Ausgabe: 09 / 2009

Schatzinsel

Auch nachhaltige Bauwerke brauchen Witz

ARCHITEKTURKOLUMNE

Till Briegleb

Alles muss heute nachhaltig sein: Autos, T-Shirts, Politik. Nur eins darf kurzweilig bleiben: der Humor. Allerdings gilt dies nicht für Architektur in Deutschland.

Hier ist Humor verpönt, weil er nicht ökologisch sei. Spiel, Witz und Ironie stehen unter dem Verdacht, sinnlos Energie zu verschleudern. Aber kann gebauter Humor wirklich nicht nachhaltig sein, und ist Humorverzicht tatsächlich ökologisch? Die dänische Froh natur Bjarke Ingels hat unter dem Titel "Yes is More" ein "Manifest für hedonistische Nachhaltigkeit" veröffentlicht, in dem sie das ökologische Gewissen verspottet, das nur von Verzicht spricht.

Als Illustration hat Ingels eine Alpenwiese entworfen, die er in Hamburg in der Elbe verankern möchte. Auf einer Schräge plätschert ein Bach, in der blühenden Wiese sind Steckdosen für Computer versteckt, darunter befindet sich eine Freilichtbühne. Das ist natürlich nicht so ökologisch wie ein Betonwürfel mit Thermopanescheiben, aber dafür so einladend, dass Besucher nachhaltig gute Laune mitnehmen. Die grüne Schatzinsel zeigt et was, das für die Rettung des Planeten vor dem Menschen vielleicht sehr bedeutend ist: die Erkenntnis, dass es stets der Ernst war, der nachhaltig die Welt ruinierte, nicht die Freude.

Bildunterschrift:

art-Autor Till Briegleb

Jodeln an der Elbe: Die Alpenwiese-Insel (Simulation) von Bjarke Ingels

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