Lieblink - Artefakt

Kreative Plattform für Online-Publikationen

In unserer Serie "Lieblink" präsentieren wir die besten Klicktipps. Diesmal: das E-Journal für Kunstinteressierte "artefakt". art sprach mit der Herausgeberin und Redaktionsleiterin, Francesca Kaes, über Zukunftsperspektiven, kreatives Schreiben und pinkfarbene Bananen.
Lieblink der Woche:Das E-Journal für Kunstinteressierte "artefakt"

artefakt bietet Informationen und Platz zum Austausch

Frau Kaes, "artefakt" ist letztes Jahr vom Print- zum Onlinejournal übergegangen. Was bieten sie im Vergleich zu anderen Kunst orientierten E-Journals?

Der große Unterschied: Wir sind studentisch organisiert und immer auch auf studentische Interessen ausgerichtet. Andere E-Journals richten sich ausschließlich an die etablierte Wissenschaftscommunity. Unser Einsatz erfolgt aus eigener Motivation, und die Seite ist völlig kostenfrei zugänglich.

Aus welcher Initiative wurde das Projekt damals geboren?

Das Projekt wurde ins Leben gerufen, weil wir Studierenden die Möglichkeit bieten wollten, Praxiserfahrungen zu sammeln. Vor allem aber wollten wir eine Plattform für Studenten der Kunstgeschichte schaffen, wie es sie bisher nicht gegeben hat.

Was bietet "artefakt" für den kunstwissenschaftlichen Laien?

Unsere Rubrik "allerArt" ist für jeden interessant, der ein gewisses Kunstinteresse besitzt. Dort finden sich zum Beispiel Ausstellungsrezensionen und Kommentare zum aktuellen Kunstgeschehen. Trotz allem ist "artefakt" hauptsächlich auf die Interessen der Studenten der Kunstgeschichte ausgerichtet.

"artefakt" pflegt den Austausch mit anderen Fachrichtungen. Mit welchen Disziplinen gibt es Überschneidungen?

Letztes Jahr zum Beispiel wurde im Interview mit einem Anwalt, der auf Medienrecht spezialisiert ist, die Bedeutung juristischer Kenntnisse in unserem Arbeitsbereich deutlich. Gerade, wenn es um Fragen wie der Verwendung von Abbildungen und um die Bildrechte geht. Vor allem im wissenschaftlichen Diskurs legen wir Wert auf interdisziplinäre Ansätze

Bereits Studenten können auf "artefakt" online das Publizieren üben.

Ja, das stimmt. Das eigentliche Schreiben wird an den Universitäten kaum vermittelt. Dies ist unser Ansatzpunkt, um mit den Autoren zusammen zu arbeiten. Wir wollen den Studenten beim Verfassen helfen, beim Strukturieren, beim kreativen Schreiben. So dass sie die Möglichkeit bekommen, diese Fähigkeiten auszubauen oder zu verbessern, denn dies sind Voraussetzungen, die nach dem Studienabschluss allgemein erwartet werden, und auch als Qualifikation, um später publizieren zu können, sind sie unentbehrlich.

Welches war das bisher außergewöhnlichste Thema, das publiziert wurde.

Ein sehr kreativer Beitrag war ein Aufsatz zum Plattencover von der Band The Velvet Underground, das Andy Warhol 1967 mit einer abziehbaren Banane designt hat. Folgte man der Aufforderung "Peel slowly and see" kam das pinkfarbene Fruchtfleisch zum Vorschein und machte den Alltagsgegenstand Tonträger zum Kunstwerk.
Aber auch eine Arbeit über Lederarbeiten der Tuareg, in der das Kunsthandwerk dieses Nomadenstammes erforscht wurde, lieferte mit diesem speziellen und ungewöhnlichen Thema einen interessanten Beitrag abseits der bekannten kunstgeschichtlichen Forschungswege.

Noch stehen die Beiträge zur zeitgenössischen Kunst auf "artefakt" hinter der alten Kunst zurück. Woran liegt das?

Wir versuchen immer aktuelle Ansätze und Strömungen umzusetzen, und ich kann bereits an dieser Stelle verraten, dass wir für die Zukunft mehrere Projekte mit zeitgenössischer Thematik in Planung haben. Letztes Jahr gab es eine große Reihe bei "artefakt", welche die Ausstellung "Übermorgenkünstler" im Heidelberg Kunstverein begleitete. Auf diese Weise konnten wir einen direkten Austausch mit den Kunstakademien herstellen. Die Künstler wurden aktiv an der Besprechung ihrer Werke beteiligt, indem sie diese im Twitterformat mit 140 Zeichen kommentieren konnten. Anschließend wurde alles in einem "artefakt"-Sonderheft festgehalten, das kostenlos zum Download bereit steht.

Es werden auch aktuelle Tendenzen wie der aktuelle Arbeitsmarkt beleuchtet. Eine mittlerweile unerlässliche Maßnahme für einen eher unwirtschaftlich orientierten Studiengang?

Wir machen regelmäßig Interviews mit Kunsthistorikern im Beruf. Damit möchten wir unseren Lesern veranschaulichen, welche Möglichkeiten das Kunstgeschichtsstudium bietet.

Welche neuen Themenbereiche dürfen die Leser in Zukunft bei "artefakt" erwarten?

Einer unserer neuesten Aspekte ist unter anderem die Kunstkritik, die ja zur Zeit häufig Gegenstand von Diskussionen ist. Darüber hinaus sind wir dabei, den Themenaspekt der "Global Art History-Forschung" noch stärker zu beleuchten und, auch die Forschung zur Geschichte der Gartenkunst hat durch die neue Professur in Düsseldorf wieder auf sich aufmerksam gemacht.

www.artefakt-sz.net

Herausgeber von "artefakt" sind Anika Meier, Marco Heßdörfer, Caroline Marié und Francesca Kaes.
http://www.artefakt-sz.net