Akt Now: Fox Harvard

Aktfotografie

Der magische Augenblick
Fox Harvard: "Cherry Reprise", 2010

DER MAGISCHE AUGENBLICK

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: Fox Harvard

Was reizt Sie am Thema Akt?

Mich interessieren verschiedene Aspekte. In den letzten Jahren war es meine Intention, sowohl den Charakter, als auch die Körperlichkeit einer Person in einem bestimmten Moment einzufangen und darzustellen. So wie sie war – oder zumindest so, wie ich sie gesehen habe.

Dabei habe ich nicht besonders auf Ästhetik geachtet. Es ging mir darum, die Personen möglichst intensiv und leidenschaftlich zu zeigen. Die Fotos, die mir am besten gefallen, sind die „Ausrutscher“, also Aufnahmen von ungewollten und ungeprobten Momenten zwischen den Posen. Das sind Situationen, in denen Fotos auf einer viel intimeren und verletzlicheren Ebene entstehen. So als wäre die Kamera gar nicht da. Ich finde meine eigenen Arbeiten sehr erfrischend. Ich denke, dass meine jüngsten Arbeiten das reflektieren, was viele andere vernachlässigen, dass es okay ist, gerade heraus und absolut ehrlich mit dem Bild umzugehen.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es für Sie Tabus?

Ich glaube, Tabus existieren nur in unserem Kopf. Wir fürchten uns vor Hohn und Verachtung wegen unserer biologischen Unvollkommenheit. Mark Twain hat einmal gesagt: „Die Natur kennt nichts Unanständiges. Der Mensch hat es erfunden.“ Ich würde niemals etwas tun, was dem Model schaden oder sie traumatisieren könnte. Und ich tue nichts, was mich in ernste juristische Schwierigkeiten bringt. Es ist nicht meine Art, unglaublich hohe oder gar anmaßende Forderungen an die Models zu stellen und von ihnen zu verlangen, dass sie der sozialen Tragweite ihrer Arbeit ununterbrochen Aufmerksamkeit schenken. Ich bin der Auffassung, dass es nicht realistisch für mich oder andere Künstler ist, absolut moralisch verantwortlich dafür zu sein, was ein Werk beinhalten kann. Während eines Shootings oder bei der Bearbeitung ist es wichtig, ein Foto nicht zu sehr zu analysieren. Noch weniger sollte es verändert werden, um es in irgendeinen Stil zu zwängen. Zusammenfassend sehe ich die Notwendigkeit, den kreativen Schöpfungsprozess und die Bedeutung des Ergebnisses zu trennen.

Wann wird aus einem Aktfoto Kunst?

Es gibt keine definitive Antwort. Bei meiner eigenen Arbeit stellt sich eher die Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen Kunst und Pornografie? Auch das ist schwer zu beantworten. Für mich ist Pornografie etwas, das sexuell stimuliert und nicht mehr. Sie ist nicht dazu gedacht den Betrachter intellektuell oder emotional zu fordern. Ich glaube, ein Schritt in Richtung Kunst wird getan, wenn der Betrachter dazu getrieben wird, etwas genauer hinzuschauen. Also wenn eine Arbeit, die augenscheinlich obszön ist, bei näherer Betrachtung noch andere Aspekte bereit hält.

Was inspiriert Sie?

Mein ästhetisches Ideal einer Frau wurde sehr von Bildern meiner Jugend beeinflusst – feminine Formen: zierliche Profile, lange Gliedmaßen, etc. Ich war einfach so fasziniert von diesem Anblick, da ich mich auf natürliche Weise davon angezogen fühlte. Das Bestreben, meine Sexualität zu definieren und auszudrücken, während ich aufgewachsen bin, war einer der Gründe, warum ich angefangen habe zu fotografieren.

Sex begann mich erst richtig zu interessieren, nachdem ich meine erste Kamera bekommen habe. Es gibt gewisse Dinge, die mich nie sexuell angezogen haben... bis ich sie selbst fotografiert habe. Zum Beispiel habe ich mich nie für Reizwäsche interessiert – obwohl ich Bilder einiger inspirierender Künstler gesehen habe –, bis ich mich selbst fotografisch damit auseinandergesetzt habe.

Ich habe immer versucht, äußere Einflüsse bei meiner Arbeit so klein wie möglich zu halten, doch ich glaube Modefotografie (und ein bisschen Pornografie natürlich auch) hat mich schon sehr beeinflusst.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich noch in ihrer Kunst?

Um die Wahrheit zu sagen, kommt es mir oft so vor, dass ich Sexualität und Weiblichkeit offensichtlich und langweilig darstelle, doch wenn ich dann Arbeiten von mir betrachte entschädigt mich einfach die überwältigende Qualität, sei das Motiv noch so banal. Ob es an der jeweiligen Person liegt oder ich einfach unbewusst meinen Stil variiere, vermag ich nicht zu sagen, doch jedes Bild erzählt seine ganz eigene Geschichte. Und es ist mir auch lieber, das Wesen des Models einfach die Arbeit übernehmen zu lassen statt bestimmte Rollen zu verlangen, die die Models dann einfach „abarbeiten“. Das sieht billig aus.

Im Allgemeinen gebe ich meinen Models keine Anweisungen, wie es andere Fotografen tun; die Models mit denen ich arbeite, entscheiden, wie sie fotografiert werden möchten. Sie sollen die Freiheit haben, sich ausdrücken zu können.

Welches Projekt würden sie gerne realisieren?

Ich würde wirklich gerne wieder großformatiger arbeiten und verschiedene Materialien einsetzen, wie ich es früher getan habe. Zwar mag ich keine Vergleiche zwischen Künstlern, aber ein bisschen wie Damien Hirst zu arbeiten wäre toll, alles etwas größer und plastischer zu machen. Obwohl die Arbeit eines Fotografen ja der Malerei sehr ähnlich ist, fühle ich mich nicht so sehr wie ein Maler. Eher wie ein Bildhauer: Ich meißle das weg, was an der Oberfläche ist und bringe das ans Licht, was sich darunter verbirgt – bis das Bild sagt: „Nun bin ich fertig!“

Fox Harvard

Steckbrief: Ich bin in Tampa, Florida geboren und aufgewachsen in Sarasota, der „Kulturküste“. Unabhängig vom Medium, mit dem ich beschäftigte, habe ich mir seit der Kindheit die Frage gestellt, wie ich bestimmte Dinge sehe, woher das rührt und wie ich es in meiner Kunst umsetzen kann. Jedes Material, jede Arbeit hat seine eigene Seele, so wie jeder individuelle Künstler; es ist die Aufgabe eines Künstlers, diese zum Leben zu erwecken.

Nächste Ausstellung: In Planung ist eine Ausstellung in einem Pariser Theater, in Zusammenarbeit mit einem wunderbaren französischen Autor, der für Arte TV arbeitet.

Ausbildung: Mit sechs habe ich angefangen und mich auf Mischtechniken spezialisiert, als ich mit 15 an einer privaten Highschool für Kunst angenommen wurde. Mit 16 habe ich dann angefangen mir selbst das Fotografieren beizubringen und dann an der University of South Florida meinen Abschluss in Visual & Studio Arts gemacht.

Auszeichnungen: Bei vielen Ausstellungen und Wettbewerben in Florida wurden meine Bilder ausgezeichnet. Einige davon waren auch Wettbewerbe auf nationaler Ebene. Ich habe auch schon international ausgestellt.

Alter: Ich bin 35 Jahre alt.

http://foxharvard.1x.com

foxharvard@gmail.com

Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

Jörg Oestreich

10:25

19 / 05 / 11 // 

Grenzen

ich verfolge die Arbeiten von Fox Harward schon etwas länger, wie bei jedem guten Künstler gibt es immer die grenze die überschritten wird und die, die gerade erreicht wird... manchmal gelingt es Ihm inne zu halten genau im richtigen Moment, manchmal geht er zu weit... für mich persönlich stellt sich immer die Frage, was kann ich mir an die Wand hängen und was nicht, gibt es Momente in denen ich die Sprache ändern muss, dinge nur andeuten oder verstecken! Fotografie kann das, ob man es nutzt ist eine zweite Sache. lg Jörg Oestreich (check4newton) http://check4newton.wordpress.com/

Abo