Unser e.V. - Kunstverein Lüneburg

UNSER E.V. – KUNSTVEREIN LÜNEBURG

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: zehn Fragen an Roland Struensee, Vorsitzender des Lüneburger Kunstvereins.
Deutschlands Kunstvereine:Zehn Fragen an den Kunstverein Lüneburg

Der Kunstverein Lüneburg befindet sich in der 2. Etage des Heinrich-Heine-Hauses, direkt am Marktplatz

Herr Struensee, über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Roland Struensee: Über Ausstellungen wurde nicht nennenswert gestritten. Vor meiner Amtszeit gab es 1987 eine Stahlskulpturenausstellung der Berliner Bildhauer Haase, Pahle und Seibert in der Lüneburger Fußgängerzone, die stark diskutiert wurde. Es gab wohl auch Leserbriefe, die den Sinn anzweifelten. Im selben Jahr wurde auch Helga Moehrkes Performance im Scharnebecker Schiffshebewerk kontrovers diskutiert.

Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Dies dürfte wohl die Ausstellung des recht populären Cartoonmalers Wolf-Rüdiger Marunde ("Witze in Öl") gewesen sein. Diese Ausstellung wollten damals mehr als 1000 Leute sehen; verglichen mit sonstigen Ausstellungen also rund 100 Prozent mehr.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt?

Leider haben wir keine eigene Sammlung – denkbar wäre für eine unbestimmte Zukunft – ein Schwerpunkt zum Beispiel auf aktueller norddeutscher Landschaftsmalerei, wie Glüsing, Fussmann und Tarara.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Sehr gerne würden wir bald wieder etwas mit Fotografie machen. Wir sind derzeit im Gespräch mit Jens Rufenach. Persönlich möchte ich gerne Objekte von Menno Fahl aus Berlin zeigen. Außerdem wollen wir sehr gern auch den Austausch mit Lüneburgs Partnergemeinden, zum Beispiel Viborg/Dänemark, intensivieren.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Im März 2008 waren wir in Salzwedel zur Ausstellungseröffnung "Ansichten Salzwedel – Lüneburg" bei E.ON-Avacon anlässlich der Hansetage. Wir waren dort Mitveranstalter.

Was war die bislang höchste Spende?

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Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Besonders wünschenswert wäre ein erheblicher Zuwachs an Mitgliedern und Engagement für die Kunst, insbesondere auch hinsichtlich des Nachwuchses. Auch bei uns ist die Altersstruktur bedenklich. In der Tat schmilzt der Handlungsspielraum des Vereins, obwohl die kleine Zahl der Mitglieder derzeit bemerkenswert stabil und das Kunstinteresse in Lüneburg und Umland erstaunlich lebhaft ist, so dass die Legitimation des Vereins nicht infrage steht.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Wir wären dann vielleicht ein Teil eines Museumsvereins mit einer regional definierten Orientierung. Der Fokus läge dann auf Sakralkunst, Baukunst und Kunstmalerei, die nicht ausschließlich – wie derzeit satzungsmäßig verfügt – der Gegenwartskunst verpflichtet ist.

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Veränderungen sind, etwa aus Gründen kritisch werdender Mitgliederzahlen, wahrscheinlich. Mittelfristig könnte so eine Einbuße in Bereich Vereinsautonomie durch eine erforderliche Verschmelzung mit anderen Institutionen wie dem Museum, der Universität oder der Privatwirtschaft anstehen. Wobei sich die Frage stellt, ob unterdessen etwa eine Teilprofessionalisierung der derzeitigen Arbeit auf Ehrenamtsbasis nicht auch einen Gewinn für die Kunstsache und das Kunstpublikum bedeuten könnte.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Kunstförderung allgemein beziehungsweise speziell in Lüneburg als Ergänzung zum Angebot in der Weltstadt Hamburg. Begegnung mit Gegenwartskunst aus dem näheren und weiteren Einzugsgebiet, sprich Norddeutschland. Und ein persönlicher Kontakt und eine direkte Auseinandersetzung mit Künstlern, sowie der Austausch über Kunst mit anderen Kunstinteressierten in den einzigartigen Präsentationsräumen im schönen Heinrich-Heine-Haus.

Gründungsjahr: 1984. Mitgliederzahl: zirka 40. Altersdurchschnitt: grob geschätzt etwa 60 Jahre. Jahresbeitrag: Einzel: 36 Euro, Paare: 54 Euro, ermäßigt: 18 Euro. Ausstellungsfläche: im Stammsitz Heine-Haus rund 80 Quadratmeter. Jahresbudget: schwankend, in der Regel zirka 3000 - 4000 Euro . Leitung: Roland Struensee. Kommende Ausstellung: ab dem 13. August, in den Räumen von E.ON-Avacon Lüneburg: Jutta Brüning, Rudolf Ludewig und Ruth Gindhart: Bildobjekte, Grafik, Skulptur/Objekte und im Heinrich-Heine-Haus, ab 30. August: Carmen Hillers, Malerei.

"Hans Platschek und seine Hamburger Freunde"

Termin: 31. Januar bis 15. März 2009 im Museum für das Fürstentum Lüneburg und im Heinrich-Heine-Haus, Am Ochsenmarkt 1, Lüneburg
http://www.kunstverein-lueneburg.de