Off-Spaces: Hafen 2 - Offenbach

Off-Spaces: Hafen 2

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: Hafen 2 – eine wilde Mischung aus Ausstellungsraum, Streichelzoo, Konzertstätte, Café, Programmkino, Atelier und House-Klub
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: Hafen 2

Nachtaufnahme vom Hafen 2, Außenansicht

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Die bestbesuchten Ausstellungen der interim.projekte, unserer Plattform für Kunst im Hafen 2, sind immer die, die in einen großen Veranstaltungsrahmen integriert sind, wie zum Beispiel im jährlichen "Hafen 2 wird xxx" Festival Ende Februar.

Da ist das gesamte Gebäude bespielt, wir nennen es polytechnisches Amüsement. Nach einem Monat traditioneller Winterpause ist das immer ein super Start ins neue Jahr mit vielen Besuchern.

Und der größte Misserfolg?

Misserfolge gab es bisher nicht, irgendetwas Eigenes, Tolles hatte bisher jede Ausstellung.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielte?

Da wir uns nie an der Prämisse "Geld" orientieren, fällt mir da gerade keine ein.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Wir sehen die Zwischennutzung, also das "Interimsprojekt", als Chance, ein möglichst mobiles und verzweigtes Netzwerk an Künstlern, Veranstaltungen und Kooperationen zu knüpfen und zu halten.


Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Der Ort, die Menschen und der Erfolg. Hafen 2 fördert progressive Kunst und Kultur, damit sowohl Akteure als auch Rezipienten aus ihr profitieren und Inspirationen mitnehmen, die soziale Fähigkeiten unterstützen, Kritikfähigkeit herausbilden, Selbstverwirklichung ermöglichen, Geschmacksbildung trainieren, zu Engagement animieren, Scheinbedürfnisse entlarven und zu modernen Lebensentwürfen ermutigen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

In erster Linie müssen die Arbeiten der Künstler das persönliche Interesse wecken. Ansonsten sieht sich Hafen 2 beziehungsweise interim.projekte vor allem als Förderung von Ausstellungsmöglichkeiten aktueller Arbeiten junger Künstler, die sich zwischen Hochschule und etablierter Galerie oder Kunstinstitution befinden. Dabei bieten Offenbach mit der Hochschule für Gestaltung und Frankfurt mit seinen Kunsthochschulen beste Voraussetzungen. Unser Off-Space beschränkt sich aber nicht auf dieses regionale Angebot. Vielmehr sollen junge Künstler aus ganz Deutschland und dem Ausland eine Möglichkeit erhalten, ihre Arbeiten einem interessierten Publikum zu präsentieren. Dabei zählt weniger ein kommerzieller Erfolg, sondern ausschlaggebend für eine Ausstellung sind Innovation, Ausdruck, Position und Inhalt der Künstler und Künstlerinnen.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Eno Henze versuchte für seine Ausstellung "interim.projekte #17.07" zwei riesige Styroporquader in den Ausstellungsraum übers Treppenhaus ins Obergeschoss zu bringen. Sie blieben stecken und keiner kam weder hoch noch runter. Er musste sie zersägen und im ganzen Gebäude verteilten sich aufgeladene Styroporkügelchen, die er dann mühsam mit dem Staubsauger einfangen musste.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Wenn man sich aus Finanzierungsnöten kommerziellen Erwägungen unterwerfen muss. Im Gegensatz zum Austausch, der in einem kommerziellen und etablierten Kulturbetrieb stattfindet, scheint die Kommunikation zwischen unkonventionellen Künstlern, angehenden Ausstellungsmachern und einem interessierten Publikum zunehmend erschwert. Es besteht Bedarf, jungen Künstlern und Kunstschaffenden aus einem subkulturellen Kontext eine Plattform zu bieten, auf der eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst möglich ist.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Reduziert auf Veranstaltungsgastronomie mit ökonomischen Zwängen.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Die Tage des ehemaligen Lokschuppens der Hafenbahn, in dem sich Hafen 2 befindet, sind gezählt. Spätestens im Frühjahr nächsten Jahres wird es abgerissen und einem Grundschulbau weichen müssen. Momentan arbeiten viele Menschen an der Verlagerung von Hafen 2. Weiter im Westen befindet sich ein schönes Grundstück, auf dem wir gerne ein Gebäude errichten würden. Unser Wunsch besteht also darin, dass wir viele Unterstützer finden und in möglichst kurzer Zeit das nötige Geld zur Finanzierung auftreiben.

Die Fragen beantwortete Andrea Weiß.


Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2004

Leitung: Andrea Weiß

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 5

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: ca. 10, bei einem Ausstellungswechsel natürlich mehr

Ausstellungsfläche: 80 Quadratmeter

Altersdurchschnitt der Besucher: 30

Jahresbudget: Wir haben kein festegelegtes Budget, unser Prinzip heißt Querfinanzierung bzw. Eigenfinanzierung

Hafen 2

Kulturzentrum und interdisziplinäre Plattform

im alten Lokschuppen der Hafenbahn

Hafen 2a

63067 Offenbach

http://www.hafen2.net
kontakt@hafen2.net