Unser e.V. - Neue Kunst in Hamburg

Unser e.V. – Neue Kunst in Hamburg

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Peter Labin, Vorstand des Vereins Neue Kunst in Hamburg.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Verein Neue Kunst in Hamburg

Michael Conrads war mit dem Reisestipendium des Vereins in Mexiko City und Rio de Janeiro – seine dort produzierten Arbeiten werden jetzt in der Hamburger Artfinder Galerie präsentiert

Herr Labin, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Peter Labin: Die umstrittenste Ausstellung fand 1993 statt: Hier entsprachen Künstlerauswahl und Ausstellung nicht dem Stiftungszweck und Fördergedanken des Vereins. Die Kuratoren Kaspar König und Hans-Ulrich Obrist hatten den Hamburg-Gedanken zu wenig einbezogen, was bei vielen Mitgliedern auf Unmut stieß.

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Und welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Die jeweils letzte Ausstellung, sprich die Einzelausstellungen der diesjährigen Stipendiaten, die Anfang November 2008 in den Galerien auf der Fleetinsel parallel eröffnet wurden.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Der Förderverein verfügt über keine eigene Sammlung.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Zum einen diejenigen der Stipendiaten, die sich in zwanzig Jahren durchgesetzt haben. Zum anderen eine Retrospektive der Künstler, die seit dem Stipendium eine beachtliche Karriere hingelegt haben: von Andreas
Slominski über Carsten Höller bis hin zu Annette Kelm und Ulla von Brandenburg.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Der Verein hat bisher keine Reise gemacht, vielmehr schickt er die Stipendiaten für fünf Monate in die weite Welt. Im vergangenen Jahr waren sie in Australien, Israel, Mexiko, Rumänien und in den USA.

Was war die bislang höchste Spende?

20 000 Euro.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Mehr Mitglieder und größere Sponsoren. Außerdem ist es wichtig, dass sich der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder verjüngt und wir mehr Nachwuchs für den Verein gewinnen.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Wir sind eigentlich kein typischer Kunstverein, sondern ein auf Eigeninitiative gegründeter Verein, der junge Hamburger Künstler fördert – und das seit 20 Jahren.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Wir möchten unsere Mitgliederzahl auf 200 verdoppeln, drei große Sponsoren à mindestens 15 000 Euro pro Jahr gewinnen. Ziel ist es auch, dass wir mit dieser Finanzkraft jährlich – statt wie bisher alle zwei Jahre – Stipendien
vergeben können.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Wir fördern junge Hamburger Künstler und ermöglichten ihnen, fünf Monate im Ausland zu leben und zu arbeiten. Im Anschluss werden sie in einer Ausstellung präsentiert, und es wird eine Publikation erstellt. Kurzum: Wir bieten den Künstlern ein gutes Sprungbrett für ihre weitere Karriere. Zudem lernen Mitglieder die Künstler gut kennen und treffen auf den zahlreichen Mitglieder-Veranstaltungen Gleichgesinnte sowie ein Kunst- und Hamburg-begeistertes Publikum.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 1986. Leitung: Peter Labin, Judith Fell-Zeller, Dr. Hans Jochen Waitz, Christoph Graf Hardenberg, Dr. Sebastian Kühl, Karl Dietrich Seikel und Katharina Bittel. Mitgliederzahl: rund 100. Altersdurchschnitt: ca. 50 Jahre. Jahresbeitrag: 350 Euro. Ausstellungsfläche: Keine eigene, ausgestellt wird in mehreren Hamburger Galerien. Jahresbudget: ca. 35 000 Euro. Nächste Ausstellung: Stipendiatenausstellung, voraussichtlich im Herbst 2010.

"Neue Kunst in Hamburg"

Termin: bis 22. November, Admiralitätsstraße 71, Hamburg. In sechs parallelen Einzelausstellungen in der Jürgen-Becker-Galerie, Galerie Karin Günther, Galerie für Landschaftskunst, Galerie Dörrie Priess, Artfinder-Galerie, Produzentengalerie, Galerie Katharina Bittel und der Galerie Sfeir-Semler werden die Arbeiten der diesjährigen Stipendiaten präsentiert: Thomas Baldischwyler, Michael Conrads, Gernot Faber, mit Lutz Krüger und Sebastian Reuss, Katrin Mayer, Matthias Meyer, Anna Möller mit Mauricio Guillén. Kurator der diesjährigen Ausstellung ist Stefan Kalmár, Direktor des Münchner Kunstvereins.
http://www.neuekunstinhamburg.de/