Off-Spaces - Dresden

Off-Spaces: geh8 in Dresden

Jede Woche präsentiert art alternative Kunstorte in Deutschland. Diesmal: geh8 – Kunstraum und Ateliers in Dresden
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: geh8

Installationsansicht aus der Ausstellung "Mondo Salami" von 2009 im Kunstraum geh8 in Dresden

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Immer die letzte! Unsere Ausstellungen sind aber eigentlich immer gut besucht! Warum? Getanzt wird da, wo die Musik spielt und die Atmosphäre stimmt. Wir profitieren besonders von unserer eigenen Heterogenität: Wir sind ja nicht nur Kunst-, sondern auch Atelierraum, und so sind bei uns neben Künstlern auch Städteplaner, Designer, Architekten oder Filmproduzenten beheimatet. Zusammen locken wir ein buntes Publikum an. Zudem sind wir in einem kunstuntypischen Stadtteil in Dresden angesiedelt und freuen uns neben dem typischem Publikum um so mehr über Besuch aus der Nachbarschaft.

Und der größte Misserfolg?

Von richtigen Misserfolgen sind wir bisher glücklicherweise verschont geblieben. Sicherlich konnten die ersten Ausstellungen nicht mit Besucherrekorden glänzen, dafür bilden sie das Fundament auf dem wir nun stetig aufbauen.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Vielleicht eine temporäre Baumarkt-Installation mit vollen Regalen. Denn es tropft durch das Dach, und auch sonst gibt es ja immer etwas zu tun.

Ihre Philosophie, beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

International und lokal sein. Und dabei wollen wir die Lücke, die in der Kommunikation zwischen den Sparten der Künste – Musik, Literatur, Film sowie darstellender und bildender Kunst – entsteht, schließen.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Mit geringen Mitteln Großes auf die Beine stellen. Wir wollen den eigenen Arbeiten mit unseren Projekten und Ausstellungen einen weiteren Horizont geben. Der Raum ist für uns Experimentierfeld, Gedanken- und Ideenaustausch, aber auch Ort für Diskussionen und gegenseitige Unterstützung. Zudem erleben wir in unserem Raum immer wieder so bezaubernde Momente, in denen der Sparkassendirektor der Stadt sich plötzlich ganz ohne Schlips und Kragen mit dem Harz-IV-Empfänger unterhält, der um die Ecke wohnt. Der Charme des Raumes, das gemütliche Lagerfeuer und die Kunst eröffnen Möglichkeiten, gemeinsame Themen über die sozialen Konventionen hinweg zu besprechen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Die Wahl der Künstler ergibt sich einerseits aus den verschiedenen Interessen der Mitglieder der Ateliergemeinschaft, andererseits reagieren wir auch auf Ideen, die von außen an uns heran getragenen werden.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Bei Vernissagen kann bei uns schon mal der ganze Raum tönen. Unsere Gäste lassen sich dabei auch nicht von der Polizei beeindrucken. Um vier Uhr morgens hat bei einer unserer Eröffnungen die Polizei den Stecker aus der Anlage gezogen. Aber davon zeigten sich unsere Gäste nicht besonders beeindruckt. Sie haben stattdessen alle verfügbaren Einrichtungsgegenstände – von Flaschen, über Gläser bis hin zu Barhockern – genutzt und eine Stunde lang im besten Dschungelrhythmus ohrenbetäubend "weitermusiziert".

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Die Freiheit hört nie auf – doch bei zuviel oder zuwenig Geld der Spaß.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Eine Ateliergemeinschaft in einem zusammenbrechenden Eisenbahnschuppen. Aber wer weiß, ob wir dann überhaupt noch drin wären ...

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Ein Dach für die geh8! Denn die Bahn wird uns sonst über kurz oder lang rausschmeißen. Vielleicht gibt es ja unter den Lesern ein paar Leute mit Ideen und Erfahrungen, wie wir fleißige Helfer, Material und die benötigten 30 000 Euro zusammen bekommen. Alle Ideen und Fragen werden freudig gelesen und beantwortet.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2007

Leitung: Paul Elsner, Eckehard Fuchs, Almut Wiedenmann

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: circa 20

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: circa 100 Stunden verteilt auf einige Beteiligte

Ausstellungsfläche: 300 Quadratmeter

Altersdurchschnitt der Besucher: 20 bis 50 Jahre

Jahresbudget: circa 8 000 bis 12 000 Euro

geh8 – Kunstraum und Ateliers e.V.

Gehestraße 8, 01127 Dresden
http://www.geh8.de/