Akt Now!

Aktfotografie

Lobbiaz
Aufnahme von Lobbiaz, unserem Aktfotografen der Woche (© Lobbiaz)

LOBBIAZ

Er gehört zu den ältesten Themen der Kunstgeschichte: Der Akt. Unsere neue Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder internationaler Fotografen. Diesmal: Lobbiaz

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Was mich an dem Thema Akt reizt: Der Begriff "Reiz" ist eine sehr treffende Wahl, auch wenn er irgendwie blockierend wirkt. Das Thema, der Gegenstand reizt mich, aber nicht das Mädchen, nicht wirklich, nicht direkt. Was mich an dem Sujet Akt reizt, ist die Zurückhaltung, die Grenze, sogar das Tor zum Bild. Wir erschaffen ein Objekt, das verschiedene Ausprägungen der gleichen Reaktion in den Menschen hervorruft, wir schlagen etwas vor, zeigen oder verstecken etwas.

In dem Moment, in dem man den Akt fotografiert, gehen der Fotograf und das Modell eine bestimmte Beziehung zueinander ein, die mit Vertrauen zu tun hat (zumindest für mich) und damit, bestimmte Blicke auszutauschen, die wichtig sind, um die ursprüngliche Absicht von Fotograf und Modell anzuvisieren. Und außerdem vermittelt der Akt oft besonders dann im Ansatz einen Eindruck von der Wahrheit der nackten Person, wenn wir am Ende vor allem ästhetisch dabei vorgehen, die Oberfläche zu inszenieren (aber was für eine Oberfläche). Wie mein Freund Edouard Mortec sagt: "Die nackte Wahrheit ist die bestgekleidete Lüge."

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Ich habe nicht wirklich Tabus oder Grenzen. Es ist schwer zu erklären. Es ist möglich, in puritanischen oder "anständigen" Fotografien mehr Vulgarität zu finden, und es ist möglich, mehr Sinn und Würde in einer Fotografie zu finden, die uns direkt mit Nacktheit konfrontiert. Aus meiner Sicht ist die weltweite Zensur ein Fehler. Sie verbietet das, was wir sehen und nicht die Absicht, die hinter dem Bild steht. Aber das war nicht Ihre Frage. Meine Grenzen sind gebunden an das, was ich denke, was andere Leute denken werden, die Ahnung von meiner Arbeit haben. Aber ich versuche immer, diese psychischen Grenzen von mir abzustreifen. Gewöhnliche Inhalte bewirken nicht wirklich etwas Interessantes oder Neues in meinem Bereich. Ansonsten habe ich die Grenzen meines eigenen Geschmacks (der schlecht sein kann), die Beschränkung dessen, was mein Auge tolerieren kann. Was mich daran erinnert, dass ich Füße hasse. Ich kann sie nicht ausstehen. Ich würde eine harte Zeit bei einer Fußfetisch-Session haben, aber wer weiß. Vielleicht könnte ich es genauso gut überstehen...

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Wann ein Aktfoto ein Kunstwerk ist? Ich müsste in der Lage sein, zuvor die Frage "Wann ist ein Bild ein Kunstwerk?" oder auch "Was ist ein Kunstwerk?" zu beantworten. Das ist eine taffe Frage. Ich würde sagen, ich glaube nicht an die zu intellektuellen Definitionen von Kunst, welche die zeitgenössische Kunst uns zu glauben diktiert hat. Ich glaube nicht, dass wir in Museen oder Ausstellungen mit einem schriftlichen Paragraphen in den Händen umherwandeln sollten, um eine Arbeit, die viel kostet, weil ein Business hinter ihr steht, zu verstehen. Ich glaube, Kunst ist etwas schwer Erklärbares, das wir manchmal fühlen, wenn wir vor einem Werk stehen. Ich glaube an gewagte Kompositionen und an Vorgehensweisen und an Farben und Technik. An dieses besondere Gefühl, das wir haben, wenn wir eine Fotografie sehen, ausgehend von den ersten Gedanken, die wir im Begriff sind, zu entwickeln, setzt dann eine Reflexion und die Sprache ein, um zurück zu diesen Gefühlen zu gelangen. Mit Nacktheit ist es ganz genau dieselbe Sache, aber es muss ergänzt werden, dass dieses Thema vielleicht schwieriger ist als andere, weil immer Vulgäres hinter der Ecke lauert. Es ist einfacher für mich zu sagen, wann ein Bild kein Kunstwerk ist. Und zwar für mich, wenn es zu viel sexuelle Erregung hervorruft, wenn ich das Bild nicht auf einer höheren Ebene interpretieren kann, schlägt es fehl. Wie Barthes sagt, hat es etwas "Ekstatisches", gleichzeitig Innen und Außen zu sein.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Es gibt einige inspirierende Künstler und Fotografen, die ich mag. Da sind die ganzen berühmten, die Meister wie Schiele, Klimt, Helmut Newton, Araki, David La Chapelle. Ich mag Damon Loble beispielsweise sehr gerne. Und da sind all diese unbekannten Fotografen, die so hart in ihrem eigenen kleinen Winkel arbeiten, die ich im Internet finde und auf meinem Blog Lobbiaz Blog veröffentliche. Sie sind wichtig für mich, weil wir uns gegenseitig inspirieren, da wir zeitgleich arbeiten und vor allem, weil sie noch nicht von Erfolg verwöhnt sind.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Meine Kunst beschäftigt sich auch mit Repräsentation im Allgemeinen und mit Natur und Städten und Leuten. Ich habe beispielsweise einfach mit einer Serie begonnen, die ich "Shtrings" nenne, in der ich versuche, auf eine neue Weise einen "Shtring" und seine Art des Daseins aus meiner Perspektive darzustellen. Ich mag es, nach Gründen zu forschen. Ich erinnere mich daran, dass wir, als wir Kinder waren und dazu fähig waren, "ein Stück Teppich für eine Stunde berühren" zu spielen, das Stück Teppich genauso betrachteten, als könnten wir dort hineingelangen und sein Wesen spüren: SHTRINGS. In meiner Kunst geht es genauso um Menschen im Allgemeinen, wie in meiner "Portrait Carré"-Serie: (têtes² = square faces). Die hat damit zu tun, darzustellen, was jemand aus sich selbst heraus, "so wie er ist", repräsentiert, ohne einen bestimmten Ausdruck. Meine Serie "J'ai vu Bruges" handelt davon, eine Stadtlandschaft zu verändern und dabei den Regeln der Kompositionen und technischen Wahlen zu folgen: J'ai vu Bruges.

Welches Projekt würdest Du gerne einmal realisieren?

Ich würde sehr gerne Paare beim Sex fotografieren, oder Szenen von Orgien. Das ist nur eine Sache, ich habe gerade jetzt sehr viele Ideen in meinem Kopf, ich bin beispielsweise auch an einem Projekt über Luxus interessiert...

Lobbiaz

In Kürze: Ich will, dass du mich willst.

Nächste Ausstellung: In einer Galerie in Paris, nur mit meinen Polaroids

Ausbildung: Ich habe akademischen Grad in Philosophie und Französischer Literatur. Zusätzlich habe ich Sprachen, Italienisch und Englisch, studiert.

Alter: 30

http://www.flavors.me

lobbiaz@yahoo.fr

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