Ausgabe: 01 / 2012

Unter Druck

SKANDAL Bei der Erweiterung des Saarlandmuseums explodieren die Kosten, und selbst die Ministerpräsidentin gerät in Erklärungsnot

Markus Clauer

Seine Zukunft sieht Ralph Melcher düster.

"Meine Karriere kann ich vergessen", zitierte die "Saarbrücker Zeitung" den 44-jährigen Kunsthistoriker. Der Ex-Chef der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz steht im Mittelpunkt des Skandals um die Erweiterung des Saarland-Museums. Die Staatsanwaltschaft wirft dem fristlos gekündigten Melcher Untreue und Vorteilsnahme vor. Eine Prüfungsmitteilung des saarländischen Landesrechnungshofs stellt ihm ein verheerendes Zeugnis aus.

Zum Verhängnis ist dem 2003 vom ZKM Karlsruhe nach Saarbrücken gewechselten Museumsmann der Erweiterungsbau für die Moderne Galerie des Saarlandmuseums geworden, deren Träger die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz ist. Als ehemaliger Vorstandsvorsitzender hat Melcher laut Landesrechnungshof einen Anstieg der Baukosten von 12,6 Millionen auf offiziell 26,2 Millionen Euro zu verantworten. Unter der Hand ist gar von bis zu 40 Millionen die Rede.

Schuld sind wohl schlechtes Management, fehlende Kontrolle und eine Selbstbedienungsmentalität.

Doch schreiben die Landesrechnungsprüfer auch, dass die ursprünglich genannten Baukosten vermutlich aus Kalkül zu niedrig angesetzt worden sind.

2012 soll die Einweihung des sogenannten 4. Pavillons gefeiert werden. Das Gebäude steht aber noch im Rohbau. Kurios ist, dass der ebenfalls gekündigte Projektsteuerer Gerd Marx über Honorare von der Verzögerung profitierte, die er selbst mit verursacht hat. Laut Landesrechnungshof hat Marx mit Genehmigung des damaligen Stiftungschefs Melcher fast eine Million Euro zu viel kassiert. Dutzende Male waren die beiden wegen des Erweiterungsbaus auf "Informationsreise" in Berlin, Hamburg oder München. Man flog schon mal Business Class, tafelte fürstlich, nächtigte nobel. Und alles bezahlte die Stiftung. Ein von Marx so genannter "Herrenabend" im Elsass im November 2006 steht jetzt besonders im Fokus, weil der damalige Kultusminister Jürgen Schreier in seiner Funktion als Stiftungskurator daran teilgenommen hatte. Schreier, der den Bau des 4. Pavillon maßgeblich initiiert hat, ist in Erklärungsnot geraten. Inzwischen schadet der Bau aber auch seiner Nachfolgerin.

Die jetzige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer war nämlich von 2007 bis 2009 Kultusministerin und Kontrollinstanz der Kulturstiftung. In diese Zeit fällt der Spatenstich für den Erweiterungsbau und eine Gehaltserhöhung für Melcher, der seither 9500 Euro monatlich verdiente.

Mehr noch interessiert die Opposition ein Auftritt von August 2009. Da sprach Kramp- Karrenbauer öffentlich von Baukosten von 14,5 Millionen Euro "plus weitere Kosten".

Gegenüber dem Ministerrat aber nannte sie damals Gesamtkosten von über 20 Millionen.

Ein Täuschungsmanöver? Ein Untersuchungsausschuss behandelt jetzt die Vorgänge.

Ausgang ungewiss.

Bildunterschrift:

Ralph Melcher, Ex- Chef der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz.

Links: der 4. Pavillon der Modernen Galerie - noch ein Rohbau

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