Editorial 40 Jahre ART: Sie lesen nun ein »Mid-Career Magazine« ...!

40 Jahre ART: Sie lesen nun ein »Mid-Career Magazine« ...!

Tim Sommer, Chefredakteur

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kunstgeschichte schien wie das Sediment am Meeresgrund zu funktionieren: An der Oberfläche herrscht noch Bewegung, aber in den tieferen Schichten setzt sich alles, kommt zur Ruhe und bleibt irgendwann unverrückbar und für die Ewigkeit an seinem Platz. Klassische Museen vermitteln dieses Bild: Festgefügt in Schulen, in chronologischer Reihung und mit klarer Hierarchie von Meistern unterschiedlichen Ranges wird eine historische Erzählung wohlgeordneter Schichten konstruiert, die man anschauen, auswendig lernen und so mit nach Hause nehmen kann. Das ist gewohnt und praktisch, der historischen Wahrheit entspricht es kaum.

Das neue MoMA in New York zeigt, dass Kunstgeschichte viel spannender und auch wahrhaftiger ist, wenn man sie in Bewegung hält. Damit schwenkt auch das wichtigste Museum der Moderne mit der besten Sammlung der Welt auf den Weg ein, den etwa die Londoner Tate Modern längst eingeschlagen hat. Dahinter stehen drei Erkenntnisse: Erstens ist die Moderne ein Weltphänomen mit vielen Zentren jenseits von Westeuropa und den USA. Zweitens ist sie kein weißes und schon gar kein männliches Ereignis. Und drittens ist sie kein linearer, zielgerichteter Prozess, sondern ein unendlich facettenreiches, wucherndes, labyrinthisches Geflecht, das sich nicht auf eine scheinbar logische Abfolge von Stilen reduzieren lässt.

40 Jahre ART: Sie lesen nun ein »Mid-Career Magazine« ...!

Die zentrale Halle des MoMA, das haushohe Marron Atrium, wird aktuell von der südkoreanischen Künstlerin Haegue Yang mit der Installation »Handless« bespielt

Unser großer Bericht und der kritische Rundgang im aktuellen Heft zeigt, wie tiefgreifend, wie schwierig und gleichzeitig wie befreiend dieser Wandel im Selbstverständnis der Kuratoren ist: Sie nehmen Abschied von zementierten Gewissheiten, experimentieren und spielen mit ihrer Sammlung, um ihr immer neue Geheimnisse und Geschichten zu entlocken. Ich hab’s mir angeschaut, das Ergebnis ist fantastisch: Inspirierend, aufregend, machmal auch etwas schräg bis daneben. Aber allemal besser, als hier in New York wie überall sonst auf immer die gleichen alten Helden zu treffen.

Auch mit unserer neuen Serie gehen wir diesen Weg: Nach 100 Jahren ist es Zeit, die Zwanziger gegen den Strich zu bürsten. Freuen Sie sich auf Erkundungstouren zu so seltsamen Themen wie »Bubikopf« oder »Kaktus«, sie werden überrascht sein, was es alles zu entdecken gibt!

Ihr Tim Sommer

chefredaktion@art-magazin.de

PS: ART gibt es jetzt auch fürs Handgelenk: Die edle Uhr mit unserem Logo kommt aus der  alteingesessenen Manufaktur Nautische Instrumente Mühle-Glashütte. Die Edition ist limitiert auf 40 Exemplare. Mehr dazu auf finden sie hier.