Blog: Screenshots

Der goldene Kühlschrankmagnet

kuehlschrankmagnet-scrrenshots

Um ihre Ausstellungen im Netz zu bewerben, produzieren immer mehr Museen Trailer- und Teaserfilme – oft mit zweifelhaften Ergebnissen. Unsere kompetente Fachjury hat sich durch die Trailer dieses Jahres gekämpft und vergibt in diesem Jahr erstmal den "Goldenen Kühlschrankmagneten" in zehn Kategorien.

In der Kategorie "Beeindruckendste Computeranimation" gewinnt der Trailer zur Wanderausstellung "Leonardo da Vinci"

Begründung der Jury: Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: Je historischer die Ausstellung, desto fetziger müssen die Computer-Animationen im Trailer sein. Irgendwo zwischen modernem Kinotrailer und dem Vorspann einer unseriösen Dokutainment-Serie aus den neunziger Jahren liegt der Werbespot für die große Da Vinci Wanderausstellung. Herzlichen Glückwunsch!

In der Kategorie "Verstörendster Pullover" gewinnt der Trailer zu "Ego Update" im NRW-Forum Düsseldorf

Begründung der Jury: Roboterstimmen stellen die großen Fragen des Lebens und auf der Bildebene gibt ein Stroboskop-Effekt den Ton an – mehr Hippness geht nicht. Dazu der psychedelische Pullover des Museumsleiter Alain Bieber und die Frage, ob nicht vielleicht doch Drogen im Spiel waren.

In der Kategorie "Bester Sprecher" gewinnt der Trailer zu Wanderausstellung "Tutanchamun"

Begründung der Jury:  Wenn man Captain Picards Synchronsprecher hat, kann eh nichts schiefgehen: Mehr Dramatik geht kaum! Wer nach einer halben Minute noch keine Gänsehaut hat, hat entweder kein Herz oder  niemals Star Trek gesehen.

In der Kategorie "Ab Achtzehn" gewinnt der Trailer für "Ludwig goes Pop – Mein Körper als Ereignis" im MUMOK Wien

Begründung der Jury: Wie schmuggelt man Pornografie in YouTube? Ganz einfach, man versteckt sie in einem vermeintlich langweiligen Ausstellungstrailer. Achtung: Nicht im Büro ansehen!

In der Kategorie "Suggestivste Bilder" gewinnt der Trailer zur Ausstellung von Rosa Barba

Begründung der Jury: Cool, aufregend – ein Trailer, wie er in jedem Kino laufen könnte. Das einzige Problem: man weiß nicht genau, worum es geht: eine Austellung? Jeans? Ein Herren-Deo?

In der Kategorie "Fünfzig Plus" gewinnt der Trailer zur Ausstellung von Björk im MoMA

Begründung der Jury: Kaum zu glauben, aber Björk ist dieses Jahr fünfzig Jahre alt geworden. Dass sie immer noch betören will, zeigt ihr Trailer für ihre Installation "Black Lake" im MOMA, der gegen Ende allerdings auch Assoziationen zu Werbespots für Verdauungsjoghurt erzwingt.

In der Kategorie "Aufreger des Jahres" gewinnt der Trailer zu "The Boticelli Renaissance"

Begründung der Jury:  Die Trailer-Serie für "The Boticelli Renaissance" hatte einen derart hohen Fremdschäm-Faktor, dass wir ihr einen eigenen Beitrag widmen mussten. Ob Absicht oder nicht – Aufmerksamkeit hat die Gemäldegalerie für die Ausstellung damit immerhin erfolgreich erzeugt.

In der Kategorie "Minimalismus" gewinnt der Trailer zu "The World of Tim Burton" im Max Ernst Museum Brühl

Begründung der Jury: Hat man keine guten Filmaufnahmen zur Verfügung, erstellt man einfach eine schräg-witzige Animation mit verspielten Details. Tim Burton macht es doch genauso!

In der Kategorie "Street-Credibility" gewinnt die "BundeskunstHall of Fame"

Begründung der Jury: Für den Trailer eines Street-Art-Festivals braucht man natürlich einen echten Sprayer, der mit Pinsel und Farbe ein Plakat in einer U-Bahnstation gestaltet. Langweiliger hat Sprayen zwar noch nie ausgesehen, aber das Ergebnis sieht wirklich authentisch aus: nämlich nach durschnittlicher Jugendzentrums-Wand.

In der Kategorie "Bester Trailer" (echt jetzt) gewinnt der Trailer zu Louise Bourgeois im Haus der Kunst

Es kann so einfach sein: eindrucksvolle Bilder, düstere Klänge und interessante Aussagen der Künstlerin selbst. Mehr braucht man eigentlich nicht für eine klare Aussage in anderthalb Minuten.

screenshots-teaser
Hier ermittelt die Online-Redaktion von art ungeklärte Fälle der Kunst und ästhetische Unfälle des Alltags