Lieblink - The Black Snapper

Junge Fotografen aus aller Welt vorstellen

In unserer Serie "Lieblink" stellen wir die besten Klicktipps vor. Diesmal: das Onlinemagazin für Fotograpfie "Black Snapper". art sprach mit dem Fotografen und Urheber Diederik Meijer über Netzwerke, sprachliche Labyrinthe und die Kraft der Bilder.

Herr Meijer, welcher Leitgedanke steckt hinter Black Snapper, was ist Ihr Ziel?

Diederik Meijer: Unser Ziel ist es, eine weltweite Gemeinschaft professioneller Fotografen und ein Fotografie-begeistertes Publikum aufzubauen, um junge und talentierte Fotografen aus aller Welt, besonders aber aus Asien, Afrika und Süd-Amerika, vorzustellen. In den Niederlanden sehen wir fast ausschließlich Fotografien von westlichen Fotografen und wir sind sehr neugierig zu sehen, was andere Teile der Welt zu bieten haben. Außerdem suchen wir nach Wegen, Fotografen bei der Ausführung bestimmter Projekte zu unterstützen.

Glauben Sie Black Snapper kann Fotografen dabei helfen, Fuß zu fassen?

Das hoffe ich. Sollte sich unser Projekt in den internationalen Medien und der internationalen Kunst-Szene als stark genug erweisen, um jungen Künstlern zum Durchbruch zu verhelfen, wäre das klasse! Vorerst ist den Fotografen aber schon geholfen, wenn sie von einem unserer Kuratoren ausgewählt werden. All unsere Gast-Kuratoren repräsentieren angesehene Institutionen für Kunst und Fotografie oder arbeiten bei Zeitungen und Magazinen. Shawon Alis Bilderserie auf Black Snapper hat ihr eine Einladung von einer deutschen Kunstgalerie eingebracht. Das werte ich als großen Erfolg, wir befinden uns ja gerade erst in den Anfängen unseres Projektes.

Das Prinzip eines so genannten Fotoessays ist anhand einer Auswahl von Fotografien eine Botschaft zu vermitteln. Soll Ihr neues Internetportal auch dazu dienen, auf gesellschaftspolitische Themen aufmerksam zu machen?

Ursprünglich sollte die Internetseite meine eigene Arbeit vorstellen. Die Idee ist dann schnell darüber hinaus gewachsen und jetzt habe ich das Gefühl, meine eigene Arbeit gar nicht mehr vorstellen zu können, das wäre unpassend. Deshalb kann ich die Frage nicht in Bezug auf meine eigene Arbeit beantworten. Wir versuchen auf unserer Internetseite durchaus, Raum für soziale und politische Themen zur Verfügung zu stellen. Wir möchten aber auch ein Portal für Kunstfotografie und andere Rubriken bieten und uns nicht auf eine Art von Fotografie beschränken.

Sind Sie der Auffassung, dass Fotos Menschen verändern können?

Das ist eine schwierige Frage. Fotos können Leute an ihre dunklen Seiten erinnern und ihnen zeigen, wozu Menschen fähig sind. Sie können Emotionen verstärken und mitfühlender gegenüber dem Leid anderer machen. Ob damit schon eine grundlegende Veränderung herbeigeführt ist, halte ich allerdings für fraglich. Ein positiver Aspekt soll hier noch erwähnt werden: Menschen in Krisensituationen freuen sich oft ungemein darüber, von Fotografen aufgenommen zu werden. Es gibt ihnen das Gefühl, Beachtung für ihre Lebenslage zu bekommen. Das allein ist schon ein Wert, den man nicht unterschätzen sollte.

Black Snapper wird derzeit vom Kiyosato Museum of Photographic Arts, dem International Photo Festival Bangladesh und sogar dem New York Times Magazine unterstützt. Wie haben Sie es geschafft, diese hochkarätigen Kontakte von ihrem Projekt zu überzeugen?

Zunächst haben wir ein Netzwerk mit den Leuten aufgebaut, die ich durch meine Arbeit schon kenne. So ist unsere Glaubwürdigkeit gestiegen und es haben sich neue Kontakte erschlossen. Eine große Hilfe war auch, dass unsere Idee auf sehr positive Rückmeldungen gestoßen ist und bisher einzigartig ist. In der Fotografieszene sind internationale Vernetzungen sehr selten, Austausch findet überwiegend auf nationaler Ebene statt. Diese Lücke versucht Black Snapper teilweise zu füllen, was uns die Sympathie vieler Kuratoren eingebracht hat. Außerdem haben Gastkuratoren bei der Wahl ihrer Bilder absolut freie Hand und werden ermutigt, uns bisher weniger bekannte Fotografen aus fernen Ländern vorzustellen. Vielleicht ist dieser offene Ansatz ein Grund dafür, dass wir so viel Unterstützung bekommen haben.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung Ihres Projekts?

Das waren definitiv sprachliche Barrieren. Unser Projekt anderen Menschen vorzustellen und sie davon zu überzeugen dauert einige Zeit und bedarf vieler Gespräche. Bei der Kommunikation mit Menschen aus aller Welt, die wie wir Englisch nicht als ihre Muttersprache gelernt haben, kann man sich unzählige Verwirrungen und Missverständnisse leicht vorstellen. Jetzt haben wir Pressetexte auf portugiesisch, auf spanisch, auf deutsch und auf chinesisch, das macht die Sache wesentlich einfacher.

Auf Ihrer Internetseite gibt es keine Werbung. Wie finanzieren Sie das ganze Projekt?

Das ist einer der Bereiche, an denen wir momentan arbeiten. Bisher entspringt die Finanzierung rein aus eigener Tasche. Auch in Zukunft möchten wir auf Werbung verzichten, stattdessen suchen wir nach geeigneten Sponsoren und Spendern. Der Fond für visuelle Künste, Design und Architektur aus Amsterdam hat seine Unterstützung für zukünftige Projekte von Black Snapper zugesagt – das bedeutet uns viel.

Jeden Tag sucht ein Kurator eine neue Bilderserie aus. Wie gelingt es Ihnen, jeden Tag neues und interessantes Material zu finden? Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Bilder ausgehen?

Darüber denke ich offen gesagt selten nach. Es wird sicherlich interessant sein, zu sehen, wie groß der internationale Talentpool tatsächlich ist. Sollten uns eines Tages die Bilder ausgehen, können wir daran nichts ändern. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir unser Projekt noch eine ganze Weile weiterführen können: Viele Kuratoren aus den unterschiedlichsten Ländern versorgen Black Snapper täglich mit neuem Material. Dabei wählen sie Fotografien aus den unterschiedlichsten Bereichen, um Besucher unserer Internetseite zu überraschen.

Wie würden Sie die aktuelle Situation für junge Fotografen beschreiben? Was sind die neuen Herausforderungen unserer Zeit?

Zu diesem Thema halte ich Verallgemeinerungen für schwierig. Sicherlich hat es insbesondere Fotojournalismus heute sehr schwer. Einerseits erfreut sich die Fotografie im Allgemeinen heutzutage einer neuen Beliebtheit, nicht zuletzt dadurch, dass es jetzt viele Starfotografen gibt. Die Budgets sind dagegen nach wie vor sehr niedrig und es ist für Fotografen schwierig geworden, sich auf die traditionellen Medien zu stützen. Wer motiviert ist, sollte versuchen, sich selbst ein kleines Netzwerk von Designern und Publizisten aufzubauen und auf Möglichkeiten warten, die eigene Arbeit zu präsentieren.

Und kann Black Snapper diesen jungen Fotografen helfen?

Eines unserer Ziele für 2010 ist es, eine Art Zuschauerfonds zu gründen. Auf Black Snapper können Fotografen dann von neuen Projektplänen berichten und Besucher haben die Möglichkeit, sie dabei finanziell zu unterstützen. An dieser Idee müssen wir noch arbeiten, eventuell werden wir zusätzlich auf externe Sponsoren zurückgreifen. Das wäre immerhin eine Möglichkeit für Black Snapper, Fotografen unmittelbar bei der Verwirklichung ihrer Pläne zu unterstützen.

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