Unser e.V. - Kunstverein Harburger Bahnhof

UNSER E.V. – KUNSTVEREIN HARBURGER BAHNHOF

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Tim Voss, Leiter des Kunstvereins Harburger Bahnhof.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Kunstverein Harburger Bahnhof

Ausstellungsansicht: "Reihe:Ordnung sagt Macht" mit Geelke Gaycken und Sonja Vordermaier, 2008

Herr Voss, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Tim Voss: "Reihe:Ordnung sagt Geld" mit der Hamburger Künstlergruppe Jochen Schmith. Die Eröffnung war einen Tag vor dem Harburger Kulturtag. Da kommen viele Menschen das erste Mal in Kontakt mit zeitgenössischer Kunst. Jochen Schmith schuf eine sehr tiefgründige und abstrakte, aber konzeptionell ungeheuer dichte Inszenierung unterschiedlicher Assoziationen über die Wertzuschreibung und Exklusivität von Dingen und Orten. Wir haben uns alle erdenkliche Mühe gegeben, unsere eigene Begeisterung für diese Ausstellung rüberzubringen. Leider blieben die Gesichter unserer Gegenüber manchmal trotzdem sehr ratlos, und am besagten Kulturtag kam es zu offenen Beschimpfungen.

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Lustigerweise genau die obige mit erstmalig über 1000 Besuchern.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Wir haben keine Sammlung, aber für Sammler haben wir ganz heiße unkonventionelle Editionen noch unbekannter sowie namhafter Künstler.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Walid Raad zusammen mit Eran Schaerf.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Zusammen mit zirka zwölf deutschen Kunstvereinen nach Paris zu einer von den französischen Centre d'Artes angeregten Kooperation. Ein herrliches Wochenende unter Gleichgesinnten, leider mit sehr offenem Ausgang.

Was war die bislang höchste Spende?

Wenn man von den einzelnen Projektförderungen durch Stiftungen absieht waren das 4000 Euro von einer Sparkasse. Private Spender geben hier hingegen maximal 500 Euro im Jahr, was ja auch nicht wenig ist.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Statt temporärer Überlebenshilfe endlich ein solides Bekenntnis der Stadt Hamburg ihrem "zweiten" Kunstverein gegenüber und uns damit zwei halbwegs vernünftig bezahlte Stellen.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

In Harburg gäbe es dann wahrscheinlich einen zweiten Schützenverein!

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Hoffentlich dann solide ausgestattet wird der Kunstverein Harburger Bahnhof den großen Kunstvereinen in nichts nachstehen, sondern im Gegenteil in ihrem wohligen Schatten so manchen überraschenden Haken schlagen.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

1. Unser liebevolles Mitgliederprogramm und unsere offenen Ohren für jedes Mitglied. 2. Der sagenhafte Raum mitten im Bahnhof Harburg. 3. Natürlich unser Programm.

Gründungsjahr: 1999. Mitgliederzahl:160. Altersdurchschnitt: 64. Jahresbeitrag: 50. Ausstellungsfläche: 320. Jahresbudget: 20 i000 Euro für laufende Kosten. Leitung: Britta Peters und Tim Voss. Kommende Ausstellung: eine Kooperation der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und mit der Akademie der Bildenden Künste in München (3.4. bis 19.4.) und dann ab dem 15. Mai eine Kooperation mit Halle für Kunst Lüneburg, Künstlerhaus Bremen und Gesellschaft für aktuelle Kunst in Bremen unter dem Titel "space_revised". Wir zeigen den Berliner Künstler Kai Schiemenz.

"Reihe:Ordnung sagt Freiheit"

Mit der "Discoteca Flaming Star"; bis 20. März, Hannoversche Strasse 85, Hamburg
http://www.kvhbf.de/

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