Interventionsraum Stuttgart - Off-Spaces

Off Spaces: Der Interventionsraum Stuttgart

Trainingslager der Subkultur: Jede Woche präsentiert art die angesagtesten alternativen Kunstorte Deutschlands. Diesmal: Der "Interventionsraum" in Stuttgart.
Trainingslager der Subkultur:Der "Interventionsraum" in Stuttgart

"Wir wählen keine Künstler aus, sondern Ausstellungskonzepte": Das Team des Stuttgarter Interventionsraums möchte das gesamte Viertel mit Künstlern beleben

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Die Ausstellung EXP.19 – "KESTAS" von Kestutis Svirnelis (zirka 120 Besucher), der eine Baustelle als Kunstlabor installierte, fand besonders großen Anklang, weil Künstler, Publikum (Passanten) und Exponate interagierten. Manche Ausstellungsbesucher kamen wieder und wieder, um an der vom Künstler initiierten Gesamtinstallation weiter zu arbeiten.

Und der größte Misserfolg?

Eine mehrstündige Diskussion, wie wir neue Mitglieder gewinnen können, die zu uns passen und mit derselben Motivation arbeiten. Ergebnis: Diskussion wird vertagt.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Ein einwöchiges Performancefestival mit lokalen und internationalen Künstlern im gesamten Viertel um den Interventionsraum herum, bei dem wir alle Läden, Büros, Freiflächen und Leerstände nutzen und sämtliche Passanten mit in die Performances einbinden.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Der Interventionsraum bietet junger Kunst ein Experimentierfeld und schafft als visueller Stolperstein eine Plattform und Schnittstelle zwischen Künstlern verschiedener Ausdrucksformen, die die Dimensionen des Raums und dessen urbane Umgebung als Aktionsradius nutzen.

Was ist Ihre Motivation einen solchen Off-Space zu betreiben?

Leidenschaft und die Chance, interessante Künstler einzuladen, mit Ihnen über ihre Arbeit in einen Austausch zu kommen, ihre Arbeitsweisen kennen zu lernen und sich inhaltlich in den Diskurs um zeitgenössische Kunstproduktion einzumischen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Wir wählen keine Künstler aus, sondern Ausstellungskonzepte, in denen die Künstler im Sinne des Interventionsraums in das städtische Umfeld eingreifen.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Die Ausstellung EXP.13 – "Byung Chul ist da!" war unsere exotischste und skurrilste. Der Performancekünstler Byung Chul Kim lebte eine Woche im Schaufenster des gegenüberliegenden Zooladens und bot sich für 1200 Euro als dienstbereites, kuschelfreudiges Haustier an. Zur anschließenden Vernissage gestaltete er den Interventionsraum tierfreundlich. Im Hinterraum funktionierte er eine Küche zur Öldusche beziehungsweise –Disko um, in der sich die Besucher tanzend näher kommen konnten. Im schummrigen Keller massierte der Künstler persönlich die mutigen Besucher.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Wenn der Wert der Kunst nicht mehr in der Kunst selbst besteht, sondern in den positiven Image-Effekten, die Kunst gerne nach sich zieht

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Ein Etablissement für zeitgenössische Kunst.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Das gesamte Viertel, in dem wir arbeiten, mit Künstlern zu beleben und einen Gegenpol zum geplanten Shopping-Viertel zu bilden. Vor allem aber die Menschen zum Nachdenken anregen.

Fakten, Fakten, Fakten: Gründungsjahr: 2007. Leitung: Interventionsraum e.V. (4 Vorsitzende: Demian Bern, Silke Schwab, Nina Müller, Florian Härle). Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 8-12. Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: 6-8 Stunden. Ausstellungsfläche: 50 Quadratmeter. Altersdurchschnitt der Besucher: 20-40 Jahre. Jahresbudget: 4000 Euro.

"Interventionsraum"

Adresse: Marienstraße 15, 70178 Stuttgart. Aktuelle Ausstellung: "EXP.25 – Moritze und Max", eine Ausstellung von Frank Maier. Öffnungszeiten: je nach Ausstellung
http://www.interventionsraum.de
info@interventionsraum.de

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