Unser e.V. - Kunstverein Oldenburg

UNSER E.V. – KUNSTVEREIN OLDENBURG

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Gertrude Wagenfeld-Pleister, Vorsitzende des Kunstvereins Oldenburg.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Kunstverein Oldenburg

Thomas Zipp: "Dirty Tree Black Pills" – Ausstellungsansicht im Oldenburger Kunstverein, 2005

Frau Wagenfeld-Pleister, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Gertrude Wagenfeld-Pleister: Thomas Zipp im Jahre 2005. Bei seiner Ausstellung "Dirty Tree Black Pills" war die Amplitude zwischen begeisterter Zustimmung, Skepsis und Verunsicherung besonders groß. Ausschlaggebend war letztendlich die lebhafte Auseinandersetzung mit Zipps unheimlicher Vision und der Form der Darstellung.

Und welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Der Zuspruch hängt meistens von den Rahmenbedingungen ab. Bei Oldenburgs letzter "Nacht der Museen" kamen zum Beispiel über 2000 Besucher an einem Abend zur Ausstellung "Karotten und Schweinehals" von André Butzer und Freunden. Die eindrucksvolle Stille bei anderen Gelegenheiten bietet dem Besucher oft großartige Erfahrungen.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Unsere Sammlung wurde im Wesentlichen in der Frühzeit unseres Kunstvereins aufgebaut. Schon allein aus Finanzierungsgründen können wir diese Sammlungstätigkeit nicht fortführen. Teilweise leihen wir die Bilder in einer Artothek zum Verleih an die Mitglieder aus.

Welche Künstler wollen Sie gern einmal ausstellen?

Die unseres nächsten Programms: Andreas Hofer, Bernd Ribbeck und Claudia Wieser, Barbara Probst und die Architekturklasse von Ben van Berkel der Städelschule, Frankfurt.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Sie war zur Documenta 12 geplant, ist aber leider nicht zustande gekommen.

Was war die bislang höchste Spende?

Wir konnten im letzten Jahr unser Gebäude mit dem Büro Kühn/Malvezzi, Berlin, sanieren und umbauen. Voraussetzung war eine Spendenaktion der Oldenburger Wirtschaft für den Ankauf eines Bildes unserer Sammlung für das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. Dabei sind allein an Spendengeldern über 100 000 Euro zusammengekommen. Hinzu kamen große und kleine Sachspenden auch der am Umbau beteiligten Handwerker, über die wir uns besonders gefreut haben.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Eine größere Planungssicherheit. Die Finanzierung von Ausstellung zu Ausstellung ist sehr belastend.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Wir haben ein sehr erfolgreiches Musikprogramm. Allerdings glaube ich kaum, dass es unseren Verein ohne Kunst gäbe.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Fest verwurzelt in unserer Stadt und Region und weiterhin als wichtiges Forum für zeitgenössische Kunst überregional bei Künstlern, Galeristen und Medien anerkannt.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

1. Wir sind unabhängig und können deshalb mehr wagen als die meisten offiziellen Institutionen des Kunstbetriebs. 2. Die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst schärft die Sinne. 3. Mit wenig Aufwand sind unsere Mitglieder beim aktuellen Kunstgeschehen unmittelbar dabei

Gründungsjahr: 1843. Leitung: Vorsitzende Gertrude Wagenfeld-Pleister. Geschäftsführerin: Corinna Otto. Mitgliederzahl: zirka 850. Altersdurchschnitt: wird nicht erhoben. Jahresbeitrag: Einzelperson 35 Euro, Familie 45 Euro. Ausstellungsfläche: 350 Quadratmeter, Hängefläche 120 Quadratmeter. Jahresbudget: schwankend, immer zu knapp. Aktuelle Ausstellung: Andres Hofer: "White Space Black". Kommende Ausstellung: Bernd Ribbeck und Claudia Wieser.

"Andreas Hofer: White Space Black"

Termin: bis 22. März, Damm 2a, Oldenburg
http://www.kunstverein-oldenburg.de

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