Hepworth Gallery

Wakefield

Der Engel von Wakefield
The Hepworth Wakefield, gestaltet von David Chipperfield Architects (Foto: ©Iwan Baan)

DER ENGEL VON WAKEFIELD

Stararchitekt David Chipperfield beschert der englischen Kleinstadt Wakefield ein neues Skulpturenzentrum. Seine ausgeklügelte Architektur bietet vor allem den stadteigenen 44 Maquetten von Bildhauerin Barbara Hepworth ein neues Heim.
// HANS PIETSCH, LONDON

Wie eine Festung bewacht das neue Museum den Fluss Calder. Dass man den versteckt liegenden Eingang über eine Brücke erreicht, verstärkt noch seinen Inselcharakter. Zehn im Wasser fußende, verschachtelte und mit poliertem Beton verkleidete Quader hat der britische Architekt David Chipperfield ins alte Industriegebiet der einst reichen nordenglischen Textilstadt Wakefield gebaut. In jedem ist ein Raum von jeweils unterschiedlicher Größe und Höhe mit angeschrägten Decken untergebracht. Bis zum Boden reichende Fenster rahmen jeweils einen Blick: auf die Kathedrale der Stadt, auf den Fluss, auf eine mittelalterliche Kapelle.

Da Chipperfield die Oberlichter an eine Seite der Räume verlegt hat, schafft er ideale Lichtverhältnisse für die Aufstellung von Skulpturen. Und darum geht es in diesem Museum, in dessen Zentrum eine Sammlung von 44 Maquetten der englischen Bildhauerin Barbara Hepworth (1903 bis 1975) steht, die deren Erben ihrer Geburtsstadt schenk­ten. Eigentlich sollte man sie eher Prototypen nennen, denn diese Modellskulpturen sind bis auf wenige Ausnahmen so groß wie die fertigen Werke. "Winged Figure" (1961/62) etwa ragt mit seinem metallenen Federkleid fast sechs Meter in die Höhe, wie das an die Außenwand des Kaufhauses John Lewis in Londons Oxford Street genagelte Original. Chipperfield entwarf für diese monumentale Flügelfigur aus Aluminium einen besonders hohen Galerieraum.

Die Sammlungspräsentation gibt einen Querschnitt durch Hepworths Nachkriegswerk, untersucht ihre Atelierpraxis und ihr Verhältnis zu einigen Bronzegießereien und zeigt den Einfluss der Künstlerkolonie St. Ives in Cornwall, wo sie bis zu ihrem Tod 1975 lebte und arbeitete. Ein besonders schöner Raum mit Werken von Constantin Brancusi, Naum Gabo und anderen stellt Englands berühmteste Bildhauerin in einen europäischen Kontext.

Vier Räume sind wechselnden Sonderausstellungen vorbehalten. Für die erste Schau schuf die irische Plastikerin Eva Rothschild (Jahrgang 1971) neue Arbeiten, die sich humorvoll den Anforderungen der Räumlichkeiten stellen und auch Hepworths abstrakter Ästhetik Tribut zollen: Während eine schlangenähnliche Bodenskulptur aus schwarzen Keramikkacheln auf die ineinander übergehenden Räume verweist, erinnern aus Lederbändern geflochtene und aus Jesmonit gebaute Säulen an konstruktivistische Plastiken (bis 9. Oktober).

Die Stadt Wakefield erhofft sich von der Hepworth Gallery neue Impulse; in den alten Lagerhäusern am Fluss soll ein ganzes Kulturviertel entstehen. Kulturell ergänzt sie die schon bestehenden Zentren für internationale Skulptur in der Region: Der weitläufige Yorkshire Sculpture Park ist nur wenige Kilometer entfernt, und auch zum Henry Moore Institute in Leeds ist es nicht weit.

The Hepworth Wakefield

Kataloge: zur Sammlung im Herbst bei Scala Publishers, zur Ausstellung im Museum für 5,95 Pfund

http://www.hepworthwakefield.org

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