Henry Taylor

New York



"MEINE ARBEIT, DAS BIN ICH."

Henry Taylor wurde mit abstrakten Porträtstudien bekannt, in denen er sich mit Menschen und Ereignissen aus seinem direkten Lebensumfeld beschäftigt. Mittlerweile versucht er sich auch an Installationen aus gefundenen Objekten, um sich weiterzuentwickeln und sich nicht auf seinem späten kommerziellen Erfolg als Maler auszuruhen.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Einen Großteil seines Lebens hat er damit verbracht zu malen. Er porträtierte Sporthelden oder Persönlichkeiten, Freunde, Familienmitglieder, Galeristen und vor allem die Leute aus seinem Viertel in Los Angeles. Prostituierte, Crack-Abhängige, Obdachlose, die Jungs, die auf der Straße herumlungern. Viele von ihnen bat er in sein Atelier in Chinatown.

Henry Taylor arbeitet schnell, für ein Porträt braucht er nicht länger als zwei Stunden. Die Ausstellung, die den 53-jährigen Kalifornier bekannt machte, fand jedoch nicht in seiner Heimatstadt L.A., sondern in New York statt. 2007 zeigte das Studio Museum Harlem "Sis and Bra", seine Bilder von "Schwestern und Brüdern". Und nun kehrte Taylor mit einer Ausstellung in den MoMA-Ableger PS1 nach New York zurück.

Eröffnung in aller Stille

Auch wenn Taylor in der Zwischenzeit mit "Blum and Poe" von einer der wichtigsten Galerien von L.A. vertreten wird, gab es kein großes Opening und keine Pressekonferenz. Taylors Show wurde in aller Stille am Nachmittag mit Hamburgern vom Grill und Bier eröffnet. Gäste wie Amy Cappellazzo, Christie's Expertin für zeitgenössische Kunst, oder der zum Fernsehstar aufgestiegene New Yorker Galerist Bill Powers kamen mit ihren Familien. Empfangen wurden sie von einer Installation. Ein Wald aus Besenstielen und schwarz bemalten Plastikflaschen, den der Künstler mit zerbrochenen Bierflaschen der Marke "Miller High Life", einem Bild von Rap-Ikone Tupac Shakur, einem Michael-Jackson-Poster, einer Packung schwarzer Folie und einer Holzgiraffe dekoriert hatte, die das Klischee des exotischen Afrikaners symbolisiert. Taylor versucht sich mittlerweile an Installationen aus Gebrauchsgegenständen und gefundenen Objekten, um zu verhindern, dass er es sich mit seinem späten kommerziellen Erfolg als Maler gemütlich macht. In den nächsten Wochen hat der Künstler eine Ausstellung bei der Galerie "Untitled" auf der Lower East Side von New York. "Blum and Poe" wird neue Arbeiten auf der New Yorker Messe "Art Show" Anfang März präsentieren.

Alltag im Viertel

Noch reichen Taylors Installationen nicht an die naiven, abstrakten Porträtstudien heran, die ihn bekannt gemacht haben. In vielen der Bilder sitzen Taylors Modelle auf Sofas oder Stühlen, ob in der Küche oder im Hinterhof ihres Hauses, und scheinen emotionslos auf den besseren Teil ihres Lebens zu warten. Zwei Jungs, der eine von ihnen hat die Wollmütze in sein Gesicht gezogen, blicken den Betrachter an. Im Hintergrund sieht man einen Polizeiwagen, die Umrisse eines Obdachlosen auf der Straße. Alltag im Viertel. Ein Flugzeug, das tief über den Gebäuden fliegt, verleiht der Momentaufnahme etwas Bedrohliches. Zu den stärksten Bildern der Ausstellung zählen "Homage to a Brother" von 2007 in Gedenken an Sean Bell, einen schwarzen jungen Mann, der 2006 in der Nacht vor seiner Hochzeit von New Yorker Undercover-Polizisten erschossen wurde. "Restling", das ein Paar auf dem Sofa seines Wohnzimmers zeigt, im Hintergrund eine Gefängnismauer mit der Aufschrift "Warning Shots Not Required". Den Satz hatte Taylor in einem Zeitungsartikel entdeckt, in dem es um die überfüllten Gefängnisse in Amerika geht. Oder "The Long Jump by Carl Lewis" von 2010, bei dem der Superstar-Athlet vom Gefängnis in den Vorgarten eines Hauses und damit in den amerikanischen Traum von eigenem Heim und einem geordneten Leben zu springen scheint.

Seinem Leben entsprungen

Taylor macht politische Kunst, die seinem Leben entspringt. Es sind die Menschen, die ihn umgeben, die Nachrichten, die ihn bewegen. "Eine wirkliche Agenda habe ich nicht", erklärte er in einem Interview. "Meine Arbeit, das bin ich." Taylor wuchs unter armen Verhältnissen als jüngster von sieben Geschwistern bei seiner Mutter in Süd-Kalifornien auf. Er war bereits 30, als er Kunst am berühmten California Institute of the Arts studierte. Was er bis dahin gelernt hatte, brachte er sich selbst bei. Auch die stark kunsttheoretisch geprägte Schule beeindruckte ihn nicht sehr. Taylor arbeitete weiter an seinen figurativen Malereien. Während seines Studiums verdiente er sich Geld als Krankenpfleger in der Psychiatrie eines Krankenhauses dazu, wo er Patienten skizzierte, die sich später in Porträts wie "Tasered" von 2005 wieder fanden. Seine Jugend, das späte Studium, die späte Beachtung als Künstler und seine Themen führten dazu, dass Taylor in der Vergangenheit gern als "Outsider Artist", als Volkskünstler, eingestuft wurde. Eine Bezeichnung, die den sonst gelassenen Künstler rasend macht. "Zur Hölle mit diesem Mist", entgegnete Taylor einmal. "Einige von Rauschenbergs Sachen sehen wie Outsider-Zeugs aus."

Henry Taylor

bis 9. April, MoMA PS1, New York

http://momaps1.org

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