Off-Spaces - Galerie Oel-Früh

Off-Spaces: Galerie Oel-Früh in Hamburg

Jede Woche präsentiert art alternative Kunstorte in Deutschland. Diesmal: Galerie Oel-Früh in Hamburg.
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: Galerie Oel-Früh in Hamburg

Werke von Romanus Gecius während der Ausstellung "WW4U", 2008

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Grundsätzlich sind unsere Gruppenausstellungen immer am besten besucht, da die Künstler und Künstlerinnen dann jeweils auch ihre eigene Gefolgschaft mitbringen. Dazu gehörten "Entschleunigung" und "Nach der Hitze", die wir beide 2008 zeigten.

Und der größte Misserfolg?

Weniger Zuspruch erhalten Ausstellungen leider gerade dann, wenn die präsentierten Künstler und Künstlerinnen aus dem Ausland kommen und hier noch nicht bekannt sind. Offenbar sucht unsere Klientel, die zu einem Großteil selbst kunstschaffend ist, eher den direkten Abgleich als die Inspiration.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Wir spielen schon seit längerem mit dem Gedanken, eine Gruppenausstellung mit unseren Lieblingskünstlern international touren zu lassen. Dabei sollen Auswahl und Präsentation der Werke, unserer hiesigen Ausstellungspolitik entsprechend, jeweils auf den räumlichen Kontext angepasst oder produziert werden.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Wir zeigen Positionen, die eher gesellschaftlichen Bezug nehmen, als eine formelle Aussage zu treffen, und Werke, die speziell für die Gegebenheiten der Galerie entwickelt beziehungsweise an diese angepasst werden.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

1. Einen anderenfalls toten Raum zu bespielen und somit ein kleines Quartier zu beleben.
2. Eine Plattform für Kunstpräsentation und -produktion zur Verfügung zu stellen.
3. Einen Ort für kulturpolitischen Austausch und die entsprechenden Netzwerke zu betreiben.
4. Räumliche Spielarten zuzulassen, die in anderen Institutionen nicht denkbar sind.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Eigenständigkeit, Aussagekraft, Raumverständnis und Humor.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Davon gibt es viele. So sollten wir schon mehrmals rechtlich belangt werden: wegen Verletzung der Namensrechte (von einer Witwe der vormals in unseren Räumen firmierende Unternehmung der Herren Oel und Früh), wegen Tierquälerei (von zwei netten jungen Besucherinnen der Ausstellung "Vogelgrippe", in der unter anderen lebende Küken gezeigt wurden), wegen Nutzung der Flutschutzanlagen (von entsprechenden Behördenvertretern als Reaktionen auf Installationen im Außenraum) und wegen Lärmbelästigung (von Nachbarn auf der anderen Seite der
Autobahn). Bei genauerer Prüfung wurden alle Anschuldigungen fallen gelassen.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Um das herauszufinden, gilt es Grenzen zu übertreten – nicht vor dogmatischem Hintergrund, sondern im Sinne der Kunst und ihrer Produzenten.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Ein Hot-Spot!

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Eine kleine Auswahl an Sammlern und Kunstbegeisterten, die unsere Begeisterung teilen und auch einmal eine ausufernde Rauminstallation erwerben.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2005

Leitung: gemeinschaftlich

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 3

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: 18 Stunden

Ausstellungsfläche: rund 75 qm

Altersdurchschnitt der Besucher: 40 Jahre

Jahresbudget: rund 12 000 Euro

Galerie Oel-Früh

Brandshofer Deich 45, Hamburg
http://oelfrueh.org/
info@oelfrueh.org