe Million Euro setzte die Galerie Schlichtenmaier aus Dätzingen schon bei der Preview um, Dorothea van der Koelen verkaufte eine Arbeit von Francois Morellet für 100 000 Euro, Karlheinz Meyer aus Karlsruhe für 35 000 Euro eine Arbeit von Jonathan Meese.

Aber eigentlich passt es gar nicht zur Art Karlsruhe, mit Sensationsmeldungen zu protzen. Ewald Karl Schrade, dem künstlerische Kopf der Messe, ist es wichtiger, dass sich alle Anbieter gleich wohl und gut betreut fühlen, dass die Atmosphäre stimmt und sich immer mehr Menschen für Kunst interessieren. Das ist in jedem Fall gelungen: Mit 45 000 Besuchern hatte man gerechnet, es kamen sogar 48 000. Und bei einer internen Umfrage sagten 80 Prozent der 222 Anbieter, sie seien mit der Messe zufrieden gewesen. Aber klar ist auch: die Art Karlsruhe ist nicht Basel – und will es auch gar nicht sein. Für die Qualitätssicherung sorgt die Klassische Moderne und wurden in diesem Jahr auch zwei Privatsammlungen gezeigt: die Waldenbucher Sammlerin Marli Hoppe-Ritter präsentierte eine kleine, feine Auswahl ihrer musealen Kollektion rund ums Quadrat, während die Pop Art aus der Sammlung von Gunter Sachs mit Werken von Roy Lichtenstein oder Allen Jones sich um Sex und sexwillige Frauen drehte.

Ein Schwerpunkt der Art Karlsruhe liegt auf aktueller Kunst, die häufig noch nicht abgesichert ist. So war es ein munteres Auf und Ab, hing Hochpreisiges neben günstigem Kunstgewerbe, Nachwuchskunst neben arrivierter Klassischer Moderne. Nach drei Jahren hat der Berliner Senat planmäßig die Förderung des Berliner Blocks eingestellt, einige der jungen Berliner Galerien sind deshalb auf eigene Faust gekommen. In der DM-Arena wurden unter der Überschrift "Neue Positionen" junge Künstlerinnen und Künstler gezeigt. Aber nicht alles, was jung ist, ist auch innovativ, manches muss noch reifen. Tanja Selzer scheint Fotografien abzumalen – aber ob es die Frau mit Schlangen um den Hals ist oder der böse blickende Kojote, ihre Bilder sind gebremst und kontrolliert und mit 5800 beziehungsweise 4600 Euro überteuert. Spannender sind da die in Landschaft eingebetteten Architekturen von Donata Benker, einer jungen Künstlerin aus Nürnberg, die verschiedene Räume und Bildebenen raffiniert ineinander montiert.

Ohnehin sind die interessantesten Ansätze in der Malerei derzeit jene, die die eindeutige Position des Betrachters aufheben und scheinbar unvereinbare Bildräume öffnen. Patricia Lambertus bietet ineinandergreifende Motive an – Schloss- und Parkanlagen, Vorhänge, Dekore und Mauerwerk – als Fototapeten für 20 bis 50 Euro den Quadratmeter. Bei den fotografierten Interieurs von Dirk Brömmel verschwinden dagegen einzelne Bildelemente – und bleibt nur die Ahnung eines Tisches oder eines Stuhls zurück.

Manches war unterhaltsam, einiges sehenswert, aber nach neun Jahren hat sich trotz aller Bemühungen etwas Routine eingeschlichen und suchte man vergeblich nach Überraschungen. Immerhin konnte die Stuttgarter Galerie Abtart scharenweise Schaulustige anziehen. Der Künstler Boris Petrovsky hatte 520 japanische Goldkatzen auf einer Tribüne aufgereiht, die synchron winken können. Mal ging eine La-Ola-Welle durch die Reihen der Kitschkatzen, die Besucher konnten aber auch eigene Botschaften einspeisen, die die Katzen mit ihren winkenden Pfötchen sichtbar machten.

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Lola Millo - Dr. Wioletta Gräfin von Klot-Trautvetter

09:24

13 / 03 / 12 // 

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