Off-Spaces: Lakeside - Klagenfurt

Off-Spaces: Lakeside

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: Lakeside in Klagenfurt
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: Lakeside, Klagenfurt

Außenansicht des Lakeside (2008): Das Fenster wurde von Alexander Vaindorf im Rahmen seiner Ausstellung "Useless/Open Letter to the Government #2 (Will You Be Profitable, Little Friend?)" plakatiert

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Die bestbesuchten Veranstaltungen sind nicht unbedingt die Ausstellungen, sondern vor allem unsere Diskussionsabende zu kulturpolitischen Themen, aber auch politischen Problemen im engeren Sinne, zum Beispiel die Asyl- und Migrationspolitik.

Solche Veranstaltungen, die immer im Kontext laufender Ausstellungen stattfinden, erfreuen sich deshalb eines großen Zuspruchs, weil sie alternativen kulturellen Initiativen und kritischen Akteuren mit unterschiedlichen Hintergründen eine in der Region seltene Gelegenheit zur öffentlichen Auseinandersetzung bieten.

Und der größte Misserfolg?

Als Misserfolg betrachten wir keine einzelne Ausstellung, da jede ihre eigene Wirkung, manchmal auch erst im Nachhinein, entfaltet. Trotzdem kennen auch wir das Gefühl des Misserfolgs: Wenn ein Projekt, von dem man annimmt, dass es eine bestimmte Gruppe besonders interessieren müsste, von dieser nicht wirklich wahrgenommen wird.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielte?

Diese Ausstellung würde nicht "groß" werden und auch keine "großen" Künstler präsentieren, aber beispielsweise bessere Voraussetzungen für intensivere Recherchen auf künstlerisch-wissenschaftlicher Ebene schaffen. Eine Ausstellung, die wir auch dann realisieren wollen, wenn jeder Euro eine Rolle spielt, ist die unterdrückte Geschichte alternativer künstlerischer und politischer Projekte in Kärnten seit 1968.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Der Kunstraum Lakeside versteht sich als Ort der Produktion, Präsentation und Diskussion kritischer künstlerischer und theoretischer Perspektiven zwischen Kunst, Ökonomie und Politik. Dabei ist es uns wichtig, sowohl globale als auch lokale Themen mit aufzunehmen.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Wir sind mit unserem Publikum und unseren Kooperationspartnern der Ansicht, dass es möglich und notwendig ist, gerade in einem konservativen kulturpolitischen Umfeld, wo dies scheinbar unmöglich ist, kritische Kunst zu zeigen und auf hohem Niveau zu diskutieren.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Wir kennen die Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, meist schon länger aus anderen Arbeitskontexten. Jedes Semester verfolgen wir einen thematischen Schwerpunkt, zu dem wir dann Künstler einladen, Projekte zu entwickeln, die unter ihrer künstlerischen Identität auf unseren Raum/Ort/Kontext Bezug nehmen sollen. Das geschieht durchaus auch im Zeichen der doppelten Lust, diskursive Interessen mit persönlichen Lieblingskünstlern zu verbinden.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Ein Regierungsauto, das die Umgebung erkundet: Im Herbst 2005, als unser Kunstraum kurz vor seiner Eröffnung stand, konnte kaum jemand wissen, was das für ein Ort sein würde. So kam es, dass der Chauffeur des damaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider mehrmals den Anfahrtsweg probte, um einen eventuellen Auftritt Haiders bei unserer Eröffnungsveranstaltung reibungslos zu gestalten. Nervosität auf unserer Seite, Austesten auf Seiten der offiziellen Politik. Die "Ausstrahlung" von Kunstraum und Betreibern verhinderte schließlich das befürchtete Auftreten des für seine Vereinnahmungsstrategie bekannten Politikers.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Das ist jeweils unterschiedlich, hat aber oft mit Geld zu tun. Der Kunstraum Lakeside nimmt beispielsweise keine Subventionen von Stadt und Land in Anspruch, um sich nicht in das problematische Gefüge von finanzieller Förderung und politischer Kontrolle zu begeben.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Wir wären immer noch ein Kunstraum, der – zumindest in Österreich – in der außergewöhnlichen Lage ist, zum größten Teil aus der Wirtschaft und zu einem geringeren Teil durch den Bund finanziert zu werden und dabei wie ein Off-Space agieren zu können. Das ist widersprüchlich, spannend und verlangt Manövrierfähigkeit.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

1. Ein größeres Budget. 2. Noch bessere Kooperation mit universitären Einrichtungen in unserem unmittelbaren Umfeld. 3. Die Allianz mit anderen Initiativen in der Region zu einer spürbaren politischen Relevanz unserer Bestrebungen.


Die Fragen wurden gemeinschaftlich von Christian Kravagna und Hedwig Saxenhuber beantwortet.


Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2005

Leitung: Christian Kravagna, Hedwig Saxenhuber

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 1

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: keine Angabe

Ausstellungsfläche: 120 Quadratmeter

Altersdurchschnitt der Besucher: 34

Jahresbudget: keine Angabe

Kunstraum Lakeside

Lakeside Science & Technology Park

Lakeside B02

9020 Klagenfurt

Österreich
http://www.lakeside-kunstraum.at/
office@lakeside-kunstraum.at

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