Off-Spaces: sic! - Luzern

Off-Spaces: sic!

In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: sic!, dem Raum für Kunst im schweizerischen Luzern
Trainingslager der Subkultur:Off-Spaces: sic!, Luzern

Installation "Screamers" (2011) von Anastasia Katsidis im Garten hinter dem Kunstpavillon, der sich aus den Off-Spaces sic! und o.T. Raum für aktuelle Kunst zusammensetzt. Die Arbeit "Screamers" gehört zur Ausstellung "Selection Cuvee – 5 plus 1 Kunstschaffende aus der Zentralschweiz", dem ersten Gemeinschaftprojekt von sic! und o.T.

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Das kann ich gar nicht sagen, die Ausstellungen sind unterschiedlich gut besucht. In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der Besucher allerdings verdoppelt, worüber wir uns natürlich sehr freuen.

Und der größte Misserfolg?

Straucheln gehört dazu und muss passieren dürfen. Vergleiche Antwort oben.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielte?

Eine Ausstellung in Baumhäusern, einen Performanceanlass in Bayreuth und ein Fest im schweizerischen Architekturmuseum. Dazu begleitende Publikationen, so dick wie Schränke oder so dünn wie chinesisches Porzellan, herausgegeben im eigenen Verlag namens „Lack – lack“.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Das ist zwar kein Satz, aber trotzdem eine Philosophie: In Räumen Geschichten erzählen, Inhalte zur Diskussion stellen, lustvoll recherchieren, sorgfältig arbeiten, nicht den Mut verlieren und das Risiko lieben. Oder anders: Work hard and be nice to people.

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Ausstellungen zu realisieren, mit interessanten und interessierten Menschen zusammenzuarbeiten, sich aufzureiben, heute Ideen zu spinnen und sie vielleicht schon morgen oder in zwei Jahren umsetzen zu können.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Zuerst geht es um einen ersten persönlichen Eindruck: Hinterlässt eine Arbeit ein Loch in meinem Bauch, dann weiß ich, da ist mehr. Nach einem Atelierbesuch und einem Gespräch verfestigt sich mein Eindruck (oder auch nicht). Ich wähle Künstler nach der (Nicht-)Beantwortung unterschiedlicher Fragen aus: Was löst es aus? Ist das aktuell? Wie verortet sich das Werk oder der Kunstschaffende in seiner Umgebung und unserer Welt? Ansonsten besuche ich regelmäßig Ateliers, Ausstellungen und Abschlusspräsentationen an Hochschulen, höre dort zu und führe Gespräche, um neue Kontakte zu knüpfen ... das funktioniert natürlich auch auf Partys, im Supermarkt oder im Buchladen.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Besucherin: "Was ist das? Kunst? Hören Sie mal, das ist vielleicht eine Schweinerei."
Ich: "Wenn Sie das sagen ..."
Besucherin: "Kann man das kaufen? Wieviel kostet das?"
Ich: "Ja, sicher, 1200.-"
Besucherin: "Aha, tiefer Preis, ist das nicht zu günstig?"
Ich: "Mhmmm?"
Besucherin: "Gut, kann ich es gleich mitnehmen?"

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Wenn das Budget zu klein ist, Transportkosten beziehungsweise Materialkosten zu decken, und wenn es so groß ist, dass es an den Eröffnungen Champagner anstelle von Bier gibt und Sammler das Stammpublikum ausmachen. Die Freiheit des Ortes funktioniert vor allem über die persönliche Haltung zu Raum und Ort und betrifft besonders die persönlichen Um- und Zustände.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Interessante Frage. Ein Raum für fiktives Theater oder eine Verlagsküche mit Lesestube oder eine Wanderausstellung auf Weltreise.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir einen Mehrjahresvertrag von der Stadt, einen Preis plus einen neuen Staubsauger.


Die Fragen beantwortete Nadine Wietlisbach.


Fakten, Fakten, Fakten:

Gründungsjahr: 2005 als Plattform, seit 2007 wird sic! programmiert und kuratiert

Leitung: Nadine Wietlisbach

Wie viele Helfer/Mitarbeiter: 1 bis 2 (Grafikerduo meierkolb und ein Praktikant)

Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: 3 Tage

Ausstellungsfläche: von 2005 bis 2010 25 Quadratmeter, seit vergangenem Monat 140 Quadratmeter

Altersdurchschnitt der Besucher: 35 Jahre

Jahresbudget: 30 000 CHF

sic! Raum für Kunst

Sälistrasse 24

6005 Luzern

Schweiz

http://www.sic-raum.ch/
info@sic-raum.ch

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