Ryan Mosley

Starter

Karneval der Stile
Ryan Mosley: "Persuits of a Scholar", 2012, Öl auf Leinwand (Foto: courtesy Alison Jacques Gallery and Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin)

KARNEVAL DER STILE

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – jede Woche in der Reihe "Starter". Seine Motive findet der britische Maler an den Wänden der Londoner Kunstmuseen, die eigentliche Entdeckungsreise aber fängt im Atelier an.
// HANS PIETSCH

Zum ersten Mal fiel er in Charles Saatchis jüngst gegebenen Überblick junger britischer Kunst auf: Ein Maler, der seine meist großen Formate nicht wie so viele andere mit Banalitäten verkleisterte. Der "nicht nur malt, sondern auch denkt", wie der "Guardian" bemerkte.

Dabei sehen Ryan Mosleys karnevaleske Figuren aus, als agierten sie auf einer Bühne. Ein Gemälde trägt den Titel "Backstage" (2010/11), und das Paar von "Cave Inn" (2011) tanzt vor Zuschauern, fast scheint es über den Bühnenrand zu fallen. Mosleys "Schauspieler" führen Geschichten vor, die Rätsel aufgeben. Kunsthistorische Anspielungen tauchen auf – Mosley arbeitete während seines Studiums als Wärter in der National Gallery. Die wie ein Gnom aus dem Dunkel hervortretende Figur von "A Bar in France" (2011) stammt aus Edouard Manets "Bar in den Folies- Bergère" (1882); die drei aufgespießten Köpfe von "Allegory of Prudence, The Family Bullrush" (2009/10) gehen auf Tizians "Allegorie der Weisheit" (um 1550/65) zurück.

Mosley hat als Maler in wenigen Jahren eine ziemliche Strecke zurückgelegt. Nicht zufrieden mit seiner ursprünglichen Idee, lediglich Figuren im zu Raum malen, für die er immer wieder überarbeitete Vorzeichnungen angefertigt hatte, lässt er sich heute jeden Morgen im Atelier aufs Neue überraschen, in welche Richtung ihn seine Malerei führen wird. Er geht auf Entdeckungsreisen, nimmt sich die Freiheit, selbst auferlegte malerische Regeln außer Kraft zu setzen. Seine fast altmodische Palette besteht aus erdigen Farben, selten platziert er einen grellen Ton, oft wird weggekratzt und übermalt, fast collagenartig setzt er die Leinwände aus Farbe zusammen.

Ausstellung: Eigen + Art/Lab, Berlin, 29. März bis 19.Mai 2012

Steckbrief

Geboren: Chesterfield, UK, 1980

Wohnort: London

Ausbildung: University of Huddersfield, West Yorkshire; Royal College of Art, London

Galerie: Alison Jacques Gallery, London; Eigen + Art, Leipzig/Berlin

Initialzündung: Eine Idee, der man immer wieder nachläuft, die einem entgleitet und die man während des Arbeitsprozesses zu finden hofft

Höhepunkt: Die letzten Jahre liefen groß- artig. Da Eins aufs Andere folgte, ist es schwer, einen auszuwählen, es waren alles Höhepunkte. Mein Arbeitsstipendium in Kansas hat viel Spaß gemacht.

Tiefpunkt: Niedergeschlagenheit nach je-der Schau, aber das nährt die Initialzündung, ins Atelier zurückzukehren und neu anzufangen.

Helden: Zu viele, um sie alle aufzuzählen. Hier sind ein paar: Philip Guston, James Ensor, Edouard Manet, Francisco de Goya, Paul Gauguin, Sidney Nolan

Credo: Malen, leben, lieben

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Mir kommt es so vor, als hätte ich von Anfang an gute Ratschläge erhalten. Es kommt darauf an, ob man auf sie hört. Ich gebe jedem den Rat, es zu tun ...

Warum Künstler, nicht Banker?: Ich kann mit meinem eigenen Geld gut umgehen, aber wohl nicht so gut mit dem anderer Menschen. Hätte ich vielleicht doch Banker werden sollen?

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1 Leserkommentar vorhanden

Peter Raue

21:21

20 / 03 / 12 // 

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