Off-Spaces: SOX - Berlin

Off-Spaces: SOX

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: SOX in Berlin – eine Vitrine für Kunstprojekte
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: SOX, Berlin

Mit ihrem Projekt "Ta(nzen) ma(cht) mü(de) Me(nschen) mu(nter)", kurz "tamamümemu", löst die Berliner Künstlerin Katja Kollowa 2011 das SOX mit einem münzbetriebenen Disko-Automaten aus seinem unauffälligen Dasein in der Nachbarschaft

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Das Sox ist eine Vitrine an einer der meist frequentierten Straßen in Kreuzberg. Es ist umgeben von Kiosken, Kneipen teuren Boutiquen und gehobenen Cafés, da kommt früher oder später jeder mal vorbei und schaut es sich an.

Am besten ablesen ließ sich das bei der Ausstellung "tamamümemu" von Katja Kollowa, die aus dem SOX einen münzbetrieben Diskoautomaten gemacht hatte. Anhand der 10-Cent-Stücke konnte man am Ende ablesen, wie viele Leute ihn ausprobiert hatten und das waren knapp 5000.

Und der größte Misserfolg?

Keiner.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielte?

Zunächst würden wir den Raum gerne mal von Grund auf renovieren.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Interessante Künstler einladen und die speziellen Möglichkeiten des Projektraums ohne Einschränkungen ausreizen.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Es ist sehr motivierend, dass die Künstler ihre Projekte eigens für das SOX entwickeln, und es ist immer wieder spannend zuzusehen, wie sie die künstlerischen Möglichkeiten einer Vitrine ausloten.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Wenn wir uns einen interessanten Künstler ausgeguckt haben, der zu unserem Konzept passen könnte, laden wir sie oder ihn einfach ein. Das einzige Kriterium dabei ist, dass die jeweilige Arbeit dann für den Raum entwickelt werden muss und auf die besondere Situation der Straße und der Vitrine Bezug nimmt.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Einmal kam ein Nachbar, ein junger Mann, der wissen wollte, warum wir das SOX nicht in unserer eigenen Straße betreiben, sondern gerade hier. Er behauptete, er wohne gegenüber und hätte über die Jahre von seinem Fenster aus noch nie irgendjemanden gesehen, der sich die Sachen ansehen würde. Zum Beweis zählte er eine erstaunliche Anzahl von Ausstellungen auf, die er noch sehr genau in Erinnerung hatte. Zumindest er scheint das Programm wohl sehr aufmerksam zu verfolgen.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

In unserem Fall eigentlich nur dann, wenn es dem Nachbarn zu laut wird.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Ein Werbeschaukasten.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Im Moment haben wir keine Wünsche.


Die Fragen wurden beantworteten Alexander Wagner und Benedikt Terwiel.


Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: vermutlich Anfang der achtziger Jahre

Leitung: Alexander Wagner, Benedikt Terwiel

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 0

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: sehr unterschiedlich

Ausstellungsfläche: 225 cm hoch, 300 cm breit und 60 cm tief

Altersdurchschnitt der Besucher: sehr unterschiedlich

Jahresbudget: 0,- Euro

SOX

Oranienstrasse 175

Berlin 10999

http://www.sox-berlin.com/
mail@sox-berlin.com

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