Off-Spaces: Autocenter - Berlin

Off-Spaces: Autocenter

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: Autocenter in Berlin, das sich langsam von seinem Ruf als Off-Space verabschiedet
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: Autocenter, Berlin

Ausstellungsansicht der Gruppenausstellung "100. Exhibition", die im Februar 2010 anlässlich der 100. Ausstellung im Autocenter stattfand. Teilnehmende Künstler waren unter anderem Norbert Bisky, Nina Fischer, Cyprien Gaillard und Thilo Heinzmann. Im Hintergrund der Ansicht ist ein Werk von Martin Eder zu sehen

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

"The End Was Yesterday" im Jahr 2008, kuratiert von Tjorg Beer und Joep van Liefland. In der Ausstellung ging es um post-apokalyptische Phänomene. Damals bauten 19 internationale Künstler eine Installation, die den Zustand zwischen Apokalypse und Neuorientierung einfangen sollte. Einer unserer größten Erfolge war zudem unsere Teilnahme am diesjährigen Gallery Weekend – uns gelang eine gute Mischung aus Arbeiten junger Berliner Künstler.

Und der größte Misserfolg?

Das "New Age Film Festival" von Mike Bouchet. Das war 2009 eine großartige Ausstellung, aber leider kamen nicht so viele Besucher. Das lag wohl zum einen daran, dass jeder dachte, auf dem Filmfestival würden nur unbekannte Filme laufen. Und zum anderen fand das Ganze auch noch im Dezember bei eisiger Kälte in ungeheizten Räumen statt. Da blieben die Leute lieber zu Hause. Die Besucher, die da waren, zeigten sich aber sehr begeistert. Es geht eben nicht immer um Quantität.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielte?

Wir würden machen, was wir machen.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Bevor Kunstgeschichte geschrieben wird, wird es im Autocenter gezeigt.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Anfangs wollten wir einfach die Arbeiten unserer Freunde zeigen. Inzwischen sind wir schon fast aus dem Status eines Off-Spaces herausgewachsen. Uns treibt aber wie in unserer Anfangszeit immer noch die Neugier nach Kunst, die jenseits der kommerziellen Formate gezeigt werden kann. Das Spannende nach zehn Jahren Autocenter ist, dass wir es sozusagen zu einer neuartigen Institution in Berlin geschafft haben. Dieser Erfolg treibt uns natürlich an.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Neben den konventionelleren Genres wie Malerei und Skulptur legen wir viel Wert auf installative, experimentelle Arbeiten und Aktionen. Es geht uns dabei um Arbeiten, die jenseits des kommerziellen Drucks produziert und gezeigt werden. Außerdem müssen sie uns als Betreiber auch selbst gefallen.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

In der Geschichte des Autocenters sind schon einige Shows zerstört worden, entweder von den Künstlern selbst oder vom Publikum. Wir finden das interessant und möchten diesem Thema in der Zukunft eine Ausstellung widmen.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Die hört auf, wo die Rahmenbedingungen anfangen. Von diesem Ort aus können sich neue Positionen und Formate entwickeln, aber was ist schon Freiheit?

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Wir fungieren immer noch also "Non-Profit-Space", dennoch entwickelt sich das Autocenter in Richtung Kunsthalle. Wir haben also nichts dagegen, aus der Rolle eines Off-Spaces zu schlüpfen, immerhin feiern wir dieses Jahr schon unser zehnjähriges Jubiläum. Angefangen hat damals alles in einer ehmaligen Garage. Daher haben wir auch unseren Namen. 2007 sind wir dann in größere Räume über einen Discountsupermarkt auf dem ehmaligen Schlachthofgelände in Berlin umgezogen.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Wir wollen das Autocenter für die kommenden Jahre finanziell absichern, um weiter großartige Ausstellungen produzieren zu können.

Die Fragen wurden gemeinschaftlich vom Autocenter beantwortet.


Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2001

Leitung: Joep van Liefland, Maik Schierloh

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 3

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: 30 Stunden

Ausstellungsfläche: 333 Quadratmeter

Altersdurchschnitt der Besucher: 25 bis 45 Jahre

Jahresbudget: keine Angabe

Autocenter

Eldenaer Strasse 34 a
10247 Berlin
http://www.autocenterart.de/
mail@autocenterart.de