Off-Spaces: Raum 58 - München

Off-Spaces: Raum 58 in München

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: Raum 58 – Projektraum für zeitgenössische Kunst in München
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: Raum 58

Zuhörer einer Arbeit von Lynn Lu in der Ausstellung "Composite" im Raum 58

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Heimspiele. Münchner Künstler haben – gemessen am Getränkekonsum – meist höhere Besucherzahlen als Ausstellungen auswärtiger Künstler.

Dagegen erfolgreich war die damals in Tokio lebende Künstlerin Lynn Lu, indem sie in den Wochen vor der Ausstellung verschiedene Persönlichkeiten der Münchner Kunstszene über irgendeine andere Person des Münchner Kunstlebens anonymisiert berichten ließ und diese Berichte in eine überzeugende Rauminstallation einband. Allerdings ist die Anzahl der Besucher kein maßgebliches Kriterium für den Erfolg einer Ausstellung im "Raum 58" – die Qualität der Auseinandersetzung mit der Ausstellung dagegen schon.

Und der größte Misserfolg?

Mit den möglicherweise geblendeten Augen des Projektraumbetreibers vermag ich keinen Misserfolg zu nennen. Ich bereue nicht eine Ausstellung während des mehr als sechsjährigen Bestehens des "Raum 58".

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Ich denke im Rahmen meines Budgets und meiner Möglichkeiten. Eine eigene Veranstaltung von Ausstellungen außerhalb dieses Rahmens interessiert mich nicht.

Ihre Philosophie, beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Gute Künstler, gute Ausstellungen.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Das Werden und Gelingen einer Ausstellung.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Ich muss von der künstlerischen Position überzeugt sein und an die Entwicklung des Künstlers glauben. Genau so wichtig ist, dass Künstler und Arbeit in den "Raum 58" passen. Nicht jede gute Kunst ist im Raum 58 gut aufgehoben.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Eine Ausstellung von Anna Witt führte zur Aufregung in der Nachbarschaft des Münchner Westend und schließlich zu einem Polizeieinsatz im "Raum 58". Anna Witt bat Passanten, sich als Geisel zur Verfügung zu stellen. Die Geiseln wurden in den Ausstellungsraum geführt und stellten in Handschellen und mit verbundenen Augen vor neutraler Kulisse eine Forderung per Videobotschaft. Die Akteure konnten den Inhalt der Forderung selbst bestimmen. Anna Witt agierte als Geiselnehmer. Ihr Gesicht war vermummt, ihr Gewehr eine schlichte Attrappe. Die Münchner Polizei fand Verständnis für die Arbeit und rückte dann ab.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Die Grenzen dieser Freiheit sind vielfältig. Solange aber Betreiber Raum bieten und sich von der Arbeit des Künstlers leiten lassen, Künstler die Besonderheit des alternativen Kunstortes erkennen und nutzen und die Öffentlichkeit bereit ist, diesen Orten Interesse zuzuwenden, sind gute Voraussetzungen für Kunst im Off-Space gegeben.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Eine Zoohandlung? Ich weiß es nicht.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Gute Künstler, gute Ausstellungen.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2004

Leitung: Tilman Mueller-Stöfen

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: keine

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: unterschiedlich

Ausstellungsfläche: 35 Quadratmeter

Altersdurchschnitt der Besucher: vielleicht 35

Jahresbudget: keine Angabe

"Raum 58" – Projektraum für zeitgenössische Kunst

Kazmairstraße 58, 80339 München