Unser e.V. - Kunstverein Frankfurt (Oder)

Unser e.V. – Kunstverein Frankfurt (Oder)

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Jürgen Barber, den Vorsitzenden des Kunstvereins Frankfurt (Oder).
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Kunstverein Frankfurt (Oder)

Werkstatt von Dorothea Neumann in der Galerie B, Februar 2008

Herr Barber, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Jürgen Barber: Die Ausstellung von Egon Schrick mit der Finissage nach seinem Arbeitsaufenthalt im September 2007 sorgte für viel Gesprächsstoff im traditionellen Künstlergespräch, vor allem seine provozierende Performance. Ein plötzlich nackter alter Künstler, der seine mühsam in drei Wochen mit schwarzer Ölkreide entstandenen Wandbilder mit den Fingernägeln selbst demolierte, das irritierte ebenso wie es auch als Bild des Menschen in einer extrem angespannten oder gar bedrohlichen Weltsituation faszinierte. Die apokalyptische Vision widersprach zu offensichtlich dem vom Künstler gewählten Thema seiner Kartierungen von Frankfurt (Oder) als einem Bindeglied von Ost und West. Unsere beiden Ausstellungsräume erforderten danach tagelange Reinigung von den schmierigen Kreidespänen.

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Und welches war ihre bestbesuchte Ausstellung?

Der Frankfurter Kunstverein realisiert jährlich zwei Ausstellungsreihen. Beim "Regenerativverfahren Galerie B" können unsere Besucher jährlich sieben bis neun Künstler aus dem In- und Ausland über drei Wochen direkt vor Ort bei ihrer Arbeit antreffen. Die Ausstellungsreihe "Frankfurter Gesichter" dagegen stellt drei Künstler aus der Region vor. Die Ausstellung im September dieses Jahres "Transfer" zum 70. Geburtstag von Erika Stürmer-Alex und Manfred Neumann hat aufgrund der regionalen Bekanntheit besonderen Zuspruch gefunden.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Anton von Werner, der in Frankfurt geboren wurde.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

In die Kulturhauptstädte Luxemburg und Trier.

Was war die bislang höchste Spende?

120 Euro vom Plakatgestalter Gerhard Trost.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Eine stabile Basis jugendlicher Mitglieder, vor allem von Studenten der Europa-Universität "Viadrina" in Frankfurt. Auch Professoren sind spärlich.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Ein Verein freundlicher Frankfurter unheimlich östlich. Oder ein Verein zur Rettung des ehemaligen Hospitals St. Spiritus als Haus der Künste mit der davor stehenden Bronzeplastik der Frankfurter Muse.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Hoffentlich in den gleichen Räumen wie jetzt im ehemaligen Hospital St. Spiritus mit der gleichen städtischen Unterstützung, vielleicht sogar mit der Möglichkeit einer Festeinstellung.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

1. Freundlicher Umgang in einer kulturell geprägten, gänzlich unelitären Gemeinschaft. 2. Persönliche Kontakte zu Künstlern bei Klubabenden, Betreuung bei Arbeitsaufenthalten, Ausstellungsgesprächen, Atelierbesuchen. 3. Die schöne Möglichkeit, zeitgenössische Kunst auch finanziell zu unterstützen.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 1991. Leitung: Jürgen Barber. Mitgliederzahl: 76. Altersdurchschnitt: ca. 64 Jahre. Jahresbeitrag: 36 Euro (ermäßigt 18 Euro). Ausstellungsfläche: 48 Quadratmeter. Jahresbudget: 8500 Euro. Nächste Ausstellung: Michael Bluemel: "dummy's & bildstörungen", Text Art Live Act bis 7. November 2008

"Michael Bluemel"

Termin: bis 7. November 2008, Di-Fr 14-18 Uhr. Ort: Galerie B, Haus der Künste, Lindenstraße 4 21, Frankfurt (Oder). Bluemel verbindet in seinem Werk untrennbar Sprache und Bilder, Literatur und bildende Kunst.
http://www.ffkv.info/ausstellung2.html

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