Off-Spaces - Stellwerk Kassel

OFF-SPACES: Stellwerk Kassel

Jede Woche präsentiert art die angesagtesten alternativen Kunstorte Deutschlands. Diesmal: das Stellwerk in Kassel.
Trainingslager der Subkultur:OFF-SPACES: Stellwerk Kassel

Arbeit von Harm Heye Kaninsky aus der Ausstellung "Wo ist der junge Wein", 2008

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Kim-Andre Schulz: Events ziehen natürlich immer viele Besucher an. Zur letzten Museumsnacht haben wir "9=1" gezeigt, eine Ausstellung, die stündlich mit einer neuen Arbeit eröffnet wurde. Damit waren die Besucher gezwungen immer wieder aufzutauchen, um die Entwicklung der Ausstellung zu verfolgen. Mit dabei waren: Olga Holzschuh, Thilo Jenssen, Sven Krolczik, Julia Kujat, Astrid Lange, Kati Liebert, Lennart Rieder, Theresa Rieß und Marina Rüdiger.
Ähnlich gut besucht war der "Spaziergang der Kunsthochschule Kassel" im Sommer 2009, der in der ganzen Stadt zu sehen war und deshalb auch ein entsprechendes Feedback in der Presse fand.

Und der größte Misserfolg?

Wir verstehen uns als Experimentierraum, scheitern gehört zum Wachsen. Klar gab es die eine oder andere Austellung, die nicht so gut angenommen wurde, aber wir wollen an dieser Stelle keine Namen nennen.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Wir planen gerade ein Austauschprojekt mit Kunststudenten aus Manchester, das im Herbst sowohl in der Holden Gallery (Manchester), als auch in Kassel gezeigt werden soll. Arbeitstitel ist "non permanent". Wir haben noch ein paar finanzielle Löcher zu stopfen, um das ganze zu realisieren.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Ausstellungen machen.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Kassel hat einiges an etablierten Formaten zu bieten, wie die Documenta oder die Kunsthalle, aber die junge Kunstszene ist leider nicht sehr präsent und wird an vielen Stellen zu wenig gefördert. Wir bieten jungen Künstlern/Kunststudenten einen Ort, an dem sie Ausstellungen realisieren und sich ausprobieren können. We (try to) put Kassel on the map!

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Es gibt kein kein festes Programm, das Team wechselt zirka alle zwei Jahre. Mit neuen Leuten kommen immer auch neue Kriterien. Wenn Anfragen von Künstlern kommen, werden diese im Team diskutiert. Diese Auseinandersetzung ist für uns auch der Gewinn, den wir aus der Arbeit im Stellwerk ziehen.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Da wir im Hauptbahnhof verortet sind, gibt es immer wieder neue lustige Bekanntschaften mit Menschen, die sonst wenig Kontakt mit zeitgenössischer Kunst haben. An dieser Stelle: Juri du schaffst es!

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Wäre schön, wenn sich jemand trauen würde, das bei uns herauszufinden.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Arbeitsräume oder ein Künstler-Residence-Programm würden das Stellwerk, als Plattform für junge Kunst, bereichern.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Wir sind darauf bedacht, ein Netzwerk über Kassel hinaus aufzubauen und haben in letzter Zeit Ausstellungen mit Künstlern aus Salzburg, München, Lana (Südtirol) und anderen Städten zeigen können. Wir wollen dieses Netz weiter ausbauen und so das Stellwerk und den Standort Kassel stärker sichtbar machen.

Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 1995

Leitung: Wechselt alle 2 Jahre, z.Z.: Damien Crowe, Julia Frey, Miriam Link, Greta Mattulat, Kim-Andre Schulz, Marius Wagner

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 6

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: 6 Stunden

Ausstellungsfläche: 6 x 6 x 4 m

Altersdurchschnitt der Besucher: 28

"Stellwerk"

Kulturbahnhof Kassel. Aktuelle Ausstellung: bis 17.4. "Nur Tapeten"
http://www.stellwerkprogramm.de/
stellwerkteam@gmx.de