Unser e.V. - Kunstverein Paderborn

UNSER E.V. – Kunstverein Paderborn

In unserer Serie "Unser e.V." stellen wir Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Alexandra Sucrow, Leiterin des Kunstvereins Paderborn.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Kunstverein Paderborn

Marie Beschorner: "Soldiers. Sights/Sides" (Ausstellungsansicht), 2009

Frau Sucrow, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Unser Publikum streitet selten – vielleicht über die altarähnlichen Kreuzesdarstellungen aus Getränkedosen von Lukman Ibrahim im Jahr 2007. Oder über die so wenig kunstvoll anmutenden, in ihrer Perspektivlosigkeit grausamen Kommentare zu Trennung, Abhängigkeit und Einsamkeit von Birgit Brenner Ende desselben Jahres. Die Diskrepanz zwischen Inhalt und Form, die kritische Hinterfragung von Traditionen ist jedes Mal Anlass für Diskussionen.
Unser derzeitig elfköpfiger Beirat, der die Ausstellungen aussucht, streitet im Vorfeld immer gern und engagiert um Positionen und Konzepte, um künstlerische Qualität und Reife – zuletzt besonders in Bezug auf die Malerei der jungen Künstlerin BEZA, deren Akt- und Atelierszenen schließlich im Jahr 2008 im Kunstverein gezeigt wurden.

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Genaue Zahlen liegen nie vor, da sich die Räume des Kunstvereins im Gebäude der Städtischen Galerie befinden und keine getrennte Besucherzählung erfolgt. Natürlich ziehen aber genau die Ausstellungen, über die gestritten wird, besonders viele Besucher an. Auch unsere Architekturausstellung in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten OWL über ungewöhnliche Wohnkonzepte im Jahr 2008 war sehr gut besucht und lässt uns in diese Richtung weiter denken.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Eine eigene Sammlung wurde in der Frühzeit des Kunstvereins angelegt und in den letzten Jahren nur noch sporadisch ausgebaut. Der Schwerpunkt liegt bei mehrheitlich regionaler Grafik der zeitgenössischen Moderne.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Immer diejenigen, die als solche von der Öffentlichkeit noch nicht wahrgenommen werden. Solche, die die Jetztzeit gestalten, die Geist und Hände nach der Zukunft ausstrecken. Es ist der Reiz, Entdeckungen zu machen, der uns treibt.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule in das Wallraf-Richartz-Museum nach Köln zu der Ausstellung "Künstlerpaare – Liebe, Kunst und Leidenschaft".

Was war die bislang höchste Spende?

Immer wieder und immer noch zur rechten Zeit erhalten wir, wenn es eng wird, Spenden bis in den vierstelligen Bereich. Doch hoch schätze ich auch die vielen kleineren Sachspenden oder zur Verfügung gestellte Arbeitskraft und -zeit, ohne die unser Verein nicht wäre, was er ist.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Mehr Nachwuchs und ein größeres Interesse der Allgemeinheit – auch als Bestätigung der Qualität unserer Arbeit.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Die Kunst ist das, was uns verbindet und unsere Mitglieder würden sich auch ohne Kunstverein für Kunst interessieren oder engagieren. Junge Kunst zu finden, zu er- und verarbeiten, Kultur zu gestalten: Das alles funktioniert nicht allein, sondern ist Teamarbeit. Zwangsläufig also würden wir uns immer zu einem Kreis Gleichgesinnter, zu einer Interessengemeinschaft Kunst, zusammenfinden.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Immer am künstlerischen Puls der Zeit, die Augen und Sinne weit nach vorn gerichtet.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Für die jetzt entstehende Kunst ist unser Kunstverein eine erste Instanz und Möglichkeit, an die Öffentlichkeit zu gehen. Bei uns Mitglied zu sein gibt die Möglichkeit 1. viel junge Kunst zu sehen und ein kritisches Verständnis für Kunst zu entwickeln. 2. Aktiv Kunst mitzugestalten und damit selbst Teil der Avantgarde zu werden und 3. Kultur zu fördern, dabei selbst eine Menge Unterhaltung und interessante Begegnungen zu haben und viele – auch ungewöhnliche – Erfahrungen zu machen.

Gründungsjahr: 1968. Mitgliederzahl: ca. 270. Altersdurchschnitt: 50 Jahre. Jahresbeitrag: Erwachsene bzw. Familien 30 Euro, Jugendliche, Studenten, Künstler 20 Euro, Juristische Personen 66 Euro. Ausstellungsfläche: ca. 270 qm. Jahresbudget: ca. 30 000 Euro. Leitung: Dr. Alexandra Sucrow (1. Vorsitzende), Oliver Roßbach (2. Vorsitzender), Michael Hahn (Schatzmeister).

Marie Beschorner – Soldiers. Sights/Sides

Dr.-Käthe-Sander-Wietfeld-Förderpreis des Kunstvereins in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn. Termin: bis 24. Mai 2009, Städtische Galerie Am Abdinghof, Paderborn.
http://www.kunstverein-paderborn.de/index.htm

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