Off-Spaces - Raum 121 Frankfurt

Off Spaces: Raum 121 Frankfurt

Jede Woche präsentiert art die angesagtesten alternativen Kunstorte Deutschlands. Diesmal: der Raum 121 in Frankfurt.
Trainingslager der Subkultur:Diesmal: der Raum 121 in Frankfurt

"John Coltrane und Theodor W. Adorno bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt in der Öffentlichkeit – natürlich bei uns im Raum 121", erklärt Jakob Hoffmann

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Jakob Hoffmann: Die bestbesuchte Ausstellung, die wir selbst gemacht haben – wir vermieten unseren Raum auch, wenn die geplante Ausstellung keinen Schrott zeigt, – war die Polaroid-Ausstellung "Instant Melancholia". Sie war so erfolgreich, dass das Konzept in Tunis noch mal realisiert wurde und in London dieses Jahr realisiert wird. Warum? Weil Polaroid hip und sentimental zugleich ist und weil wir superbe Künstler versammelt hatten.

Und der größte Misserfolg?

Schwer zu sagen. Die Ausstellung "Kunst im Haus" hatte ein gutes Konzept, war aber nicht konsequent genug in der Durchführung. Den Leuten hat es aber dennoch gut gefallen.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Entweder eine zum Thema Hubschrauber in der zeitgenössischen Kunst, aber noch viel lieber eine Ausstellung, bei der wir guten Künstlerinnen oder Künstlern Arbeiten in Auftrag geben können, zum Beispiel eine Wandarbeit von Franziska Furter oder eine Neon-Installation von Silke Wagner oder Stefan Wieland.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Gute Kunst unkompliziert und direkt an ein Publikum bringen.

Was ist Ihre Motivation einen solchen Off-Space zu betreiben?

Es gibt so viele sehr gute Kunst, die nicht gezeigt wird. Und es ist ein Privileg, sich damit beschäftigen zu dürfen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Sie müssen gut sein, das heißt sie müssen Kunst machen, die klug und berührend ist. Und wir müssen ein Verhältnis zu ihnen haben, eine Geschichte.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Bei unserer ersten Veranstaltung – einer Release-Party für eine italienische Kinder CD, "…e la luna?", mit Illustrationen des Labor-Frankfurts – sah ein Gast in einem Nebenraum kurze Animationsfilme, die befreundete Studenten aus den Illustrationen gemacht hatten und engagierte sie vom Fleck weg für ein Musical über Transsexualität. Und die Polaroids, die uns Sepp Bierbichler abgeliefert hat, sind an sich eine Anekdote für sich.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Das hängt ganz allein von dem Anteil der investierten Zeit ab, die man für die Finanzierung verwendet. Das bedeutet die Freiheit wird sehr schnell klein.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Ein Raum, in dem man zusammen gute Fußballspiele schaut. Aber natürlich machen wir im Sommer auch ein arty Fußball-Studio mit einem Fußballbuch, dass unmittelbar nach Spielschluss des Finales auf den Markt kommt.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Dass die Leute nicht mehr fragen: "Wie viele Leute waren da?", sondern nach der gezeigten Kunst.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2008

Leitung: Jakob Hoffmann, Kai Staudacher, Silke Hartmann, Thomas Ganther, Barbara Dierksen, Jennifer Staudacher, Olaf Gallas, Ulrich Thamerus

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: Genau dieselben

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: Aufs Jahr gerechnet 100 Stunden / Woche

Ausstellungsfläche: 100 bis 170 qm, je nach Konzept

Altersdurchschnitt der Besucher: 34, 62 Jahre

Jahresbudget: Gibt es nicht. Jede Veranstaltung budgetiert sich selbst, wir vermieten den Raum an uns selbst

"Raum 121"

Adresse: Aktuell auf Raumsuche
http://www.raum121.de/
info@raum121.de