Unser e.V. - Kunstverein Hannover

UNSER E.V. – KUNSTVEREIN HANNOVER

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an René Zechlin, Leiter des Kunstvereins Hannover.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Kunstverein Hannover

Installationsansicht: Simon Dybbroe Møller "Kompendium"

Herr Zechlin, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

René Zechlin: Im Rahmen des Kooperationsprojektes "Hannover goes Fashion" zeigte der Kunstverein im Herbst 2008 den Performance-, Mode- und Club Culture-Künstler Leigh Bowery in einer Einzelausstellung. Besucher und Presse reagierten überwiegend zustimmend bis euphorisch, dennoch blieben Stimmen nicht aus, die von Empörung bis zu Ekel reichten. Anlass für diese ablehnende Haltung waren zum einen seine provokativen Auftritte und über die Grenzen des Geschmacks weit hinausgehenden Traktate des eigenen massigen Körpers. So war es für Teile des Publikums eine Streitfrage, ob sich im Falle des im Alter von 34 Jahren verstorbenen Bowery tatsächlich um Kunst oder einen pervertierten Narzissmus handelt.

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Mit 22 000 Besuchern war "Made in Germany 2007" die bestbesuchte Ausstellung in unseren Aufzeichnungen.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Die Institutionsform "Kunstverein" sieht generell keine Sammlung vor. Dies ist auch einer der Gründe, warum er über die 177 Jahre seines Bestehens immer jung und in die Zukunft blickend geblieben ist.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Künstler, die wir gerne einmal ausstellen würden, stellen wir in näherer oder weiterer Zukunft in der Regel auch aus. In diesem Jahr gibt es noch David Thorpe und Friedrich Kunath zu sehen, das Programm für nächstes Jahr veröffentlichen wir im Herbst.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Zuletzt waren wir in Köln und Leverkusen, international ging die letzte Reise nach Irland.

Was war die bislang höchste Spende?

50 000 Euro

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Eine sich weiterentwickelnde, breit gefächerte Kunst- und Kulturszene, die den kunstinteressierten Nachwuchs sicherstellt und Aufgeschlossenheit und Diskursbereitschaft mit sich bringt. Eine Kontinuität an öffentlichen und privaten Förderern, die das Programm des Kunstvereins unterstützen und weitere 200 Jahre erfolgreicher und innovativer Arbeit sicherstellen. Und natürlich wünschen wir uns eine gute überregionale und internationale Berichterstattung!

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Da bei uns die Kunst und ihre Vermittlung im Zentrum steht, wäre die Frage eher, was für eine andere Institutionsform als die des Vereins wir uns vorstellen könnten. Eine AG?

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Als innovativen Vorreiter in der Präsentation und Vermittlung von zeitgenössischer Kunst an der Spitze der deutschen Kunstvereine.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Als Mitglied ist man unterstützend inmitten eines Programms, das bereichernd, anregend, entspannend, innovativ, unterhaltend und verjüngend ist.

Gründungsjahr: 1832. Mitgliederzahl: 1200. Altersdurchschnitt: bei den Besuchern etwa 35, bei den Mitgliedern etwa 45. Jahresbeitrag: zwischen 15 und 52 Euro. Ausstellungsfläche: 650 Quadratmeter. Jahresbudget: Das Budget für Ausstellungen und Veranstaltungen variiert und liegt um die 300 000 Euro. Leitung:René Zechlin. Kommende Ausstellung: Oppositions & Dialogues, 30. Mai bis 9. August, David Thorpe und Eckpunkt: Honey-Suckle Company, 22. August bis 1. November 2009, Friedrich Kunath, 14. November 2009 bis 24. Januar 2010

"Simon Dybbroe Møller - Kompendium Eckpunkt"

João Maria Gusmão und Pedro Paiva – About the Presence of Things. Termin: Bis 17. Mai, Kunstverein Hannover, Sophienstr. 2, Hannover
http://www.kunstverein-hannover.de

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