Schiaparelli und Prada

New York



SALUTE!

Das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art erweckt die 1973 in Paris gestorbene Designerin Elsa Schiaparelli wieder zum Leben: Ein Film zeigt Italiens Top-Designerin Miuccia Prada in einem fiktiven Gespräch mit Schiaparelli, gespielt von Judy Davis. Auch Schiaparellis Ober- und Pradas Unterbekleidung treten in einen interessanten Dialog miteinander.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Nach der Erfolgsshow mit den Kreationen des verstorbenen Meisters Alexander McQueen setzt das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art auf den nächsten Modeschöpfer mit starken Verbindungen zur Kunst: Miuccia Prada. Doch die Kuratoren Harold Koda und Andrew Bolton, der auch die McQueen-Show konzipiert hatte, beschränkten sich nicht auf eine hübsche Kleider-Show, sondern stellten Italiens Top-Designerin die 1973 in Paris gestorbene Modeschöpferin Elsa Schiaparelli gegenüber.

Beide Frauen waren und sind mit ihrer Mode ebenso so innovativ wie rebellisch. Schiaparelli wird neben ihrer Rivalin Coco Chanel als eine der wichtigsten Designerinnen ihrer Zeit angesehen.

Angeregt durch die fiktiven Konversationen zwischen historischen Persönlichkeiten wie Greta Garbo und US-Präsident Calvin Coolidge, die das Magazin "Vanity Fair" in den dreißiger Jahren veröffentlicht hatte, setzten die Kuratoren Miuccia Prada und die von der Schauspielerin Judy Davis gespielte Schiaparelli zum Plauderstündchen an eine festliche Tafel. Gedreht wurde der Dialog von niemand geringerem als Star-Regisseur Baz Luhrmann ("Moulin Rouge"). So haben die kurzen Filme, die sich in den dramatisch abgedunkelten Ausstellungsräumen über die Wände erstrecken und in Endlosschleife laufen, eine gewisse Atmosphäre. Doch das täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass diese beiden starken Persönlichkeiten auf manchmal bizarre Weise gegeneinander anstatt miteinander zu reden scheinen. Was natürlich schon daran liegt, dass Schiaparellis Aussagen ihrer Biografie "Shocking Life" entnommen wurden, während Prada die Fragen des Metropolitan-Teams beantwortete. Aber wer weiß, ob die beiden Italienerinnen im wirklichen Leben zueinander gefunden hätten. Zumindest bleibt diese Frage trotz der stilvollen Inszenierung im Raum stehen.

Die Entwürfe der Modeschöpferinnen ergänzen sich dafür besser. Und so erheben die beiden Damen zum Auftakt der Ausstellung ihr Glas, um sich gegenseitig zuzuprosten: "Salute!" Schiaparellis auf Figur geschnittene Jacken werden mit Pradas kunstvollen Rock-Kreationen kombiniert. Schiaparellis "Circus Collection" hat viel mit Pradas erfolgreicher "Carmen Miranda"-Kollektion mit verspielten Affen- und Bananenmotiven gemein. Schiaparellis Hut- und Kopfschmuck-Kreationen stehen Pradas exzentrischen Schuhmodellen gegenüber. Denn Schuhe sind für die Italienerin "ein Ort der Freiheit". Intuitiv würde sich die Designerin verweigern, von der Taille aufwärts schön sein zu müssen. Während Schiaparelli zu ihrer Zeit Hollywood-Diven wie Katherine Hepburn und Marlene Dietrich einkleidete und den Oberkörper feierte. "Ich bin gegen die Vorstellung gefallen zu wollen", meint Prada.

"Kleider zu designen ist kein Beruf, sondern Kunst", hat Schiaparelli, die gemeinsam mit Salvador Dalí an berühmten Entwürfen wie dem Hummer-Kleid und dem Schuh-Hut arbeitete, einmal gesagt. Auch da ist Prada ganz anderer Meinung. Zwar gesteht sie ihrem Beruf Kreativität zu, aber spricht ihm jede Nähe zur Kunst ab Schließlich würde es an der notwendigen kreativen Freiheit allein schon deshalb fehlen, weil man letztlich und endlich verkaufen muss. "Vielleicht ist gar nichts Kunst?" fragt Signora Prada. "Wen kümmert das schon."

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