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Süße Träume

Süße Träume

Die Fondation Beyeler hat unter dem Hashtag #GauguinSounds Prominente dazu eingeldaen, Musik zur laufenden Gauguin-Ausstellung auszuwählen. Keine schlechte Idee! Am Wochenende hatte ich Gelegenheit, die malerischen Sehnsuchtsorte in der Riehener Ausstellung abzuschreiten und dabei echt Probleme, den folgenden Ohrwurm loszuwerden:

Wie kam das alte Ding nur in meinen Kopf?

Der alte Disney-Klassiker ist in seinem Frauenbild wohl mindestens so problematisch wie Gauguin, und auch er feiert die Exotik der Tropen, das vermeintlich "Ursprüngliche" ihrer Bewohner. Als Kind hat mich die Schlussszene von Disneys Dschungelbuch aber aus ganz anderen Gründen fertig gemacht. Moglis Entscheidung für das Menschenmädchen bedeutete schließlich seinen Abschied von den Dschungelfreunden Balu und Baghira – und einen Sieg des häuslichen Kleinbürgertums über die Freiheit.

Nun stehen die exotischen Damen bei Gauguin aber gerade für jene Gelassenheit und Verträumtheit, die Mogli am Ende hinter sich ließ. Wenn seine Bilder singen könnten, dann bestimmt nicht "my own home", eher etwas wie "so many homes, far away". Mogli wird vom Heimweh gepackt, Gauguin litt an Fernweh. Fremde Frauen mit dunklen Augen versprechen offenbar für beides Erlösung, den Unterschied macht einzig, ob man die Klaviatur des Klischees rauf- oder runterspielt. sz

Online-Redaktion
Hier ermittelt die Online-Redaktion von art ungeklärte Fälle der Kunst und ästhetische Unfälle des Alltags