Bang & Olufsen

Kopenhagen

Mit Dolly Parton ins Schlafzimmer
Bang & Olufsen: "Beosound 8", David Lewis, 2010 (© Bang & Olufsen, 2010)

MIT DOLLY PARTON INS SCHLAFZIMMER

Der dänische Hifi-Hersteller Bang & Olufsen fällt immer mehr durch protzige Geräte auf. Schade, findet art-Korrespondent Clemens Bomsdorf.

Saab und Bang & Olufsen repräsentierten einmal die Essenz skandinavischen Designs: unaufdringliche Eleganz. Heute ist der Autohersteller Saab immer mal wieder zeitweilig zahlungsunfähig und allenfalls das Cockpitdesign der Autos ist noch Spitzenklasse. Auch Bang & Olufsen geht es nicht gut. Zwar konnte der finanzielle Kollaps trotz Absatzschwäche verhindert werden, doch die Produktpalette weist immer mehr ästhetische Zumutungen auf.

Was waren das noch für Zeiten als das Unternehmen aus dem norddänischen Struer es mit den Entwürfen von Jacob Jensen bis ins Museum of Modern Art in New York schaffte – in die Ausstellung wohlgemerkt und nicht in den Shop. Fernseher und Stereoanlagen von B&O hielten sich damals zurück wie ein attraktiver, aber schüchterner Gast auf einer Cocktailparty. Auch ohne dass ein Laut aus ihnen kam, waren sie hübsch anzuschauen. Jetzt aber dominieren die neueren B&O-Produkte den Raum als seien sie eine überdimensionierte Sitzgarnitur der unteren Preisklasse - zum Beispiel die Lautsprecher Beolab 5, kegelförmige Monstren, die in etwa so unauffällig sind wie ein riesiger Heckspoiler an einem Kleinwagen.

"Für diejenigen, die Design und Qualität mehr wertschätzen als den Preis", warb das Unternehmen 1968. Besonders seit der Jahrtausendwende aber entfernt sich B&O immer mehr vom ursprünglichen Design, das noch die wichtigsten der vom deutschen Designer Dieter Rahms (Braun) aufgestellten "Zehn Thesen guten Designs" erfüllt hatte. Mittlerweile verstößt Bang & Olufsen auffällig stark gegen zwei davon: "Gutes Design ist unaufdringlich" und "Gutes Design ist so wenig Design wie möglich."

Ein Gang in den Kopenhagener Flag Ship Store am Kongens Nytorv und die Regelverstöße werden offensichtlich. Im Vorführraum im Untergeschoss steht das neue Fernsehmodell Beovision 4-85 mit satten 85 Zoll Bildschirmdiagonale. Allein aufgrund seiner schieren Größe ist der Apparat alles andere als unaufdringlich, er macht den Showroom zu einer Rumpelkammer, weil die Deckenhöhe viel zu niedrig ist und plötzlich alles beengt wirkt. Das Gerät kostet rund 50 000 Euro - dafür gibt es auch einen Mercedes der E-Klasse. B&O war immer etwas teurer, aber diese Dimensionen sind neu. Ebenso wie TV-Apparate auf Wunsch auch in Gold – vermutlich passend zu den vielen Kettchen, die die Zuschauer und B&O-Kunden tragen.

Mit anderen Werten protzt die iPhone-Dockingstation Beosound 8. Die enormen Lautsprecher erinnern an einen prolligen Ghetto-Blaster. Intern bekam das Gerät der dominanten Rundungen wegen den Spitznamen Dolly Parton. Wo es früher dank Beolink reichte, eine B&O-Fernbedienung ins Schlafzimmer zu nehmen, um dort über die unauffälligen Boxen die Musik aus dem Wohnzimmer zu hören, ist es also Dank B&O jetzt möglich das Busen- und Gesangwunder Dolly Parton nicht nur akustisch, sondern auch ästhetisch mit ins Schlafzimmer zu nehmen. Das mag jeder halten, wie er will, aber B&O hat sich damit meilenweit von den ursprünglichen Designideen entfernt. Ich habe meine Probleme mit dem kalifornischen Unternehmen, aber wer ist mal wieder näher dran am guten Design? Apple.

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