Auktion - Christie's

Die Party geht weiter

Es war ein Fest: Christie's in New York fuhr bei der Abendauktion von Post-War and Contemporary Art mit 325 Millionen Dollar (222,7 Millionen Euro) das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Hauses ein.

„Dies war eine meiner aufregendsten Versteigerungen“, erklärte Chefauktionator Christopher Burge. Nachdem die Konkurrenz Sotheby's in der vergangenen Woche beim Verkauf von Impressionisten und moderner Kunst ein eher laues Ergebnis erzielt hatte und die Aktien des Hauses am nächsten Tag um beinahe 40 Prozent eingebrochen waren, hatte die Kunstwelt den Auftakt dieser Auktionswoche mit entsprechender Spannung erwartet. „Dies ist ein gesunder Markt“, verkündete Burge.

Die Veranstaltung im wie bei einem Rockkonzert gefüllten Saal ging im Steilflug mit dem ersten Rekord für „Pantheon, Rome“ (1990) von Thomas Struth los. Nur 30 Minuten später hatte Burge bereits weitere sieben Rekorde erhämmert. 16 gab es insgesamt an diesem Abend. Darunter unglaubliche sechs Millionen Dollar für eine von Richard Prince Krankenschwestern („Piney Woods Nurse“, 2002), denen Dreigroschen-Romane als Vorlage dienen. Lucian Freuds „Ib and her Husband“, das seine im Bett liegende schwangere Tochter und ihren Mann zeigt, brachte die Rekordsumme von 19,3 Millionen Dollar.

Alle drei Auktionshäuser haben erstmalig chinesische Vertreter in das allgemeine Aufgebot an internationalen Künstlern aufgenommen. Und so war auch Zhang Xiaogang mit seinem „Family Portrait“ aus der „Bloodline Series: Mother with three sons“ (1993) mit einem Bestergebnis von fast vier Millionen Dollar dabei. „Ich hatte ein gutes Ergebnis erwartet, aber meine Erwartungen wurden noch übertroffen“, kommentierte der Galerist David Zwirner zufrieden. Sein Künstler On Kawara zählte mit seiner „Today Series” (Dec 1. 1974 - Dec 7 1974) mit 2,4 Millionen Dollar zu den Rekordhaltern. Gerhard Richters frühes Werk „Düsenjäger“ (1963) schaffte mit 11,2 Millionen Dollar einen neuen Auktionsrekord. Jedoch schnitten drei weitere von Richters Arbeiten, darunter sein „Abstraktes Bild (559-2)“ von 1984 (4,9 Millionen Dollar) aus der Sammlung von Michael und Eleonore Stoffel aus Köln, recht unspektakulär ab. Sein „Abstraktes Bild (611-3) gehörte zu den nur fünf Arbeiten des Abends (von insgesamt 67 Losen), die keinen Käufer fanden. Auch Jeff Koons gigantischer Klunker „Diamond (Blue)“ aus farbigem Edelstahl, der aus der Sammlung von Benedikt Taschen stammen soll, nahm mit 11,8 Millionen Dollar einen Rekord mit. Allerdings handelte es sich beim Käufer um Koons Galerie Gagosian und die Erwartungen für das Kitsch-Werk sollen weitaus höher gewesen sein.

Seit der Versteigerung bei Sotheby's im Frühjahr und einem Rekordpreis von 65 Millionen Dollar gilt Mark Rothko als heißes Ticket. Christie's hatte gleich mehrere Rothkos zu bieten, darunter die Arbeit „Untitled (Red, Blue, Orange)“ von 1955 aus der Sammlung der Familie Viktor und Marianne Langen, das 2008 unter anderem in der Hamburger Kunsthalle zu sehen sein wird. Es ging als teuerste Arbeit der Auktion mit 34,2 Millionen Dollar unter den Hammer. Vorab hatte es reichlich Pressewirbel um Andy Warhols „Liz“ Taylor von 1963 gegeben. Zum einen, weil es zu Warhols begehrten Ikonen zählt. Zum anderen, weil der Schauspieler Hugh Grant das Bild vor sechs Jahren bei Sotheby's für 3,5 Millionen Dollar ersteigert hatte. Er strich mit 23,5 Millionen Dollar einen netten Gewinn ein. Morgen wird sich zeigen, ob Sotheby's seine Kunden ebenso zufrieden machen kann.