Kunsthalle Mannheim

Neubau

Ein eigener Saal für Manet
Einer der drei Favoriten: Entwurf der Architekten von Gerkan Marg und Partner (gmp) Generalplanungsgesellschaft mbH (Hamburg)

EIN EIGENER SAAL FÜR MANET

Für einen Neubau der Kunsthalle Mannheim haben sich drei Entwürfe qualifiziert. Statt sich aber für einen davon zu entscheiden, fordern die Preisrichter jetzt für alle eine Überarbeitung. Gesucht wird ein Konzept, das sowohl ökologisch überzeugt als auch soziale Grenzen überwindet.
// ADRIENNE BRAUN

Mit dem Konzept von Zaha Hadid wäre Mannheim weltweite Öffentlichkeit gesichert gewesen. Die Londoner Architektin hat für den Neubau der Mannheimer Kunsthalle ein kühnes Gebäude entworfen, aus dessen Lamellenfassade sich Hügel ausstülpen, während sich im Innern eine Helixtreppe aufregend bis zur Dachterrasse hinaufschraubt – mit Skulpturengarten und Blick über die Stadt.

Aber die Zeit der spektakulären Museumsbauten scheint endgültig vorbei, und die Stadt Mannheim will für seine Kunsthalle einen Neubau, der vielerlei Ansprüche erfüllt: Er soll in Sachen Energie vorbildlich sein, aber auch das große Thema Partizipation architektonisch berücksichtigen, er muss städtebaulich überzeugen, sich an den Jugendstil-Altbau anschmiegen und auch noch eine separate und perfekte Präsentation des Hauptwerkes der Sammlung ermöglichen: Eduard Manets Gemälde "Die Erschießung des Kaisers Maximilian von Mexiko".

29 international renommierte Architekturbüros haben sich beteiligt an dem Wettbewerb für den Neubau der Kunsthalle Mannheim, aber die Findungskommission konnte sich auf keinen einigen. Stattdessen sind drei gleichrangige Preise vergeben worden. Die beiden Berliner Büros Staab Architekten und Peter Pütz sowie das Büro Marg und Partner aus Hamburg sollen ihre Entwürfe bis Jahresende noch einmal überarbeiten. Dann will das Preisgericht endgültig entscheiden und dem Stiftungs- und dem Gemeinderat seinen Favoriten vorschlagen.

"Es sind drei gleich starke Arbeiten", meint der Baubürgermeister Lothar Quast, "die aber auch ihre Schwächen haben". So hätten Staab-Architekten das Preisgericht durch die "unglaublich schöne Platzfassade und seine ausgewogenen Ausstellungsräume" überzeugt, sagt der Jury-Vorsitzende, der Architekt Jörg Friedrich. Gerkan Marg und Partner hat dagegen eine Art Museumsstadt vorgeschlagenen – also mehrere Gebäudeteile, die durch ein goldschimmerndes Kupfergeflecht ummantelt und überdacht werden. "Zurückhaltender, fast bescheiden" sei dagegen die Architektur von Peter Pütz, so Friedrich.

"Alle drei Entwürfe eignen sich, mit der Sammlung umzugehen", meint Ulrike Lorenz, die Direktorin der Kunsthalle. Ihr war besonders wichtig, dass die Architektur die Themen Partizipation und Vermittlung berücksichtigt und deutlich vermittelt, dass das Museum für das Publikum da ist. So sieht der Entwurf von Volker Staab vor, die Arbeits- und Vermittlungsräume gleich im Eingangsbereich anzusiedeln, während die Sammlung zurückgesetzt wird. Vor allem hat er zum Friedrichsplatz einen Riegel vorgeschlagen, der vor das eigentliche Gebäude vorgelagert wird und unten offen ist, so dass hier ein Café entstehen könnte. Das sei eine "ungewöhnliche Geste zum Platz hin", meint Ulrike Lorenz. Auch das Thema Energiebilanz hätten die drei Entwürfe bereits überzeugend behandelt – Energiestandards würden "unglaublich unterschritten", so Friedrich.

An dem anonymen Wettbewerb konnten sich nur Büros beteiligen, die bereits Erfahrungen im Museumsbau vorweisen können. Der Neubau kommt an eine prominente Stelle in der Mannheimer Innenstadt – direkt zwischen den bestehenden Jugendstil-Bau von Hermann Billing und den markanten Friedrichsplatz. An dem Wettbewerb hatten sich auch David Chipperfield und Paul Böhm beteiligt sowie Büros aus Tokio oder Rotterdam. Dass nun alle drei Preise an deutsche Büros gehen, spreche für die Qualität der deutschen Architekten, meinte Friedrich. Das Preisgericht hat zudem noch fünf Auszeichnungen an Entwürfe vergeben, die die Jury besonders intensiv diskutiert hat oder die ungewöhnliche Ansätze formulieren. Neben den Entwürfen von Annette Gigon und Mike Guyer (Zürich) und Rafael Moneo Arquitecto aus Madrid gingen die Anerkennungen wiederum nach Deutschland – an Ortner & Ortner und Karl Hufnagel aus Berlin und an das Frankfurter Büro Schneider + Schumacher.

Kunsthalle Mannheim

Die Ausstellung "30 x Neubau Kunsthalle Mannheim" läuft noch bis zum 14. Oktober

http://www.kunsthalle-mannheim.eu

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo