Off-Spaces: hr.fleischer - Halle

Off-Spaces: hr.fleischer

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: hr.fleischer in Halle
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: hr.fleischer, Halle

Auf gerade mal 4 Quadratmetern betreibt "hr.fleischer" seine Schaubude oder genauer: einen Kiosk

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Das Radio-Kiosk-Konzert. Alle wollten sehen, wieviel Band in einen Kiosk passt, und erst wenn man sein Radio anstellte, konnte man sie auch hören.

Und der größte Misserfolg?

"Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei". Der wahrscheinlich zu melancholisch klingende Titel einer Fleischwaren- beziehungsweise Würstchenausstellungsfinissage lockte gerade mal fünf Mitglieder unseres Vereins, um mit Bockwurstwasser anzustoßen.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielte?

Der schon lange gehegte Plan, das immobile Straßenmöbel einmal umziehen zu lassen und dann mit hr.fleischer auf Welttournee zu fahren.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Auf 4 Quadratmetern städtischem Freiraum an zentraler und exponierter Stelle öffnet hr.fleischer sein Versorgungsfenster für dialogische Momente auf Augenhöhe als experimentelle Schnittstelle für eine
mutable Zukunft ...

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Der Niedergang des öffentlichen Raums und die Verkrustung von Kunstinstitutionen. Wir betreiben unsere Schaubude für mehr Zumutung, freie Entscheidungen und mehr Interaktion im offenen Raum. Obendrein erhalten wir den Kiosk als architektonischen Sonderling.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Der Kiosk weist niemanden zurück – er akzeptiert bedingungslos.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Der Off-Space selbst ist schon eine Skurrilität, und da wir nie wissen, mit wem wir es zu tun bekommen, bleibt jede Aktion, die in der Öffentlichkeit stattfindet, ein Abenteuer.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Bei bürokratischen Querelen.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Ein traurig leerstehender Kiosk oder ein Parkplatz.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Mehr Mut.



Die Fragen beantwortete Juliane Noack.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2009

Leitung: hr.fleischer e.V.

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 5 bis 15

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: zu viele Stunden (ca. 10 h/fleischer)

Ausstellungsfläche: 4 Quadratmeter

Altersdurchschnitt der Besucher: 30

Jahresbudget: 0,- Euro

hr.fleischer e.V.

Kiosk am Reileck

Händelstr. 1a

06114 Halle an der Saale
http://herrfleischer.blogspot.com
hr.fleischer@gmx.de

Mehr zum Thema auf art-magazin.de