Ufo-Universität Halle/Saale - Off-Spaces

Off Spaces: Ufo-Universität Halle/Saale

Jede Woche präsentiert art die angesagtesten alternativen Kunstorte Deutschlands. Diesmal: die Ufo-Universität Halle/Saale.

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Sebastian Löwe: Die Ausstellung hieß "20 Jahre gepflegte Verwesung. Zombie DDR."

Und der größe Misserfolg?

Dass wir keine Kunst machen wollen und dann doch nur als Kunst wahrgenommen werden, also gar nicht, eben nur beguckt und beschaut und besehen. Furchtbar unbefriedigend.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

MoMA in Berlin.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz:

Wir stellen in Frage, dass Kunst unanfechtbar, gar eine Universalie ist, mithin Behauptungen wie Kunst sei Revolution, Kunst sei Widerstand, Kunst sei Befreiung UND meinen dabei aber nicht, dass Kunst sich selbst genügen und unpolitisch sein soll, denn mit welcher Legitimation sollte das vorgetragen sein, wiewohl wir im Gegenteil der Meinung (und der Not) sind, Räume, wo Herrschaft thematisiert werden kann, erst erstreiten zu müssen, UND das immerzu gegen die hegemoniale Walze eines sich im Gestus der unpolitischen Kartografen und subjektiv-außenstehenden Beobachter gefallenden Kunstelite aus ProduzentInnen und AusstellungsmacherInnen UND aus eben diesem Grund beziehen wir “abseits” Stellung UND versuchen diesen Betrieb zu klären, zu stören und Substanzielles dagegen beizutragen UND um ehrlich zu sein, hängen wir nicht sonderlich an der Kunst UND deshalb arbeiten wir lieber mit Angestellten, Arbeitslosen oder UniversitätsstudentInnen UND fragen nach Problemen und Strukturen UND nicht nach schicken Oberflächen, die Inhalte nur als Alibi mitschleifen und meist eben nur im beschränkten diskursiven Aufguss einer etablierten Kunstwissenschaft umgerührt werden UND deshalb fokussieren wir auf Probleme, auf Inhalt UND versuchen diese dort zu verhandeln, wo sie passieren, UND dabei kollektiv, dialogisch und prozesshaft UND wenn es dann nichts zu sehen gibt zur sog. Ausstellung, dann war vielleicht eben der Austausch und der Inhalt wichtiger UND dass man sich gegenseitig ein Stück mehr mündig gemacht hat UND überhaupt.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Siehe obige Antwort – nicht dass es "aus uns" gekommen wäre, eher fühlten wir uns genötigt, erpresst.

Nach welchen Kriterien wählen Sie ihre Künstler aus?

Wir sind nicht wählerisch. Jede/r darf, so er/sie nix kostet und nix will, zu uns trampt, bei Fremden übernachtet, aus Sch**ße Schokolade macht, wohlhabende Eltern hat oder wenigstens noch Hartz IV bezieht, ungeübt bzw. ungewillt ist im Wenden der prekären Misere, in der sie/er als Mensch steckt, in eine Boheme-Existenz und sich darauf Sascha-Lobo-like auch noch was einbilden soll.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Besuch beim Ordnungsamt Halle/S. am 04.02.2010 um 9 Uhr morgens bei Sachbearbeiter Uwe K.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Beim Besuch auf dem Ordnungsamt Halle/S. am 04.02.2010 um 9 Uhr morgens bei Sachbearbeiter Uwe K. beispielsweise.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Wir wären die Place de la Concorde, sobald Schäuble sein Panoptikum durchsetzte.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Place de la Concorde – das Off als soziale Konsequenz und Unterhaltung. Hand in Hand von E und U, endlich, dem die westliche Kunst – weshalb nur – seit 30, 40 Jahren hinterher rennt.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2010 (Vorgänger ufo-Kunstraum 2008)

Initiatoren: Sebastian Löwe, Steffen Hendel (Leitung: die TeilnehmerInnen)

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: Unterschiedlich. Hilfe on demand und je nachdem, ob wir Naturalien für die Vergütung zur Hand haben

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: Wo fängt Arbeit bei der Selbstausbeutung an und wo hört sie auf? Somit irgendwas zwischen 7 x 24h und null

Ausstellungsfläche: Irgendwas mit 100qm

Altersdurchschnitt der Besucher: Laut letztem Wochenende zwischen 17 und 66
Jahresbudget: 6.000Euro/Halbjahr

"Ufo-Universität"

Adresse: Adam-Kuckhoff-Str. 30; Halle (Saale). Aktuelle Ausstellung: ufo-Universität stellt nichts aus außer sich als ein Forum, als die Potenz eines sozialen Raums, der – das ist die Bedingung – gefüllt sein muss
http://www.ufo-universitaet.de/
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