Off-Spaces - C.Rockefeller Center

Off-Spaces: C.Rockefeller Center in Dresden

Jede Woche präsentiert art alternative Kunstorte in Deutschland. Diesmal: Das C.Rockefeller Center For The Contemporary Arts in Dresden.
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: C.Rockefeller Center in Dresden

Raumansicht, im Vordergrund Andreas Grahl: "Irene", Aluminiumguss, 2006

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Clark Rockefeller: Unsere Ersteröffnung mit der Ausstellungspreview übers weitere Programm war bisher unser größter Erfolg mit über 400 Gästen. Dazu haben sicher der Neueröffnungsbonus des neuen, alternativen Kunstraums und das performative Musikprogramm beigetragen.

Und der größte Misserfolg?

Lois Rockefeller: Leider haben wir noch keinen Misserfolg erlitten über den wir berichten könnten. Eigentlich schade, denn die Chancen des Scheiterns sind ebenso charmant und tiefgründig wie die des Erfolgs.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Clark R.: Geld spielt bei uns keine Rolle, daher ist jede bei uns realisierte Ausstellung diejenige, die wir gern realisieren würden.

Lois R.: Da Erkenntnis meist unabhängig von Geld funktioniert und ein starker Wille zu einem tiefen Inhalt immer seinen Weg in der "Form" findet, denke ich, dass Kunst prinzipiell unabhängig von Geld stattfinden kann. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Möglichkeiten, die einem Künstler zur Verfügung stehen, meist auch die besten sind.
Für mich findet eine Wunschvorstellung in Bezug auf eine Ausstellung vielmehr bei den ausgestellten Werken selbst statt. Geld wäre dabei weniger interessant als beispielsweise die Vision, frei von jeglichen physikalischen Gesetzen und Grenzen arbeiten zu können.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Clark und Lois R.: "There is always a higher level."

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Lois R.: Wahrscheinlich sind es genau die gleichen "Illu-/Visionen" von "Möglichkeiten der Kunst", die ich persönlich als Erweiterung von Denken, Aufklärung sowie Besinnung definieren würde, welche im C. Rockefeller Center zum tragen kommen sollen.

Clark R.: Da solche Räume leider viel zu selten als Labor funktionieren, in denen ausgangsoffene Experimente möglich sind und wir gern in einer solchen Umgebung arbeiten, mussten wir unseren Raum selbst "herstellen".

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Clark R.: Wichtigstes Kriterium für mich sind Authentizität und Inhaltlichkeit.

Lois R.: Derjenige, der ernsthafte Absichten hat und dabei für seinem Inhalt eine Form entwickelt, welche bestenfalls diese Inhaltlichkeit formal, in seinem Gestus oder Charakter erweitert und beschreibt, ist für mich ein guter Künstler und somit auf einer potentiellen Auswahlliste gut aufgehoben.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Clark R.: http://en.wikipedia.org/wiki/Clark_Rockefeller

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Clark: Da wir den alternativen Kunstort als idealen Raum begreifen, also als eine positive Projektion einer künstlerischen Utopie, gibt es keine Grenze im materiellen Sinn. Freiheit hört nicht einfach auf, sondern wird gestaltet und erkämpft. Das Einstellen der Gestaltung oder der Verlust des Ideals kennzeichnen daher das Ende der Freiheit.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Clark R.: Wir sind kein Raum, sondern Subjekte mit klaren Zielsetzungen und Absichten, die im Offspace ihren idealen Freiraum finden. Der Raum als Objekt ist existent und war es auch in der Vergangenheit. Unsere Absicht zielt aber auf ein Experiment, welches in einer anderen Form als der des Freiraums wesentlich schwieriger durchzuführen wäre.

Lois R.: Ob der Raum nun C. Rockefeller Center For The Contemporary Arts genannt wird oder nicht, ist nicht wirklich relevant – es stellt sich aber die Frage nach dem Ausmaß an Öffentlichkeit, welche an den Ausstellungen teilhaben könnte, wenn es kein Off-Space wäre. Deshalb ist es einer und kein Kunstshop mit exklusiver Kundschaft, die hofiert wird.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Clark R.: Freiheit für Clark Rockefeller.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2010

Leitung: Deutschland & Friend's e.V.

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 8

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: 20 Stunden

Ausstellungsfläche: 90 qm

Altersdurchschnitt der Besucher: 35

Jahresbudget: 25 000 Euro

"C.Rockefeller Center For The Contemporary Arts"

Aktuelle Ausstellung: "Arbeit ist das Feuer der Gestaltung", Gruppenausstellung, Rudolf Leonhard Str. 54 HH, Dresden
http://www.crockefeller.org/