Unser e.V. - Kunstverein Marburg

Unser e.V. – Kunstverein Marburg

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Gerhard Pätzold, den Leiter des Marburger Kunstvereins.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Kunstverein Marburg

Matthäus Thoma stellte jüngst im Marburger Kunstverein seine Zeichnungen, Objekte und Großskulpturen aus Latten, Brettern und Balken aus: Holzskulptur "Wreak Havoc" 2007, Projektgalerie Hofmann Von Sell, Berlin

Herr Pätzold, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten?

Gerhard Pätzold: Nicht über eine Ausstellung wurde am meisten gestritten, sondern über das Objekt einer Ausstellung und zwar über "Small Brother", einen Beton-Bunker aus Albanien, den uns der Künstler Hüseyin Alptekin für unsere Ausstellung "Innere Sicherheit – Bunker-Ästhetik" Ende 2006 zur Verfügung gestellt hatte. Dieser stand vor unserem Ausstellungshaus direkt neben der von der Stadt alljährlich aufgestellten, etwa 10 Meter hohen mit Lichtern bestückten Fichte.

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Strecken Teaser

Eine aufgeregte ältere Besucherin stürzte in den Kunstverein und war hoch empört: "Wie können Sie es zulassen, einen mit so schrecklichen Erinnerungen belasteten Bunker unter einen so schönen Weihnachtsbaum zu stellen?" Und während einer Demonstration von Studierenden gegen die Einführung von Studiengebühren in Hessen fragte ein Demonstrant, ob es die Polizei inzwischen für nötig hielte, sich bei Demonstrationen hinter Bunkern in Sicherheit zu bringen. Es war eine der bestbesuchten Ausstellungen, für die wir gemeinsam mit dem Kurator der Ausstellung, Dr. Harald Kimpel, einen Katalog im Jonas Verlag, Marburg herausgegeben haben.

Welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Eine ebenfalls sehr gut besuchte und erfolgreiche Ausstellung war "Mit den Händen sehen". 13 Künstlerinnen und Künstler aus Österreich, der Schweiz und Deutschland hatten Arbeiten zur Verfügung gestellt, die von den Besuchern angefasst werden durften. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg erarbeitet. In der Auswahlkommission haben unter anderem Professor Ammann aus Frankfurt, Professor Matzner aus München und Dorothee Baer-Bogenschütz aus Wiesbaden mitgearbeitet.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Der Marburger Kunstverein verfügt über eine Artothek, die ständig durch Zukäufe und Spenden erweitert wird. Aus dieser werden gerahmte Bilder an Interessenten für drei Monate ausgeliehen. Die Artothek umfasst inzwischen über 700 Arbeiten: Grafik, Malerei, Fotografie und Skulptur. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt in der Dokumentation der Ausstellungen des Kunstvereins.

Welchen Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Ohne unseren künstlerischen Beirat gefragt zu haben: den Berliner Künstler Eberhard Havekost.

Wohin führten Sie die letzten Reisen?

Unsere Mehrtagesfahrten gingen nach Venedig, St. Peterburg und Wien. Bei regelmäßigen Tagesfahrten werden die wichtigen nahe gelegenen Ausstellungen in Deutschland besucht.

Was war die bisher höchste Spende?

Die bisher höchste Spende lag bei 5000 Euro. Die Regel erfolgen Spenden in Höhe von 1500 oder 2000 Euro.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Eine gleich bleibende Akzeptanz durch die örtliche Politik. Marburg ist eine Universitätsstadt mit knapp 20 000 Studierenden und kein Industriestandort. Wir sind deshalb auf die öffentliche Förderung der Stadt und des Landes angewiesen.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Wir denken, die einfachste Antwort ist: Es gäbe uns nicht.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten Jahren?

Wir sehen uns weiter im Mittelfeld der deutschen Kunstvereine und als Anreger für die Marburger Kunst- und Kulturszene – bei gleichbleibend freiem Eintritt für alle Besucherinnen und Besucher.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

1) Die Förderung der gegenwärtigen Kunst und damit eines kulturellen Bildungsangebotes in der Universitätsstadt Marburg. 2) Freier Eintritt in allen Kunstvereinen in Deutschland. 3) Bevorzugte Teilnahme an den Reiseangeboten des Kunstvereins.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 1953. Leitung: Gerhard Pätzold. Mitgliederzahl: 600. Altersdurchschnitt: zirka 50 Jahre. Jahresbeitrag: 30 Euro, Studierende: 20 Euro. Ausstellungsfläche: knapp 400 Quadratmeter. Jahresbudget: 90 000 Euro. Nächste Ausstellung: Gruppenausstellung: "Skinscapes. Die Kunst der Körperoberfläche.", 19. Dezember – 05. Februar 2009.

Konrad Hummel: "Rondo martiale"

Termin: bis 11. Dezember. Ab 19. Dezember bis 5. Februar 2009: Gruppenausstellung "Skinscapes. Die Kunst der Körperoberfläche.", Gerhard-Jahn-Platz 5, Marburg
http://www.marburger-kunstverein.de