Lieblink - Saatchi Online

Lieblink: Saatchi Online

Das Layout von Saatchi Online ist grauenhaft – und doch gehört die im Mai 2006 vom britischen Kunstsammler Charles Saatchi gegründete Plattform für Künstler und Kunststudenten zu den meistbesuchten Kunstwebseiten der Welt. Über 80 000 registrierte Nutzer präsentieren und verkaufen hier ihre Werke. art sprach mit der Redakteurin und Projektleiterin Rebecca Wilson über das Erfolgsgeheimnis der Kunstcommunity. Außerdem ist dies der Auftakt für unsere neueste Serie "Lieblink" – ab heute präsentieren wir Ihnen jeden Dienstag einen neuen Klicktipp.
Lieblink der Woche:Saatchi Online – die Kunstcommunity

Bis Ende des Jahres 2007 wurden Kunstwerke im Wert von über 100 Millionen Dollar über die Webseite Saatchi Online verkauft

Frau Wilson, warum wurde Saatchi Online gegründet?

Rebecca Wilson: Wir wollten für Künstler, die nicht unbedingt von einer Galerie vertreten werden, eine Plattform schaffen, die es ihnen ermöglicht, ihre Arbeit einem internationalen Publikum von Künstlern, Sammlern und Galeristen zu zeigen. Es gibt ja sehr viel mehr Künstler als Galerien, die diese vertreten können. Mit Saatchi Online haben wir Tausenden von Künstlern Zugang zu Käufern verschafft. Wir schätzen, dass über unsere Webseite in einem Jahr Kunst für mehr als 100 Millionen Pfund verkauft wurde. Und anders als Galerien, die 50 Prozent einbehalten, verlangen wir keine Kommission.

Und Stuart, die Webseite für Studenten?

Wir haben diese spezielle Sektion für Studenten gegründet, damit sie mit anderen Studenten weltweit Kontakt aufnehmen können. Sie können so an gemeinsamen Projekten arbeiten und sich über ihre Arbeit austauschen. Es ist auch interessant zu sehen, was sich weltweit in der ganz jungen Kunst tut. Für Sammler und Galeristen, die junge Künstler entdecken wollen, ist das der aufregendste Teil des Markts.

Wie erklären Sie sich den phänomenalen Erfolg der Webseiten?

Ich glaube, die Verbindung mit dem Namen Saatchi hat sehr geholfen. Das gibt der Webseite Glaubwürdigkeit, denn der Name Saatchi wird auf der ganzen Welt respektiert. Wir haben nie Werbung für die Seite gemacht, sie ist durch reine Mundpropaganda so gewachsen. Es war auch die erste interaktive Seite mit so vielen verschiedenen Elementen. Heute gibt es mehrere, die sich an uns orientieren.

Hoffen die meisten Künstler nicht, dass Charles Saatchi ihre Werke kaufen wird, wenn sie beitreten?

Das mag schon sein, aber sie wissen auch, dass es noch viele andere Vorteile hat. Im vergangenen Jahr haben wir etwa begonnen, einige unserer Künstler auf Messen wie Zoo in London vorzustellen und ihre Arbeiten zu verkaufen, wieder ohne Kommission. In diesem Jahr werden wir bei Pulse in New York und Scope in Basel vertreten sein.

Kauft Saatchi von seiner eigenen Webseite?

Bisher hat er sich an seine Entscheidung gehalten, nichts zu kaufen. Doch er besucht die Seite täglich und hat eine Reihe von Künstlern, die er bewundert, und die er anderen Sammlern und Händlern empfohlen hat.

Ist das Internet die Zukunft des Kunstmarkts?

Es ist sicher "eine" Zukunft – es hat die Art und Weise, wie Menschen konsumieren, entscheidend verändert, nicht nur was die Kunst angeht. In diesem Bereich hat es Dinge geöffnet. Sammler können sich Werke ansehen, während sie an ihrem Schreibtisch sitzen und Galeristen können Kunst aus Ländern kennen lernen, zu der sie normalerweise keinen Zugang hätten.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: Mai 2006. Gründer: der britsche Kunstsammler Charles Saatchi. Mitglieder: über 80 000 registrierte Künstler und Studenten. Erfolg: Ende des Jahres 2007 wurden Arbeiten im Wert von über 100 Millionen Dollar über die Webseite verkauft. Klicks: rund 50 Millionen am Tag (Quelle: Awstats Januar 2008)

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