Stadtschloss-Affäre

Franco Stella



STELLA CIAO?

Wie das Bundeskartellamt auf art-Anfrage bestätigte, hat es den Stadtschloss-Vertrag mit dem zuständigen Architekten Franco Stella für ungültig erklärt. Und der politische Druck auf Bundesminister Wolfgang Tiefensee wächst: Wird er Stella stürzen und den Wettbewerb neu ausschreiben?

Jetzt ist es offiziell: Der geschlossene Vertrag mit Franco Stella ist ungültig. Dies bestätigte heute das Bundeskartellamt auf art-Anfrage. "Obwohl es berechtigte Zweifel gab, wurde der Vertrag mit Stella abgeschlossen", erklärte Jana Zacharias, Sprecherin des Bundeskartellamtes im art-Interview. Stella habe die nötigen Teilnahmekriterien nicht erfüllt, außerdem wurde die Hinzuziehung weiterer Architekturbüros für die Bauausführung beanstandet. Das Bundeskartellamt fordert die Wiederholung des Vergabeverfahrens "ab Zeitpunkt der Preisgerichtsentscheidung."

Bereits am 29. Juni hatte art-Korrespondent Kito Nedo und "Zitty"-Redakteur Daniel Boese in einem Artikel auf die Verfahrensfehler, Seilschaften und die Berliner "Planungsmafia" hingewiesen. Es ging dabei vor allem um die Kernfrage: Waren im Zeitraum 2004 bis 2006 drei fest angestellte Architekten im Büro Stellas beschäftigt? Nach art-Recherchen in Italien gab es, außer Michelangelo Zucchini, keine weiteren fest angestellten Architekten. Damit hätte Stella die Teilnahmekriterien nicht erfüllt. Und eben auch nicht die nötigen Kapazitäten um dieses Prestigeprojekt mit Baukosten von über 552 Millionen Euro zu realisieren.

"Mir erscheint das eine sehr seltsame Angelegenheit"

Das Bundesbauministerium sprach am Freitag von einer "behördlichen Entscheidung, die noch nicht endgültig ist", und kündigte umgehend an, beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde einzulegen. Aber der Wettbewerb soll laut Bauministerium nicht neu ausgeschrieben werden. Die Verfahrensstreitigkeiten würden "den Bau des Humboldtforums nicht verzögern". Das Humboldtforum mit dem Wiederaufbau der barocken Fassaden des Berliner Stadtschlosses sollte bereits ab Herbst 2010 beginnen und bis 2013 dauern. Aus der Stellungnahme des Ministeriums von Wolfgang Tiefensee (SPD) geht hervor, dass die Vergabekammer unter anderem gerügt hat, dass der unterlegene Architekt über den Vertragsabschluss mit Stella nicht vorher informiert worden sei. Das hatte der Berliner Architekt Hans Kollhoff beanstandet, der den dritten Preis errungen hat und eine "mangelnde Transparenz" bei der Vertragsvergabe mit Stella beklagte.

Stella selbst hat in einer ersten Stellungnahme betont, er bedauere es außerordentlich, "dass sich die Realisierung des einstimmig von einer internationalen Jury in einem sehr transparent geführten Wettbewerbsverfahren ermittelten Entwurfes nunmehr verzögern könnte". Ergänzend heißt es in einer Presseerklärung von Stellas Berliner Anwaltsbüro dazu, das Verfahren sei "von einem unterlegenen Wettbewerbsteilnehmer eingeleitet" worden und richte sich ausschließlich gegen die Bundesrepublik Deutschland. "Gegenstand des Nachprüfungsverfahrens waren ausschließlich Verfahrensfragen – zu keinem Zeitpunkt stand der Wettbewerbsgewinner selbst oder die Qualität seines Entwurfes im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung". "Mir erscheint das eine sehr seltsame Angelegenheit", sagte Stella am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Rom. "Ich habe schon an vielen Wettbewerben in Deutschland teilgenommen und auch verloren. Aber ich kann mich nicht entsinnen, jemals nach der Preisentscheidung über den Vertragsabschluss mit dem jeweiligen Gewinner unterrichtet worden zu sein", sagte der italienische Architekt. Die Dimensionen des Jahrhundertbauwerks sieht er nicht als Problem. "Ich habe etwa vor sieben Jahren mit einigen Kollegen zusammen das Messegelände von Padua gestaltet. Das waren mindestens 40 000 Quadratmeter." Außerdem verfüge er über alle notwendigen Mitarbeiter und sei in Berlin präsent. "Sowohl mit dem Kopf als auch mit den Händen".

"Dies hat allein Wolfgang Tiefensee zu verantworten"

Wie der Justiziar der Bundesarchitektenkammer, Thomas Maibaum, bereits in der akuellen art-Ausgabe prophezeit hatte: Am Ende handelt es sich um eine politische Entscheidung. "Die Bundesregierung wird überlegen, ob sie es politisch durch­hält, den Vertrag aufrechtzuerhalten", sagte Maibaum. "Das wird man abwägen und nach politischer Opportunität entscheiden." Aber der politische Druck auf Bundesminister Wolfgang Tiefensee wächst gerade stündlich. "In unverantwortlicher Weise verzögert sich der Neubau des Berliner Stadtschlosses durch gravierende Vergabefehler im Architektenwettbewerb. Dies hat allein der zuständige Bundesminister Wolfgang Tiefensee zu verantworten. Diese Panne reiht sich ein in eine Vielzahl ähnlicher Fehlschläge Tiefensees in den letzten Jahren. Nun steht er beim Berliner Schloss vor einem Scherbenhaufen", erklärte der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Steffen Kampeter. "In einem solch zentralen, bedeutenden Projekt wie dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses sich solche Schnitzer zu erlauben ist unglaublich. Die möglichen Auswirkungen auf Grund der Verzögerung gehen allein zu Lasten Tiefensees. Er muss dafür gerade stehen; in seinem Etat müssen die finanziellen Mehrkosten ohne Wenn und Aber aufgefangen werden." Alain Bieber mit dpa-Material

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1 Leserkommentar vorhanden

Bürokrat

10:13

12 / 09 / 09 // 

Friede den Hütten!Krieg den Palästen!

Signore Stella beschäftigte leider zum Ausschreibungszeitpunkt eine Person zu wenig. Und? Juristisch anfechtbar, aber dahinter stehen Architekten die nicht verlieren konnten, dafür aber den Staat mit Millionen zusätzlich belasten, damit sie eine zweite Chance bekommen. Widerlich

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