BMW Guggenheim Lab

New York

Guggenheim auf Weltreise
Das Diagramm zeigt die einzelnen Schritte des "BMW Guggenheim Lab" (2010 The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York )

GUGGENHEIM AUF WELTREISE

Das Guggenheim New York plant in Kooperation mit Autohersteller BMW ein globales Zukunftslabor: Drei Architekturbüros werden mobile Strukturen bauen, die über die Dauer von sechs Jahren Städte in verschiedenen Kontinenten bereisen sollen.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Anderthalb Jahre wurde unter strengster Geheimhaltung an Entwürfen gearbeitet. Jetzt verkündete das Guggenheim Museum in New York eine neue Kooperation für ein groß angelegtes Entwicklungslabor: Gemeinsam mit Autohersteller BMW, der sich in der Vergangenheit eher mit kurzfristigen Projekten wie dem Art Car oder Kunstpreisen kulturell engagiert hat, wird das Museum internationale Arbeitsgruppen starten, die an Zukunftsmodellen für Großstädte arbeiten.

Die jeweiligen Labs bestehen aus einem Team, zu dem ein Architekt, ein Designer sowie Künstler, Wissenschaftler, Technologen oder Querdenker zählen sollen. Drei Architekturbüros werden drei mobile Strukturen bauen, die über die Dauer von zwei Jahren Städte in verschiedenen Kontinenten bereisen sollen. Insgesamt ist das Projekt auf sechs Jahre und eine Tour mit neun Stationen angelegt. Ein reisendes Versuchslabor, das mit Hilfe von Workshops, Lesungen oder Performances die Stadtbewohner einbezieht, auf den Austausch von Ideen setzt und Visionen für die Herausforderungen des städtischen Lebens liefern soll. Gegen Ende jedes zweijährigen Zyklus wird im New Yorker Guggenheim Museum eine Ausstellung stattfinden.

Welche Städte auf dem Programm stehen, ist noch unklar. Das Thema für das erste Lab lautet: "Confronting Comfort: The City and You." Es geht also um Behaglichkeit und Schutz sowie darum, städtisches Leben menschlich zu gestalten. Das in Tokio ansässige Architekturbüro Bow-Wow wurde ausgewählt, um das erste mobile Lab zu bauen. Die Präsentation der Forschungsstation ist für Sommer 2011 in Nordamerika geplant. Das aus Seoul stammende Designerteam Sulki & Mi soll die grafische Identität für das Versuchslabor entwickeln.

"Das Ende ist offen"

Auf die Frage, warum sich ein Museum einem Projekt verschreibt, das eigentlich eher nach Universitätsprogramm klingt, entgegnete Guggenheim-Direktor Richard Armstrong, dass sich sein Museum gar nicht so viel von einer Hochschule unterscheiden würde. "Wir haben uns lange genug über finanzielle Probleme beklagt und Probleme inzwischen beseitigt. Jetzt ist es an der Zeit, in die Zukunft zu blicken", so Armstrong. Mit den Labs würde das Guggenheim zur Idee der künstlerischen Utopie als gesellschaftlicher Motor zurückkehren. Außerdem würde man sich weiter global strecken, ohne gleich wie in Bilbao oder Abu Dhabi ein Museum bauen zu müssen. Das ganze Vorhaben klang alles in allem noch ein wenig nebulös, und Thomas Girst, bei BMW verantwortlich für Kulturkommunikation, stellte klar, dass es sich bei dem Projekt nicht um ein UFO, sondern viel mehr um einen hoffentlich emsigen Bienenstock handeln würde.

Wie viel Geld BMW in das globale Zukunftslabor fließen lässt, blieb unklar. Armstrong sprach von einer "soliden" Summe. Er setzte zwei junge Guggenheim-Kuratoren, die sich auf ebenso junge Talente konzentrieren werden, auf die Leitung der Labs an. "Es ist ein Experiment", so Armstrong. "Und das Ende ist offen."

BMW Guggenheim Lab

Erste Runde: "Confronting Comfort: The City and You", Arichtekturbüro: Bow-Wow, Grafisches Design: Sulki & Mi

http://www.guggenheim.org

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