Off-Spaces: HeadEgg - München

Off-Spaces: HeadEgg in München

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: "HeadEgg – Der Raum" in München
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: HeadEgg

Vernissage zur Videoarbeit "Portraits of Young Men" von Martin Brand im Raum "HeadEgg" in München

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Die Vernissage der aktuellen Ausstellung "Portraits of Young Men" von Martin Brand war sehr gut besucht. Wir beobachten auch während der gesamten Ausstellungszeit, dass immer wieder Menschen lange vor unserem Schaufenster stehen bleiben, um sich auf die Videoinstallation einzulassen.

Die Ausstellung ist die bisher aufwändigste, die wir realisiert haben. Außerdem nahm HeadEgg mit dieser Ausstellung am "On/Off! Wochenende" in München teil, einer gemeinsamen Veranstaltung der Münchner Off-Spaces parallel zum Galeriewochenende "Open Art". Die steigende Besucherzahl resultiert wahrscheinlich daraus, dass HeadEgg langsam immer mehr ins Bewusstsein der Münchner Kulturszene rückt.

Und der größte Misserfolg?

Einen richtigen Misserfolg gab es bisher Gott sei Dank nicht. Tatsächlich rechneten wir aber zur HeadEgg-Geburtstagsausstellung auf Grund des Dauerregens mit absoluter Besucherflaute. Doch zum Glück eine Fehlanzeige: Die Vernissage wurde ein tolles Geburtstagsfest unter vielen Regenschirmen.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Eine komplette künstlerische Umgestaltung des HeadEgg-Pavillons – sowohl außen, als auch innen – von mehreren lokalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern.

Ihre Philosophie, beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Unser Ausstellungsraum ist ausschließlich über seine Schaufenster einsehbar – auf diese Weise aber rund um die Uhr "geöffnet", so dass Kunst nach draußen, in den öffentlichen Raum gelangt und für ein breit gefächertes Publikum zugänglich wird.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Auch wenn München, was Subkultur und junge Kunstszene angeht, nicht gerade die Vorzeigestadt ist, so existiert diese doch. Allerdings ist es für junge Künstlerinnen und Künstler oft schwierig, ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. HeadEgg möchte als unabhängiger und unkonventioneller Ausstellungsraum für aktuelle zeitgenössische Kunst der künstlerischen Subkultur Münchens eine Plattform bieten.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Die Arbeiten der Künstler sollten aktuell sein, zu unserem Konzept passen und sich im weitesten Sinne mit den Parametern der Fotografie auseinandersetzen. Gerne dürfen sie sperrig sein und das Publikum irritieren oder zum Nachdenken anregen. Da unser Ausstellungsrahmen räumlich sehr begrenzt ist, achten wir bei der Auswahl der Kunst sehr stark darauf, in einer Ausstellung nicht zu viele verschiedene Werke zu zeigen, sondern eher nur ein, zwei Arbeiten beziehungsweise Serien eines Künstlers.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Das ist nicht wirklich abenteuerlich, aber vielleicht ein wenig bezeichnend für die Kunstbetrachtung vieler Menschen: Zur Ausstellung "Soup" von Aiko Okamoto, in der kleine Leuchtkästen mit ungewöhnlichen und filigranen Porträtzeichnungen gezeigt wurden, gab es eine Sonderveranstaltung. Das Gitarrenduo "Joe Masi&Murena" bot eine tolle Liveperformance und das im tiefsten Winter bei Minusgraden. Die Jungs musizierten wild in den Schaufenstern des HeadEgg-Pavillons vor der Ausstellungswand mit den leuchtenden Arbeiten Okamotos. Die meisten Besucher waren begeistert, jedoch wurden wir sehr häufig gefragt, wo den nun eigentlich die Kunstwerke seien. Die Arbeiten wurden von vielen als Hintergrundbeleuchtung für die Band missverstanden.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Wenn Sponsoren den alternativen Kunstort für sich entdecken und ihn als "Imageaufpolierer" benutzen.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Ein kleines Holzhäuschen mit Schaufenstern, das statt Waren zeitgenössische Kunst präsentiert.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Dass das kleine Holzhäuschen noch lange existiert und nicht so schnell abrisswütigen Münchner Immobilienhaien zum Opfer fällt.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2009

Leitung: Hubertus Hamm

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: vier Helfer, eine Kuratorin

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: im Schnitt fünf Stunden

Ausstellungsfläche: 18 Quadratmeter (Ausstellungswand)

Altersdurchschnitt der Besucher: 20 bis 65

Jahresbudget: circa 30 000 Euro

HeadEgg – Der Raum

Trogerstraße 19, 81675 München
http://www.headegg.com/
kontakt@headegg.com