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Picasso im Bauhaus-Museum

Die Freude ist groß, wenn man alte Bekannte auf Fotos wiederentdeckt. Auf Architektur-Renderings passiert das aber normalerweise nicht. Meistens werden die idealisierten Schaubilder mit seelenlosem Stock-Material bestück: Möglichst jung, international, schlank und agil treten die zukünftigen Bewohner von neuen Stadtteilen oder Besucher architektonischer Prestige-Projekte auf. Bewegungsunschärfe, Schattenmenschen oder Rückenansichten sind beliebte Varianten, aber Notlösungen.

Das New Yorker Architekturbüro Young & Ayata geht jetzt einen ganz neuen Weg: In ihrer Visualisierung für einen Ausstellungsraum des neuen Bauhaus-Museums in Dessau (Young & Ayata gewannen mit ihrem Entwurf den geteilten 1. Platz im internationalen Architektur-Wettbewerb) taucht ein dickliches Mädchen in mausgrauer Schuluniform auf. Die Schülerin sitzt auf dem Boden und zeichnet auf einem Skizzenblock. Und das gleich doppelt: einmal im Vordergrund und einmal (gespiegelt) im Hintergrund. Kommt uns irgendwie bekannt vor…

Picasso im Bauhaus-Museum

Ausstellungsraum des Bauhaus-Museums auf einem Entwurf von Young & Ayata. Lebendiger wirken soll der Ort durch Bilder aus einer Videoinstallation von Rineke Dijkstra

Tatsächlich stammt die Vorlage aus der Videoinstallation "Ruth drawing Picasso" (2009) von Rineke Dijkstra. Die niederländische Künstlerin filmte dafür ein junges Mädchen, das hochkonzentriert Pablo Picassos Gemälde "Weinende Frau" abzeichnet.

Die Idee, den Entwurf für ein neues Museum mit Kunst lebendig werden zu lassen, finden wir großartig und hoffen deshalb inständig, die Künstlerin sah das ähnlich und hat ihr Einverständnis für diese eher ungewöhnliche Nutzung gegeben. th

Picasso im Bauhaus-Museum
Online-Redaktion
Hier ermittelt die Online-Redaktion von art ungeklärte Fälle der Kunst und ästhetische Unfälle des Alltags