Unser e.V. - Schleswig-Holsteinischer Kunstverein

UNSER E.V. – SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER KUNSTVEREIN

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Maren Welsch, Geschäftsführerin des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an Schleswig-Holsteinischen Kunstverein

Installationsansicht Tomoko Takahashi "Made in Kiel" bei der Ausstellung "No Money", 2004

Frau Welsch, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Maren Welsch: Die Ausstellung "No Money", eine Kooperation mit der Kunsthalle zu Kiel im Jahr 2004, provozierte nicht nur mit ihrem Titel, sondern auch durch ihre Exponate. Raumgreifende Installationen von Michael Beutler, Monica Bonvicini, Gelitin, Florian Slotawa und Tomoko Takahashi hinterfragten die bürgerlich-kapitalistische Lebensweise und verwiesen auf einen neuen Begriff der Skulptur. Da viele Besucher aufgrund des Titels mit einer sehr reduzierten Ausstellung gerechnet hatten, fühlten sie sich durch die überbordende Fülle an Exponaten und "nutzloser" Dinge zunächst überfordert. Darüber ergaben sich viele spannende Diskussionen, die in bester Kunstvereinstradition Kunst und Lebenswelt miteinander verknüpften.

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Ernst Barlach "Mehr als Ich", eine Ausstellung, die diesen Künstler auch in zeitgenössischem Kontext zeigte, und Luis Camnitzer, Werke von 1966 bis 2003.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Der Schleswig-Holsteinische Kunstverein besitzt tatsächlich eine eigene Sammlung, hauptsächlich Gemälde des 19. Jahrhunderts mit Meisterwerken von Anselm Feuerbach, Friedrich Kersting und Max Liebermann. Etliches, unter anderem von Emil Nolde, wurde im Dritten Reich als entartet beschlagnahmt und gilt als verschollen. Da die Fördermittel von Stadt und Land seit jeher nur spärlich flossen, hatte sich der Kunstverein zur Sicherung seiner Existenz bereits im 19. Jahrhundert "als Annex" der Kieler Universität angeschlossen und mit seinen Gemälden, Plastiken und dem größten Teil der heutigen Graphischen Sammlung – Schenkungen aus dem Nachlass früher Kunstvereinsmitglieder – den Grundstock der Kunsthalle zu Kiel gebildet. Der Ankauf zeitgenössischer Kunst kann leider schon seit langem nicht mehr vom Kunstverein geleistet werden.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Einen zu benennen, hieße viele andere auszuschließen.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Im Frühjahr 2008 waren wir in Syrien, eine Rundreise, die nicht nur die klassische sondern auch die zeitgenössische syrische Kunst im Blick hatte, und Anfang April geht es mit ähnlichem Konzept in den Iran. Zudem haben wir im Herbst 2008 außergewöhnliche Sammlungen in Niedersachsen besucht.

Was war die bislang höchste Spende?

21 000 Euro

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Viele interessierte und engagierte Mitglieder und mehr finanzielle Unterstützung, um wieder eigene Projekte durchführen zu können.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Da die Kunst im Zentrum steht, sicherlich kein anderer Verein, wohl eher, was wir auch so schon sind: eine Förderinstitution, eine Gruppe von Kunstenthusiasten.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Wir werden weiterhin die Kunsthalle zu Kiel bei einzelnen Projekten unterstützen, darüber hinaus aber auch das eigene Profil schärfen und noch mehr Aktivitäten für Mitglieder anbieten, die aktuelle Kunst und gesellschaftliches Leben verbinden.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Die Kunst zu unterstützen, den Austausch über Kunst zu fördern und Anregungen für das eigene Denken mitzunehmen.

Gründungsjahr: 1843. Mitgliederzahl: 1250. Altersdurchschnitt: 50 Jahre. Jahresbeitrag: 52 Euro, ermäßigt 13 Euro. Ausstellungsfläche: variiert je nach Ausstellung zwischen 420 bis 700 Quadratmetern. Jahresbudget: 35 000 Euro. Leitung: Dirk Luckow.
Kommende Ausstellung: "Tal R You laugh an ugly laugh", in Kooperation mit der Kunsthalle zu Kiel.

"See History 2008. Kreative Vision"

Termin: bis Juli 2009, Kunsthalle zu Kiel
http://www.kunsthalle-kiel.de/

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