Unser e.V. - Satellit Kunstverein Münster

UNSER E.V. – Satellit Kunstverein Münster

In unserer Serie "Unser e.V." stellen wir Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Ruppe Koselleck, Leiter des Satellit-Kunstvereins Münster, ein Verein, der mit jugendlichen Künstlern arbeitet.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Satellit-Kunstverein Münster

Auf dem Aasee in Münster präsentiert der Satellit Kunstverein zusammen mit einer Schülergruppe sein drittes Projekt "Schwimmende Inseln". Außer einem Mini-Louvre und einem Atom-U-Boot schwimmt auch eine Käse-Immobilie auf dem Stadtgewässer

Herr Koselleck, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Über die Ausstellung "Dein Maß der Dinge". Sie fand im März 2009 für nur zwei Stunden im öffentlichen Raum statt. Anlass der Auseinandersetzung war die fehlende Genehmigung für die Aktion im öffentlichen Raum. Wem gehört der Raum und warum darf nicht jeder für zwei Stunden eine Skulptur der Öffentlichkeit präsentieren?

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Der "Mona Lisa Komplex". Schüler ließen nach der Vorlage eines Mona-Lisa-Taschentuchs Passanten auf Leinwand eine lächelnde Dame malen. Es galt, eine Ikone der Kunstgeschichte nach einer Vorlage spontan zu skizzieren. Demnächst versteigern sie die Bilder auf Ebay meistbietend. Der "Mona Lisa Komplex" beziehungsweise die Bilder sollen zu barer Münze werden. Die Ausstellung fand gleich zweimal statt. Einmal an den Bushaltestellen und anschließend als schwimmender Miniaturlouvre auf dem Aasee in Münster.

Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Projektarbeiten und Schwellenkunst. Sehr junge Kunst, die sich noch unsicher und fast unorientiert aber dennoch vehement und unvoreingenommen äußert – Pubertätskunst und mehr.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Unbekannte und unbestimmte Künstler, die Material entdecken und Methoden, damit umzugehen.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Der Satellit Kunstverein hat in erster Linie Atelierbesuche als Reiseziel. Die Ateliergemeinschaft Schulstraße 22 war das letzte Ziel – und dort die Künstlerateliers von mir und Susanne von Bülow. Im Satellit Kunstverein werden die Produktionsbedingungen von Kunst vermittelt. Alle Reisen führen weit weg und sind immer ganz nah dran: dort wo Kunstversuche im Atelier stolpern, holpern und fünf Minuten vor dem White Cube in ihrer "natürlichen" Umgebung zu finden sind.

Was war die bislang höchste Spende?

Restmaterialien und Naturalienspenden des Westfälischen Kunstvereins, für den der Satellit-Kunstverein arbeitet. Ziel seiner Arbeit ist die künstlerische Kunstvermittlung. Von der Produktion von Kunstwerken bis zur Ausstellung führt der Satellit Kunstverein in die Arbeitsweise eines Kunstvereines ein. Das begründet auch die größte Unterstützung seitens des ADKVs, der das Projekt im Rahmen des experimentellen Vermittlungsprojektes "Collaboration" finanziert. Diese Förderung ermöglicht die Existenz des Satelliten.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Unermesslichen Reichtum zur Fortführung seiner künstlerischen Kunstvermittlungsstrategie. Der Satellit-Kunstverein kreist bislang als ein produktiver Streuner überall herum und stellt überwiegend im öffentlichen Raum aus. Von Vorteil wäre ein stillgelegtes Frachtschiff im Stadthafen mit Containern.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Ich bin kein Verein, ich bin der Vermittlungs-Satellit des Westfälischen Kunstvereins in Münster. Idealerweise wäre der Satellit jedoch ein Verein zur Förderung niedrigschwelliger und sockelfreier Kunst- und Wirklichkeitsbetrachtung. Oder aber kein Verein, sondern eine günstige Baustoffhandlung in Manhatten mit angeschlossenem Cafébetrieb. Letzteres wäre auch in Wuppertal gut.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

In Tokio und Berlin, Reklinghausen und Schloss Burg oder Wermelskirchen.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Streitlustige Begegnungen in freundlicher Atmosphäre. Freies Denken, das die Richtungen wechseln kann, und die Erfahrung, dass Kunst nicht immer weh tun muss.

Gründungsjahr: 2009. Mitgliederzahl: Kursbedingt variabel, keine festen Mitglieder. Altersdurchschnitt: 17 Jahre. Jahresbeitrag: Materialkostenzuschuss, Mitarbeit. Ausstellungsfläche: Öffentlicher und privater Raum, variabel Jahresbudget: 27 000 Euro. Leitung: Ruppe Koselleck (Satellit Kunstverein) in Kooperation mit dem Westfälischen Kunstverein.

"Wandertag oder Dinge, die rollen"

Termin: 29. Juni. Ort, Zeit und Ziel noch unbekannt.
http://satellit-kunstverein.blogspot.com/

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