Unser e.V. - Bonner Kunstverein

Unser e.V. – Bonner Kunstverein

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: Zehn Fragen an Christina Végh, die Direktorin des Bonner Kunstvereins.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Bonner Kunstverein

John Baldessari und Beyer: "Beethoven's Trumpet (with Ear)", 2007, Ausstellungsansicht

Frau Végh, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Christina Végh: Nachdem die Sanierung des Kunstvereins wegen Uneinigkeit in der Politik verschoben werden musste, haben wir kaputte Kunstwerke in kaputten Räumen ausgestellt. Die Ausstellung "Totalschaden", gemeinsam mit Gregor Schneider initiiert, hat die Gemüter der Stadtkommune auf jeden Fall erregt.

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Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Zahlen sind wenig aussagekräftig, wenn es um qualitätvolle Entdeckung von aktuell relevanten künstlerischen Positionen geht. Es gibt Besucher, die Reisen von Übersee an, um eine Ausstellung zu sehen! Zahlen: Die Ausstellung mit John Baldessari mit 1000 Besuchern war gut besucht.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Ein Merkmal des Kunstvereins ist, dass er keine Sammlung hat. So kann er unabhängig von Sammlungsbeständen viel freier auf aktuelle Tendenzen in der Kunst reagieren. Der Bonner Kunstverein verfügt allerdings über eine Artothek: Da können Sie für 8 Euro Werke von Beuys, Polke, Richter aber auch Bernd Ribbeck oder Christof Zwiener leihen.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Ich kann heute nicht sagen, wohin mich meine Wünsche morgen führen. Freue mich auf die kommenden: San Keller, Tue Greenfort, Klaus Weber, Christopher Williams, Matthias Poledna, Anna Lea Hucht – um nur einige zu nennen.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Nach Wien und Graz.

Was war die bislang höchste Spende?

Künstler, die sich dem Bonner Kunstverein verpflichtet fühlen, haben uns Werke im Wert von weit über 100 000 Euro gespendet, um die Sanierung des Hauses zu initiieren.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Eine bessere finanzielle Absicherung, ein bisschen mehr Lokalpatriotismus seitens der Bürger der Stadt, Politiker, Unternehmer wie Privatpersonen gleichermaßen eingeschlossen.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Weiterhin hoch geachtet in der internationalen jungen Kunstszene.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

1. Durch den Kunstverein immer wieder neue künstlerische Positionen kennen lernen und dabei großen Spaß haben 2. Nachwuchs und Kunst fördern und durch Mitgliedschaft auch ein Zeichen für die gesellschaftliche Relevanz von Kunst setzen 3. Die üblichen Gründe: freier Eintritt in andere Kunstvereine, große Kunstwerke (Jahresgaben) zu kleinen Preisen kaufen zu können, Vergünstigungen bei Publikationen, Teilnahme an Reisen/Exkursionen und viel Spaß mit Kunst und Kunstverein.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 1963. Leitung: Christina Végh. Mitgliederzahl: 850. Altersdurchschnitt: schwer zu ermitteln, da die Angabe freiwillig ist. Jahresbeitrag: 55 Euro (ermäßigt 20 Euro). Ausstellungsfläche: 800 Quadratmeter. Jahresbudget: zirka 300 000 Euro. Nächste Ausstellung: Tue Greenfort, San Keller, Klaus Weber: "Eine bessere Welt", 15. November 2008 bis 18. Januar 2009.

Ryan Gander: "Something Vague"

Termin: bis 2. November, Bonner Kunstverein und Artothek, am August-Macke-Platz, Hochstadenring 22, Bonn. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Donnerstag von 11 bis 19 Uhr.
http://bonner-kunstverein.de/

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